Aktuell


Drittes Dürrejahr in Folge

Wälder und Felder am Limit

Trockenstress und Waldbrandgefahr steigen/ WWF fordert Rückbau von Entwässerungsgräben in Wäldern und besseren Moorschutz

WWF Pressemitteilung, 23.4.20

Sorgenvoll blicken Förster, Waldbesitzer, Landwirte und Biologen derzeit auf die Wetterprognosen. Seit Wochen bleibt in Deutschland der Regen aus, der Trockenstress für Wälder und Felder, aber auch für Feuchtgebiete wächst. Vielerorts gilt die höchste Waldbrandstufe, erste Wälder und Moore brennen. Für die nächsten Tage ist kein signifikanter Niederschlag in Sicht, so die Meteorologen. „Wasserknappheit wird durch die Erderhitzung auch bei uns in Deutschland zum Dauerproblem. Gleichzeitig ist die Landschaft durchzogen mit Drainagerohren und Entwässerungsgräben, die die Böden weiter austrocknen“, kritisiert WWF-Naturschutzvorstand Christoph Heinrich. Er fordert eine Abkehr von der weit verbreiteten „Entwässerungsmentalität“, die darauf abzielt jeden Wasserüberschuss umgehend aus der Landschaft abfließen zu lassen: „Angesichts des Trockenstresses in deutschen Wäldern und Feuchtgebieten und der wachsenden Not vieler Landwirte müssen wir Wasser in der Landschaft zurück halten, statt zu entwässern.“

Um den Wasserhaushalt an trockenere Zeiten besser anzupassen, appelliert der WWF an die Wasserbehörden der Bundesländer und die Wasser- und Bodenverbände, neue Konzepte zum Rückhalt von Wasser in der Landschaft zu entwerfen. „Es muss vor allem schnell gelingen, die sensiblen Niedermoorböden dauerhaft feucht zu halten. Humusreiche Moore speichern große Kohlenstoffmengen und tragen damit wesentlich zum Klimaschutz bei. Entwässert man diese Böden, dann gehen nicht nur wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen verloren, sondern die Torfzersetzung setzt große Mengen CO2 frei“, unterstreicht Heinrich. Einen wichtigen Beitrag zum Moorerhalt leisten Landwirte, wenn sie zum Beispiel Feuchtgrünland auf Niedermoorstandorten und Nassstellen in Äckern erhalten. Dafür braucht es aus Sicht des WWF jedoch deutlich mehr finanzielle Unterstützung und eine entsprechende Aufstockung der Förderprogramme von Bund und Ländern zur Renaturierung von Mooren.

Als „extrem kontraproduktiv“ bezeichnet Christoph Heinrich in Zeiten zunehmender Trockenphasen die immer noch verbreitete Praxis, auch Wäldern mit Entwässerungsgräben buchstäblich das Wasser abzugraben: „Diesem Aderlass im Wald müssen wir ein Ende setzen, statt Grundwasser zu verlieren gilt es die Grundwasserneubildung zu fördern.“ Dazu beitragen kann auch die Wahl der Bäume. So lassen Laubwälder deutlich mehr Niederschlag ins Grundwasser versickern als Nadelwälder. Der WWF ruft staatliche Forstverwaltungen und private Waldbesitzer auf, sich nicht in den Anbau standortfremder trockenheitsresistenter Baumarten zu flüchten. „Kunstforste dürfen nicht durch neue Kunstforste ersetzt werden“, betont Christoph Heinrich und wirbt für Mischwälder mit einem hohem Anteil standorttypischer Baumarten - unter besonderer Berücksichtigung von heimischen Baumarten mit hoher Trockenheitstoleranz. „Laubbäume erhöhen den Grundwasserspiegel, sorgen für ein kühleres Waldklima und beugen somit auch Bränden vor. Gleichzeitig sind sie meist besser gegen Stürme gewappnet und weniger anfällig für Insektenfraß“, unterstreicht er die Vorteile natürlicher Mischwälder.

Im norddeutschen Tiefland sind künstlich geschaffene Kiefernforste anfällig für Brände, in den Mittelgebirgen ausgedehnte Fichtenforste für Trockenstress. Ausgetrocknete Fichten sind ein gefundenes Fressen für Borkenkäfer. Dessen Bestände sind in den vergangenen heißen Sommern stark gewachsen, den Fichtenwäldern droht deutschlandweit ein beispielloser Befall.

Die trockenen und heißen letzten Jahre haben dem deutschen Wald bereits massiv zugesetzt: 2019 wurde verstärkt ein Absterben von Bäumen beobachtet. 245.000 Hektar Wald sind stark geschädigt, eine Fläche so groß wie das Saarland.


NABU warnt vor hohem Waldverlust durch Dürre und Trockenheit

Krüger: Wir müssen dem Wald die Chance zur Selbsthilfe geben

NABU Pressemitteilung, 24.4.20

Berlin – Zum Internationalen Tag des Baumes weist der NABU auf die stark angespannte Situation unserer Wälder hin. „Die negativen Folgen des Klimawandels werden am Wald besonders deutlich sichtbar. Momentan wirken viele Bäume durch den frischen Blattaustrieb vital, doch die aktuellen Entwicklungen lassen noch in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg der Waldschadensfläche befürchten. Größenordnungen von 500.000 Hektar und mehr sind nicht mehr unvorstellbar“, so NABU- Präsident Jörg-Andreas Krüger.

Die Jahre 2018 und 2019 waren außergewöhnlich trocken und heiß. 2018 war das wärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Neben den hohen Temperaturen führt der fehlende Niederschlag zu erhöhtem Trockenstress für die Wälder – sichtbar durch die vermehrt absterbenden Fichtenwälder und die zunehmenden Waldbrände.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium bezifferte die geschädigte Waldfläche für die Jahre 2018 bis 2020 bereits auf 245.000 Hektar mit einem Schadholzanfall von 160 Millionen Kubikmeter. Etwa 90 Prozent des Schadholzes entfallen dabei auf Nadelholz, vorwiegend Fichten. Der Anteil von Nadelwäldern liegt derzeit bei über 50 Prozent.

Der Winter 2019/2020 war erneut außerordentlich mild und durch die geringen Niederschläge sind die Wasservorräte des Bodens noch immer nicht aufgefüllt. Borkenkäfer haben damit ideale Voraussetzungen für eine Massenvermehrung. Sie treffen auf vorgeschädigte Fichten, die sich auf Grund des andauernden Wassermangels nicht mit Harz gegen die Käfer wehren können. Unter diesen Umständen können bis zu drei Borkenkäfergenerationen entstehen. Dazu kommt die hohe Waldbrandgefahr.

„Wir sind von den absterbenden Wäldern direkt betroffen. Vor allem in den Mittelgebirgen wird sich das Landschaftsbild massiv ändern und die ökologische Leistungsfähigkeit der Wälder sinkt. Damit neue, angepasste Wälder aufwachsen können, müssen wir den Klimawandel verlangsamen und begrenzen und schon heute dem Wald die Chance zur Selbsthilfe geben. Das geht nur, wenn wir endlich die Wurzel des Problems anpacken anstatt lediglich akute Brände zu löschen – sprichwörtlich und wortwörtlich.“, so Krüger.

Um dem Wald die Chance zur Selbsthilfe zu geben, sind für den NABU folgende Aspekte von zentraler Bedeutung:
  • In naturfernen Nadelbaumforsten muss der Umbau der Wälder hin zu baumar-tenreichen Laubmischwäldern forciert werden.
  • In durch Laubbäume geprägte Wälder sollte das Kronendach als „Sonnenschirm“ geschlossen gehalten werden.
  • Um mehr Wasser zu speichern, muss die Masse von lebenden und totem Holz vergrößert werden. Auch abgestorbene Bäume haben wichtige Funktionen, etwa als Lebensraum, Schattenspender, Wasser- und Nährstoffspeicher, und sollten zumindest teilweise im Wald belassen werden.
  • Der Umbau naturferner Wälder kann nur gelingen, wenn Baumsamen und junge Bäume nicht nahezu vollständig von Rehen und Hirschen aufgefressen wer-den. Die Jagd muss einen zentralen Beitrag zum Gelingen des Waldumbaus leisten.
  • Um aus der Anpassung der Wälder unter ungestörten Bedingungen auf den Klimawandel lernen zu können, sollten die Ziele der Bundesregierung, mindestens fünf Prozent der Waldfläche als Naturwälder und zwei Prozent der Landfläche als Wildnisgebiete der Natur zu überlassen, rasch umgesetzt werden. Die Entwicklung der natürlichen Prozesse muss durch ein wissenschaftliches Monitoring intensiv begleitet werden.



Der Wald ist chronisch krank

BUND fordert: Kohlekraftwerke abschalten, Luftschadstoffe reduzieren und waldfreundliche Jagd festschreiben

BUND Pressemitteilung, 23.4.20

Berlin. Angesichts alarmierender Zahlen im aktuellen Waldzustandsbericht und der sich bereits jetzt abzeichnenden Dürre warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zum Tag des Baumes vor einer Verschlimmerung der Waldkrise. "Den Bäumen in den Wäldern Deutschlands geht es so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht", warnt der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt. Das läge nicht allein an der Erderhitzung. "Der Wald ist durch Dürre, intensive Forstwirtschaft und Stickstoffeinträge im Dauerstress. Gerade bei den Stickoxiden ist das seit vielen Jahren bekannt. Deshalb muss die Bundesregierung jetzt effektive Klimaschutzmaßnahmen ergreifen und gleichzeitig Schadstoffemissionen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft wirksam reduzieren. Nur so hat der Wald eine Chance endlich wieder aufatmen zu können."

Zudem muss aus Sicht des BUND der Waldumbau weg von naturfernen, anfälligen Nadelforsten hin zu vielfältigen Laubwäldern endlich vorantrieben werden. Für den Waldumbau sind waldfreundliche Regelungen im neuen Bundesjagdgesetz überfällig, um jungen Laubbäumen das Aufwachsen zu ermöglichen. Andernfalls würden auch Steuergelder für teure Baumpflanzungen verschwendet, da die meisten Setzlinge sofort von Rehen wieder aufgefressen würden.

Mit Blick auf die Klimakrise erklärt Bandt weiter: "Die Klimakrise setzt dem Patienten Wald weiter zu. Schon jetzt im Frühjahr zeichnen sich eine erneute Dürreperiode und damit absterbende Waldbestände bis hin zu drohenden Waldbränden ab." Umso wichtiger ist es, alles zu tun, um die Erderhitzung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen und den Wald nicht zusätzlich zu stressen. "Wir brauchen einen effektiven Waldschutz durch effektiven Klimaschutz. Wir brauchen Maßnahmen zur absoluten Energieeinsparung, einen schnellen Ausstieg aus fossilen Energien, allen voran der Kohleverstromung und eine schnellstmögliche Umstellung des Energiesystems auf 100 Prozent erneuerbare Energien", fordert der BUND-Vorsitzende. "Um den Eintrag von Stickoxiden in die Waldböden zu reduzieren, müssen nun schnell fossile Feuerungen in Energiewirtschaft, Industrie und Haushalten dauerhaft reduziert werden." So hätte die Bundesregierung durch die Abschaltung von Braunkohlekraftwerken, wie sie die Kohlekommission gefordert hat, einen ersten wichtigen Beitrag leisten können. Diese Maßnahmen sind nicht nur Klimaschutz, sondern entlasten auch die Wälder von den viel zu hohen Stickstofffrachten aus der Energiewirtschaft.

Um die Stickoxide aus dem Verkehr wirksam zu reduzieren, müssen aus Sicht des BUND insbesondere die Stickstoffdioxid Emissionen der Diesel-PKW schnell verringert werden, von denen 67 Prozent der Stickoxide des Verkehrs emittiert werden. Grundsätzlich ist ein genereller Umbau des Mobilitätssektors notwendig. So müssen der Autoverkehr verringert und die bestehenden Regeln zur Abgasreinigung eingehalten und zukünftig verschärft werden. "Der aktuelle Einbruch beim Ölpreis gibt der Bundesregierung die einmalige Möglichkeit, steuerpolitische Fehler in der Verkehrspolitik der vergangenen Jahre zu beheben", so der BUND-Vorsitzende. "Klimaschädliche Subventionen für die Energiesteuervergünstigung für Dieselkraftstoff und die Energiesteuerbefreiung von Kerosin – mit zusammen jährlich über 14 Milliarden Euro – müssen abgeschafft werden."

Darüber hinaus hält es der BUND für unvermeidbar, dass es angesichts des schlechten Zustandes des Waldes auch zu einer Agrarwende, mit einem Umbau der Nutztierhaltung und einer Halbierung der Nutztierbestände bis 2050 – vor allem im Schweine- und Geflügelbereich – kommen muss. Bandt: "Die Politik ist aufgerufen, sich intensiv mit den Empfehlungen des Kompetenznetzwerkes Nutztierhaltung auseinander zu setzen. Wir brauchen schnellstmöglich Verabredungen, wie der Umbau zu einer tiergerechten, umwelt- und klimafreundlichen Tierhaltung gestaltet und finanziert werden kann." Zudem muss ergänzend zur kürzlich geänderten Düngeverordnung eine Stickstoffüberschussabgabe eingeführt werden, um den Bäuerinnen und Bauern Anreize zu geben, den Eintrag von Stickstoff aus der Landwirtschaft weiter reduzieren.

Neben Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Reduzierung von Stickstoffeinträgen ist die Bundesregierung auch im Bereich Forstwirtschaft aufgerufen, zu grundlegenden Änderungen zu kommen. "Die Wälder müssen endlich schonender bewirtschaftet werden", erklärt der BUND-Vorsitzende. "Hierzu gehört eine ökologisch verträgliche Bewirtschaftung, damit mehr Feuchtigkeit im Wald verbleibt und dieser sich selbst stabilisieren kann." Konkret bedeute dies: weniger drastische Eingriffe bei der Holzernte, ein Stopp der Entwässerung von Wäldern und das Vermeiden der Verdichtung von Waldböden durch Befahrung. Für diese und andere Punkte müsse endlich eine gute forstliche Praxis definiert und in allen Waldgesetzen verbindlich verankert werden. Auch der Anteil der Naturwälder ohne forstliche Eingriffe ist deutlich zu erhöhen.

Gerade die in Deutschland großflächig gepflanzten Fichten- und Kiefernforste leiden stark unter der Dürre und sind besonders brandgefährdet. Diese naturfernen Nadelforste sind zudem anfällig für Stürme sowie Massenvermehrungen von Borkenkäfer beziehungsweise Nonnenfalter. Daher ist neben der Wiederbewaldung abgestorbener Waldflächen ein zügiger Waldumbau zwingend erforderlich, weg von den künstlichen Nadelforsten, hin zu stabileren und naturnahen Laubmischwäldern. Der BUND begrüßt in diesem Zusammenhang, dass die Bundesregierung hierfür Gelder zur Verfügung gestellt hat, um Kommunen und private Waldbesitzer zu unterstützen.

Bandt abschließend zum Wildtiermanagement für einen erfolgreichen Waldumbau: "Agrarministerin Julia Klöckner muss ihr Wort halten und bei der Novelle des Bundesjagdgesetzes für eine waldfreundliche Gestaltung der jagdrechtlichen Regelungen Sorge tragen. Der Wald braucht endlich einen Paradigmenwechsel beim Wildtiermanagement. Die Jagd muss so geregelt werden, dass die jungen Laubbäume wachsen können und nicht gleich wieder von Rehen gefressen zu werden, damit der Waldumbau gelingen kann. Nur so hat die natürliche Verjüngung von Laubbäumen eine Chance. Und nur dann werden die Steuergelder für teure Baumpflanzungen kein Fall für den Bundesrechnungshof."


Bund bringt Waldbrandprävention und -bewältigung voran

BMEL und BMU reagieren auf steigende Waldbrandgefahr und die massiven Waldschäden und bewilligen 22 neue Forschungs- und Modellvorhaben

BMU Pressemitteilung, 29.4.20

Aufgrund der hohen Temperaturen und der Trockenheit in den vergangenen Jahren kommt es in Deutschland vermehrt zu Waldbränden. Um diese Gefahr zu minimieren und zielgerichtet zu bekämpfen, fördern die Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) insgesamt 22 Forschungs- und Modellvorhaben. Aufgrund der Vielzahl von Waldbränden in den vergangenen zwei Jahren hatten die beiden Ministerien 2019 einen entsprechenden Förderaufruf gestartet. Die Projekte starten nun bundesweit zum 1. Mai und haben ein Volumen von insgesamt rund 11,3 Millionen Euro. Die Gelder stammen aus dem gemeinschaftlich finanzierten Waldklimafonds (WKF).

Bundeswaldministerin Julia Klöckner: "Unsere Wälder sind dauerhaft gestresst: Nach zwei trockenen Jahren droht nun eine Frühjahrsdürre, die unseren Bäumen stark zusetzt. Auch die Waldbrandgefahr ist aktuell wieder hoch – allein in 2018 haben wir durch Brände eine Waldfläche verloren, die rund 3.300 Fußballfeldern entspricht. Mit dem Förderprogramm wollen wir diese Gefahr effektiv eindämmen, unsere Wälder besser davor schützen. Dabei drehen wir an vielen Stellschrauben, gehen es umfassend an: Mehr Aufklärungsarbeit, intensivere Forschung, eine bessere Vernetzung sowie den klimastabilen Umbau unserer Wälder. Zudem stehen den Ländern auch Gelder aus unserem gemeinsamen 800 Millionen-Wald-Hilfspaket für verschiedene Maßnahmen zur Waldbrandprävention zur Verfügung."

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Der Klimawandel macht sich in unseren Wäldern deutlich bemerkbar, das macht mir große Sorgen. Die Dürre der letzten beiden Jahre hat schlimme Folgen für die Wälder und auch in diesem Jahr erleben wir bereits eine anhaltende Trockenheit und eine erhöhte Waldbrandgefahr. Zur Anpassung an den unvermeidbaren Teil des Klimawandels braucht Deutschland einen Waldumbau. Misch- und Laubwälder können sich zum Beispiel meist besser an Extremwetter anpassen als reine Nadelholzwälder. Mit den neuen Projekten wollen wir unsere Wälder widerstandsfähiger machen und erproben, wie sich Schäden im Fall eines Waldbrandes begrenzen lassen."

Die Projekte sollen helfen, Dürreperioden in Zukunft besser zu überstehen und umfassen grundlegende Forschungsarbeiten - beispielsweise um das ökologische, waldbauliche und technische Wissen zu Waldbränden zu erweitern oder die Waldbrandgefahr mit fernerkundlichen und meteorologischen Daten kartieren zu können. Ebenso werden Strategien für die Entwicklung feuerbeständiger und klimaresilienter Wälder auf Brandflächen entwickelt, wobei zugleich die Auswirkungen waldbaulicher Veränderungen auf Bodeneigenschaften und Bodenfauna, Pilze, Wild und Brutvögel untersucht werden. Außerdem soll eine vernetzte Datenplattform für Feuerwehren zu Prävention, Management und Bewältigung von Schadensereignissen entstehen. Mit einem weiteren Vorhaben soll eine digitale Informations- und Aufklärungskampagne für Jugendliche in sozialen Medien zur Waldbrandprävention entwickelt werden. Auch kampfmittelbelastete Waldflächen sind Gegenstand der Untersuchungen. Dabei werden beispielsweise der Einsatz geschützter Forsttechnik erprobt sowie Leitfäden für Waldbesitzer zur Arbeitssicherheit und Haftung bei der Waldbrandnachsorge erarbeitet.

Hintergrund:

Bei 1.708 Waldbränden waren im Jahr 2018 bundesweit 2.349 Hektar Wald verbrannt. Das ist laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die größte Waldbrandfläche seit 26 Jahren. Der vorbeugende Waldbrandschutz liegt in Deutschland in der Zuständigkeit der Bundesländer und ist in den Landeswaldgesetzen formuliert. Der Waldklimafonds wurde im Juni 2013 als Bestandteil des Energie- und Klimafonds gemeinsam von BMEL und BMU aufgelegt. Er kann als flexibles Förderinstrument an der Schnittstelle Wald und Klima optimal für die Fragestellungen genutzt werden.

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe ist seit 1993 als Projektträger des BMEL für das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe aktiv. Sie unterstützt seit 1. Januar 2019 als Projektträger auch Vorhaben der Förderrichtlinie Waldklimafonds.


Video-Statement Bundesministerin Klöckner zur Trockenheit

Presseinformation des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, 22.4.20

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Land- und Forstwirten bereitet die wochenlange Trockenheit Sorgen. Wegen des ausbleibenden Regens sind die Böden bereits ausgetrocknet. Aus diesem Anlass hat die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, in einem Video-Statement betont, dass ein weiteres Dürrejahr die Betriebe hart treffen würde und sie die Situation sehr genau beobachte, um bei Bedarf reagieren zu können.

Mit freundlichen Grüßen, Ihre Pressestelle des BMEL

Das Video-Statement finden Sie zu Ihrer freien Verwendung unter folgendem Link: https://we.tl/t-NficcTe3ho


Tag des Baumes - Besuch einer Aufforstungsfläche

Bundeswaldministerin Julia Klöckner besucht mit Landesforstministerin Ulrike Höfken Aufforstungsfläche

Stürme, Dürre, Waldbrände und Borkenkäferbefall – das hat 2018 und 2019 gravierende Schäden in den Wäldern verursacht. Und die Befürchtung ist, dass auch das Jahr 2020 dem Wald immens zusetzt. Der Jahresbeginn 2020 war durch anhaltende Regenphasen geprägt, in deren Verlauf sich die Wasserreservoire größtenteils wieder gefüllt haben. In den vergangenen Wochen hingegen war verbreitet Trockenheit zu beobachten, wobei die Situation regional und lokal sehr unterschiedlich sein kann. Mit Blick auf das laufende Jahr ist es im Augenblick noch zu früh, um über die mögliche Wetterentwicklung und deren Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Erträge sowie auf die Wälder verlässliche Aussagen treffen zu können. Der Deutsche Wetterdienst rechnet im Jahr 2020 bislang mit durchschnittlichen Niederschlägen. Dennoch ist bereits jetzt absehbar: Der hohe Schädlingsbefall aus dem Vorjahr und die unvollständige Aufarbeitung von Schadholz angesichts schlechter Holzabsatzmöglichkeiten führen zu einem hohen Risiko weiterer Schäden.

Am morgigen Samstag ist der Tag des Baumes. Und das nimmt die Bundeswaldministerin Julia Klöckner zum Anlass, eine Aufforstungsfläche im rheinland-pfälzischen Rehborn zu besichtigen, zusammen mit der Landesforstministerin Ulrike Höfken aus Rheinland-Pfalz.

Die Fläche wurde vor der aktuell herrschenden Trockenheit mit 500 Baumhaseln wiederaufgeforstet. In den vergangenen beiden Jahren haben wir erlebt, dass Teile unserer Wälder nicht ausreichend Widerstandskräfte gegen lange Trockenphasen gebildet haben, ganze Waldgebiete vertrockneten und wurden durch den Borkenkäfer zerstört.

Angesichts der sehr ernsten Lage hatte sich Bundesministerin Julia Klöckner für ein groß angelegtes, nachhaltiges Wiederaufforstungs- und Anpassungsprogramm mit standortangepassten Bäumen für robuste Mischwälder ausgesprochen. Für dieses Programm und die anschließende Pflege stellt die Bundesregierung den Ländern eine knappe halbe Milliarde Euro zur Verfügung. 478 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren sind vorgesehen von Bundesseite, die von den Ländern kofinanziert werden, sodass rund 800 Millionen Euro für den Wald zur Verfügung stehen. In 2020 stehen vom Bund 98 Millionen Euro für die Schadensbewältigung, weitere 40 Millionen Euro Bundesmittel für Maßnahmen zur Anpassung der Wälder bereit.

Mit Blick auf den wichtigen Beitrag des Waldes zum Klimaschutz und dem Allgemein-wohl warnt die Bundesministerin Julia Klöckner: "Wälder sind unverzichtbar für den Klimaschutz, für Einkommen und Arbeit in den ländlichen Räumen, als Lieferant des nachhaltig verfügbaren und klimafreundlichen Roh-, Bau-, Werkstoffs und Energie-trägers Holz, für die Erholung der Bevölkerung und für die Biodiversität. Diese Funktionen können die Wälder aber nur erfüllen, wenn ihnen in Not geholfen wird. Die Bäume, die fehlen, können nicht zur Senkung des CO2-Ausstoßes beitragen. Der Schutz unserer Wälder ist eine Generationenaufgabe. Dafür werden wir einen langen Atem brauchen und viele Menschen, die die Ärmel hochkrempeln und zusammenarbeiten."

Und die rheinland-pfälzische Umwelt- und Forstministerin Ulrike Höfken ergänzt: "Der Klimawandel macht in Corona-Zeiten keine Pause. Das sehen wir direkt vor unserer Haustür. Die Trockenheit der letzten beiden Jahre hat bislang ungekannte Schäden in unseren Wäldern angerichtet. Ein dritter Dürre-Sommer in Folge wäre katastrophal. Wir wollen den Wald fit für die Zukunft machen und leisten in unserem rheinland-pfälzischen Staatswald eine konsequente Krisenvorbeugung, indem wir auf naturnahe Mischwälder mit geeigneten Baumarten setzen. Zum Klimaschutz gehört auch der Einsatz von Solar- oder Wind-Energie im Forstbereich. Denn was dem Klima hilft, hilft auch dem Wald. Dazu kann jede und jeder einzelne etwas beitragen."

Bundesministerin Klöckner: "Wer aufforstet, hat kommende Generationen im Blick. Die Hilfen sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wichtig ist, dass die Förderung des Bundes und das Engagement der Länder Hand in Hand gehen, damit das Geld auf der Fläche ankommt."

Bereits im vergangenen Jahr wurden auf Initiative von Bundesministerin Klöckner neue Fördermaßnahmen in der "Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz" (GAK) auf den Weg gebracht, um Schäden zu bewältigen. Hilfen gibt es:
  • zur bestands- und bodenschonenden Räumung von Schadflächen und zur Lagerung von Schadholz,
  • zur Überwachung, Vorbeugung und Bekämpfung von Schadorganismen,
  • zur Prävention und Bekämpfung von Waldbränden und
  • für Maßnahmen zur Wiederaufforstung.
Bundesministerin Klöckner hatte zudem zusätzliche steuerliche Erleichterungen beim Bundesfinanzministerium für betroffene Waldeigentümer und eine neue Waldförder-sparte bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank erreicht.


Höchste Warnstufe

Vielerorts in Deutschlands besteht große Trockenheit und damit eine erhöhte Gefahr für Waldbrände. Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel bewertet die Lage.

Von Gesche Jürgens, Greenpeace-Online, 24.4.20

Raimund Engel ist Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg, dem einzigen Bundesland, welches diese Funktion auf Landesebene eingesetzt hat. Er berät das Innen- sowie das Landwirtschaftsministerium. Im Interview mit Greenpeace erklärt er, wie sich die Situation in den vergangenen Jahren verändert hat, was er für das Jahr 2020 erwartet und was wir alle tun sollten, wenn wir einen Waldbrand bemerken.

Greenpeace: Gab es in den vergangenen Jahren besonders viele Waldbrände?

Raimund Engel: Es gab immer wieder extrem warme Sommer und damit auch viele Waldbrände, 2003 war zum Beispiel so ein Jahrhundertsommer. Auch 1992 brannten 1295 Hektar Wald, aber 2018 brannte mit insgesamt 1663 Hektar die größte Fläche in Brandenburg.

Was heißt das für Ihre Arbeit?

2018 und 2019 hatten wir ein neues Phänomen. Wir hatten sehr viele Großschadenslagen, also Brände ab zehn Hektar. Und auch viele, die als sogenannte Langzeitlagen geführt wurden. Das heißt: Die Brände konnten nicht innerhalb eines Tages gelöscht werden, sondern brannten teilweise bis zu zwei Wochen.

Nach diesen langen und großen Waldbränden erholt sich der Wald bestimmt nur langsam.

Ja, genau. Bei Großschadenslagen hat das Feuer eine ganz eigene Dynamik und auch eine ganz andere Hitzeentwicklung. Da bleibt einfach nichts mehr übrig. Bei diesen Feuern verbrennt von der Wurzel bis in die Baumkrone alles. Es dauert dann natürlich auch viel länger, bis sich der Wald erholt hat.

Warum brannte der Wald länger und häufiger in den vergangenen Jahren?

Der Wald ist er durch die extreme Trockenheit und höhere Temperaturen besonders anfällig dafür, dass sich Brände sehr schnell und stark ausbreiten. Zusätzlich haben wir in Brandenburg einige Flächen in denen Kampfmittel vermutet werden. Die Feuerwehr kann in diese Fläche nicht rein, sondern das Feuer nur von außen bekämpfen.

Aber Kampfmittel gab es ja auch schon vor 2018.

Natürlich, die gibt es seit dem Ende des zweiten Weltkriegs, teilweise sogar seit dem ersten Weltkrieg. Wir haben allerdings jetzt ein Problem mit der Munition, weil sie nach und nach aus dem Boden kommt und sich dann entzünden kann. Das ist wie bei Steinen auf dem Kartoffelacker, durch die Erosion tragen Wind und Regen die Steine langsam an die Oberfläche.

Und wie entzündet sich diese alte Munition?

Geschosse werden häufig mit einer Leuchtspur versehen und diese Leuchtspur bestand früher aus Phosphor. Wenn Phosphor wieder nach oben kommt, kann es sich durch Wärme und Wind entzünden. Das explodiert dann nicht, aber ist in etwa so, als ob man ein oder zwei Streichhölzer anmacht. Und bei einem Wald mit hoher Brandlast, also mit viel trockener Biomasse am Boden und bei höheren Temperaturen, reicht das völlig aus.

Wie viele Brände entstehen denn durch diese Phosphormunition?

Im vergangenen Jahr sind so etwa fünf Prozent der Brände entstanden. Wobei wir bei den meisten Waldbränden die Ursache nicht genau klären können, etwa 45 Prozent bleiben ungeklärt. Und dann gibt es natürlich noch die vorsätzliche Brandstiftung und die berühmte Zigarette – das heißt in der Statistik dann “nicht aufgeklärte Zündungen”.

Was ist zu tun, wenn man einen Waldbrand bemerkt?

Immer sofort die Feuerwehr anrufen, selbst zu löschen, bringt gar nichts. Und vor allem – präventiv – kein Feuer, keine Zigarette und auch kein Feuerwerk in der Nähe des Waldes. All das ist strengstens verboten, weil es Waldbrände auslösen kann. Es herrscht das gesamte Jahr absolutes Rauchverbot im Wald.

Wie versuchen Sie, Bränden entgegenzuwirken?

Die Strategie ist immer, so früh wie möglich das Feuer zu erkennen, die Feuerwehr zu alarmieren – und zwar alle Ortsfeuerwehren rundherum. Nur dann hat man die Chance, das Feuer schnell unter Kontrolle zu bringen. Wenn ich an den Brand aber gar nicht herankomme, weil es in einer Kampfmittelfläche liegt, dann kann man im schlimmsten Fall nur zusehen, wie es brennt und versuchen, die angrenzenden Waldbestände dieser Flächen zu schützen.

Wenn es mehr Niederschlag gäbe und weniger heiße Sommer, gäbe es also auch weniger Waldbrände?

Auf jeden Fall. Denn die Bestände sind durch die immer wiederkehrende Trockenheit unter Stress. Der Boden ist total ausgetrocknet. Das sehen wir in diesem Frühjahr ganz besonders. Die Feuchtigkeit aus dem Oberboden ist schon wieder raus - die Wälder sind einfach knochentrocken. Dadurch tut sich frisches Grün extrem schwer durchzukommen. Die Brandlast ist also bereits jetzt im April unglaublich hoch, deshalb haben wir auch schon jetzt so viele Brände.

Wenn das im April schon so ist, wie wird dann der Sommer?

Wir werden, wenn es so weitergehen sollte, im April vermutlich nur fünf bis zehn Prozent des Niederschlags bekommen, der für diesen Monat eigentlich üblich und notwendig wäre. Es wird, allein durch das Defizit, das wir jetzt schon haben, wieder ein Waldbrandjahr werden. Ich befürchte 2020 wird sich in die Jahre 2018 und 2019 einreihen – genauso schlimm.




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