Aktuell


Wildkatzen in Deutschland

2017 war ein gutes Jahr für die Europäische Wildkatze

BUND gelingen bundesweit erstmalige Nachweise

BUND-Pressemitteilung, 18. Dezember 2017

Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) konnte 2017 mehrere bisher unbekannte Vorkommen der seltenen Europäischen Wildkatze in Deutschland nachweisen. Besonders aufschlussreich waren die Funde in Niedersachsen, Bayern und dem Saarland.

Während der Winter für die Europäische Wildkatze Überlebenskampf bedeutet, beginnt für die Wildkatzenforscher des BUND eine spannende Zeit. Seit Jahresbeginn waren sie mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern in deutschen Wäldern auf der Suche nach Wildkatzen und haben zum Jahresende spannende Erkenntnisse vorliegen: Im Saarkohlenwald und auf der bayrischen Seite des Odenwalds wurden erstmals Wildkatzen dokumentiert. Besonders bemerkenswert ist der bisher nördlichste Nachweis einer Wildkatze in Deutschland in der Lüneburger Heide. Er zeigt an, dass sich die Tierart nach Norden ausbreitet – eine erfreuliche Neuigkeit, sind doch weite Teile Nordostdeutschlands nach wie vor „wildkatzenlos“, obwohl die Wälder dort als Lebensraum geeignet wären. Interessant sind auch neue Erkenntnisse über Wanderungen von Wildkatzen. So wurde kürzlich bei Schweinfurt ein Kater entdeckt, der bereits 2015 vom Biosphärenreservat Rhön in der Hochrhön nachgewiesen worden war. Er ist damit nachweislich über 30 Kilometer gewandert und hat in seinem neuen Lebensraum möglicherweise sogar für Nachwuchs gesorgt.

Ein weiterer genetischer Nachweis eines Wildkatzen-Katers in der nordsächsischen Dübener Heide zeigt anschaulich, auf welchen Wegen sich die Wildkatze Lebensräume zurückerobert. „Genanalysen beweisen, dass dieser Kater mit den Wildkatzen im Harzer Vorland verwandt ist – genau wie die Wildkatzen im Leipziger Auwald. Die Kenntnis solcher Wanderbewegungen hilft uns, die genutzten Routen zu schützen und gezielt geeignete Lebensräume miteinander zu verbinden“, sagte Friederike Scholz, Wildkatzenexpertin des BUND.

Um Wildkatzenvorkommen nachzuweisen, kommt die „Lockstock-Methode“ zum Einsatz. Dabei werden angeraute Holzlatten in Wäldern aufgestellt und mit Baldrian besprüht. Von dem Geruch angezogen, reiben sich die Katzen an den „Lockstöcken“ und hinterlassen Haare, die eingesammelt und vom Institut Senckenberg in Gelnhausen im Labor genetisch analysiert werden. „Durch die Genanalysen können wir nicht nur Aussagen über Wanderbewegungen der Wildkatze treffen, sondern auch über Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Individuen und die Nutzung verschiedener Lebensräume. Auf diese Weise konnte der BUND in den letzten Jahren sein Wissen zur Wildkatze enorm erweitern und wichtige Weichen für ihren nachhaltigen Schutz stellen“, erklärte Scholz.

Hintergrundinformation:

Schätzungen gehen von ca. 5.000 bis 10.000 Wildkatzen in Deutschland aus. Der BUND setzt sich bereits seit knapp 40 Jahren für den Schutz der scheuen Waldbewohner ein. Seit 2004 läuft das Engagement des BUND für die Europäische Wildkatze unter dem Namen „Rettungsnetz Wildkatze“. Durch zahlreiche Projekte ist es dem BUND gelungen, die öffentliche Aufmerksamkeit und das Interesse für die Wildkatze zu stärken. Dazu trägt auch die Ernennung der Europäischen Wildkatze zum Tier des Jahres 2018 bei.




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