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Aktuell

Waldwildnis in Deutschland

Klarstellung des Bundesamtes für Naturschutz

BfN Pressemitteilung, 5.5.17

Das als dpa-Meldung verbreitete Interview mit Professor E.D. Schulze nimmt das BfN zum Anlass für die nachfolgende Klarstellung zu den Waldzielen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung (NBS). BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel erklärt dazu:
  • "Es ist weder korrekt, dass das 5 %-Ziel erreicht, noch dass es obsolet sei: Eine vom BfN geförderte und von einer renommierten forstlichen Forschungsinstitution durch-geführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass zum Stichjahr 2013 lediglich 1,9 % des Waldes in Deutschland eine natürliche Waldentwicklung im Sinne der NBS aufwiesen. Dieser Wert liegt noch weit von den von der Bundesregierung als Ziel gesetzten 5% entfernt.
  • Das 5 % Ziel ist dabei keinesfalls nachrangig, sondern eines der zentralen Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie. Die Strategie selber nimmt keine Unterteilung in vor- oder nachrangige Ziele vor.
  • Biologische Vielfalt darf nicht mit reiner Artenzählerei gleichgesetzt werden: Ziel einer natürlichen Waldentwicklung, bei der auf forstliche Eingriffe verzichtet wird, ist eben nicht einfach die Maximierung der darin vorkommenden Artenzahlen, sondern die Erhaltung und Schaffung von Waldökosystemen, die sich soweit als möglich nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln können. Solche Ökosysteme biete dann auch wieder Lebensraum für das gesamte Spektrum vor allem zahlreicher gefährdeter Arten. Darunter sind viele, die definitiv auf Totholz angewiesen sind, wie es im Wirtschaftswald nicht zu finden ist. Es geht hier auch um Ökosystem- bzw. Lebens-raumvielfalt; diese stellt neben der Artenvielfalt und der genetischen Vielfalt eine der Dimensionen von Biodiversität dar. Wir brauchen ungenutzte Waldlebensräume, um das gesamte Spektrum der Biodiversität sowohl auf der Arten- als auch auf der Ebene der Lebensräume zu erhalten.
  • Der Begriff "Buchenmonokultur" ist unsachlich und unangemessen: Gerade für Buchenwaldökosysteme trägt Deutschland eine besondere internationale Verantwor-tung. Dass diese Verantwortung auch umfasst, einen kleinen Teil der Buchenwälder dauerhaft ihrer natürlichen Entwicklung zu überlassen, kam nicht zuletzt durch die UNESCO-Anerkennung „Alte Buchenwälder Deutschlands“ als Weltnaturerbe zum Ausdruck. Eine Anerkennung auf die Naturschutz- wie Forstverwaltungen zu Recht stolz sind.
  • Ungenutzte Wälder stellen auch Freilandlabore dar, in denen z. B. die Auswirkungen des Klimawandels beobachtet und aus denen dann Lösungen für die Forstwirtschaft der Zukunft abgeleitet werden können.
  • Der im BfN entwickelte Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität (sogenannter „Vogelindikator“) hat sich seit fast 15 Jahren bewährt: Ein Teilindikator bezieht sich dabei auf die Situation der Wälder in Deutschland. Seit 1990 bewegt sich der auf den Bestandsgrößen von 11 Waldvogelarten beruhende Wert dieses Teilindikators mit gewissen Schwankungen bei ca. 80% des Zielwertes von 100%. Sowohl die Auswahl der Indikatorarten als auch die Festlegung des Zielwertes wurde nicht „subjektiv“ vom BfN vorgenommen, sondern durch ein hochkarätig besetztes Expertengremium. Der Zielwert beruht auf der Annahme, dass alle geltenden europäischen und nationalen Regelungen mit Bezug zum Naturschutz und die Leitlinien einer nachhaltigen Ent-wicklung in Deutschland zügig und flächendeckend umgesetzt werden und bewegt sich damit innerhalb des bestehenden rechtlich vorgegebenen Handlungsrahmens."



Waldwildnis schadet der Artenvielfalt

(dpa) - 4. Mai, 2017

https://www.welt.de/regionales/thueringen/article164232127/Waldwildnis-schadet-der-Artenvielfalt.html


Waldforscher rüffelt rot-rot-grünes Wildnisprojekt

In Thüringen wird erbittert um mehr Naturwald gestritten. Die Debatte entzündet sich aktuell vor allem daran, Flächen am Possen rund um Sondershausen aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. Aus Expertensicht birgt Wildnis im Wald die Gefahr, die Artenvielfalt zu schmälern.

In Südthüringen, 4. Mai, 2017

http://www.insuedthueringen.de/region/thueringen/thuefwthuedeu/Waldforscher-rueffelt-rot-rot-gruenes-Wildnisprojekt;art83467,5502521




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