Aktuell


Umweltkatastrophen in Sibirien

Hitzewelle in Russland: Waldbrände in Sibirien dehnen sich aus

In Sibirien und im äußersten Osten Russlands weiten sich Waldbrände weiter aus. Teils verzichten die Kommunen wegen der hohen Kosten auf die Brandbekämpfung. Die Temperaturentwicklung seit Jahresbeginn beunruhigt Wissenschaftler.

Tagesschau, 27. Juni, 2020

https://www.tagesschau.de/ausland/sibirien-waldbraende-113.html


Klimaforscher warnen: Folgen der Hitzewelle in Sibirien bekommt die ganze Welt zu spüren

In der russischen Stadt Werkojansk in Sibirien wurde ein neuer, regionaler Temperaturrekord gemessen. Das Thermometer stieg auf 38 Grad. Klimaforscher geben nun zu Bedenken, dass sich die Erwärmung in Sibirien auch auf das globale Klima auswirkt.

Redaktionsnetzwerk Deutschland, 25.6.20

https://www.rnd.de/wissen/klimawandel-in-sibirien-neuer-temperaturrekord-gemessen-forscher-warnen-vor-hitzewelle-folgen-IWJ7IOIX4A67RUT7PTM4H6LM24.html


Warum die Klimakrise Sibirien besonders hart trifft

Seit Monaten ist es im Norden Sibiriens viel zu warm, die Brände weiten sich aus. Der Grund könnte ein noch unbekannter Prozess sein.

Von Marlene Weiß, Süddeutsche Zeitung, 30.6.20

https://www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-sibirien-braende-hitzewelle-1.4951925


Die Hitzewelle in Sibirien alarmiert die Wissenschaft!

Die lang anhaltende Hitzewelle in Sibirien, über die wir schon berichtet haben, lässt viele Wissenschaftler richtig nervös werden. Zudem gibt es weiterhin Waldbrände und Umweltverschmutzung durch brüchige Ölleitungen.

Das Wetter, 28. Juni, 2020

https://www.daswetter.com/nachrichten/wissenschaft/die-hitzewelle-in-sibirien-alarmiert-die-wissenschaft.html


GfbV-Report „Indigene Völker der Arktis – zwischen Klimawandel und Rohstoffboom"

Tauende Permafrostböden führen zu Umweltschäden: Geborstener Treibstofftank erst vor einem Monat
Beginnende deutsche EU-Ratspräsidentschaft sollte Arktisleitlinien zum EU-Maßstab machen
Arktisstaaten dürfen Verteilungskampf nicht auf Kosten indigener Völker führen


GfbV Pressemitteilung, 30.6.20

Die Arktis erwärmt sich viel schneller als der restliche Erdball – mit vielfältigen Konsequenzen für die Menschen, die dort traditionell leben. Diese Auswirkungen analysiert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in dem Report „Indigene Völker der Arktis – zwischen Klimawandel und Rohstoffboom“, der heute erscheint. Tauende Permafrostböden führen bereits jetzt zu schwerwiegenden Problemen: Erst vor einem Monat sind aus einem geborstenem Treibstofftank tausende Liter Diesel ausgelaufen. Sie richten auf dem Territorium der indigenen Dolganen und Nenzen eine Umweltkatastrophe an, deren Ausmaß und Konsequenzen noch kaum abzusehen sind. Neben den sich abzeichnenden Herausforderungen für die indigenen Völker der Arktis gibt der Report Handlungsempfehlungen für die beginnende deutsche EU-Ratspräsidentschaft und formuliert Forderungen an die deutsche und internationale Politik.

„Wenn die deutsche Bundesregierung während ihrer Ratspräsidentschaft Europa wieder stark machen möchte, muss sie auch die indigenen Völker Europas stärken“, fordert Ulrich Delius, Direktor der GfbV. „Wir begrüßen sehr, dass die Rechte indigener Völker in den deutschen Arktisleitlinien ausdrücklich eine Rolle spielen. Jetzt muss Deutschland konsequent sein und die Ratspräsidentschaft nutzen. Die Leitlinien müssen in Sachen Nachhaltigkeit und Schutz der Rechte indigener Völker vor der Übermacht der Rohstoffkonzerne bestehen können und EU-weit zum Maßstab werden.“

In der europäischen Arktis habe ein Verteilungskampf der Arktisstaaten Russland, USA (Alaska), Kanada, Dänemark (Grönland), Norwegen, Schweden und Finnland einen regelrechten Rohstoffboom ausgelöst. „Deutschland importiert auf Kosten indigener Völker Erdgas aus Sibirien und profitiert außerdem durch den Bau von Windkraftanlagen in Norwegen und Schweden“, erklärt Delius. Auch China sei überall präsent, erkunde mit einer kleinen Eisbrecherflotte neue Handelsrouten in der Nordostpassage, um in dieser zukunftsträchtigen Region Fuß zu fassen.

„In diesem Spannungsfeld zwischen Geostrategie und Rohstoffinteressen stehen die indigenen Völker der Arktis vor enormen Herausforderungen“, so Delius. „Der Klimawandel bedeutet für sie einen grundsätzlichen Wandel ihrer Lebensbedingungen, aber auch einen Wertewandel. Für viele Indigene gehen die Entwicklungen schneller vonstatten, als sie sich und ihre Lebensweise anpassen können. Identitätsverlust insbesondere unter Jugendlichen ist oft die Folge.“ Ein international gültiges Regelwerk, das den Zugriff auf die Rohstoffe zu Land und auf dem Meeresboden sowie eine gesicherte, gleichberechtigte Beteiligung der Indigenen an allen Entscheidungen festschreibe, sei dringend vonnöten. Die Bundesregierung solle ihr EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um dieses Ziel zu erreichen.


Verzweifelter Kampf gegen die Ölpest in Sibirien

Seit Tagen verpestet ein riesiger Ölteppich nahe der sibirischen Stadt Norilsk die Natur. Rund 21.000 Tonnen Diesel sollen nach einem Unfall in einem Kraftwerk ausgelaufen sein. Einsatzkräfte versuchen verzweifelt, den Schaden zu begrenzen.

Deutsche Welle, 11. Juni, 2020

https://www.dw.com/de/verzweifelter-kampf-gegen-die-%C3%B6lpest-in-sibirien/av-53779941


Nächster Umweltskandal in Sibirien

In der russischen Tundra hat der Nickelproduzent Nornickel nach der Umweltkatastrophe im Mai mit 21.000 Tonnen ausgelaufenem Öl laut Medienberichten hochgiftige Flüssigabfälle in Flüsse und Seen entsorgt. Die regierungskritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ veröffentlichte am Sonntag Videos von den mit Schwermetallen und Säure belasteten Ableitungen. Der Konzern hatte nach dem ersten Skandal vor rund einem Monat eigentlich Besserung versprochen.

ORF, 28. Juni, 2020

https://orf.at/stories/3171472/


Umweltkatastrophe in Arktis

Was bedeutet die Ölkatastrophe in Russland für Mensch, Tier und Umwelt – und wie hängt das alles mit der Klimakrise zusammen? Ein Interview mit Dr. Christian Bussau von Greenpeace.

Greenpeace-Online, 10.6.20

Es ist eine der größten Ölkatastrophen in der russischen Arktis: 21.000 Tonnen Dieseltreibstoff und Chemikalien sind Ende Mai aus dem Speicher eines Kraftwerks nahe Norilsk in die sibirische Tundra und Flüsse gesickert. Der größte Teil des Öls ist in den Fluss Ambarnaja ausgelaufen und bewegt sich weiter in Richtung des offenen Meeres. Satellitenbilder zeigen, wie sich der Fluss über viele Kilometer bereits verfärbt hat. Die sibirische Tundra ist eine Landschaft, die sich wegen der kurzen Vegetationszeit kaum regenerieren kann. Forscher meinen, die Havarie bei Norilsk könne auch Folge der dramatischen Klimakrise und raschen Erderhitzung sein – die Arktis hat ein massives Permafrost-Problem. Über die Folgen der Ölkatastrophe spricht Greenpeace-Meeresbiologe Dr. Christian Bussau im Interview.

Greenpeace: Wie ist die aktuelle Situation in der russischen Arktis?

Christian Bussau: Aus einem lecken Tank eines Kraftwerks des Betreibers Nornickel sind 21.000 Tonnen Diesel in den sibirischen Fluss Ambarnaja gelaufen. Russlands Präsident Wladimir Putin rief den Notstand aus, um schneller Hilfe zu organisieren. Einsatzkräfte sind vor Ort und versuchen, den Unfall zu bekämpfen. Der Fluss ist auf einer Länge von 20 Kilometern verseucht, großflächig ist das Erdreich vergiftet. Ölsperren auf den Flüssen sollen verhindern, dass das Öl sich weiter verteilt. Die Einsatzkräfte beseitigten in den letzten Tagen rund 330 Tonnen Diesel. Es ist geplant 14.000 Quadratmeter des verunreinigten Bodens zu bearbeiten. Spezielle Lastwagen sind im Einsatz, die gut für die Arbeit in der unwegsamen Landschaft geeignet sind. Die Behörden planen, Boden- und Wasser-Proben zu untersuchen, um das Ausmaß der Schäden besser beurteilen zu können. Starker Wind erschwert jedoch die Reinigungsarbeiten.

Was können die sehr aufwendigen und teuren Reinigungsarbeiten noch retten? Mit welchen Erfolgsaussichten ist zu rechnen?

Schlimm ist, dass der Unfall erst so spät gemeldet wurde und die Einsatzkräfte erst so spät ankamen. Hätte man früher agiert, hätte vielleicht das Schlimmste verhindert werden können. Jetzt sind über 100 Einsatzkräfte vor Ort, man hat ein Zeltlager errichtet. Mit Ölsperren versucht man, die Ausbreitung des Diesels zu verhindern. Außerdem plant man, verseuchten Boden großflächig abzutragen. Die Erfahrung zeigt aber, dass man meistens nicht in der Lage ist, die gesamte Schadstoffmenge zu bergen. Ein großer Teil der Giftstoffe wird in der Natur bleiben. Die Flüsse verteilen die Schadstoffe, sie münden in den arktischen Ozean. Es bleibt abzuwarten, was die Einsatzkräfte ausrichten können. Hoffentlich haben sie Erfolg.

Wieso ist der Eintritt von Öl in das sensible arktische Ökosystem besonders dramatisch?

Norilsk in Sibirien liegt 300 km nördlich des Polarkreises, es ist die nördlichste Großstadt der Welt. Im Winter werden es bis zu minus 30 Grad, fast das ganze Jahr ist es kalt, nur der Juni, Juli und August sind warm, bis 20 Grad. In solch kalten Regionen kann die Natur sich nicht so schnell regenerieren. In der Natur gibt es überall etwa ölabbauende Bakterien. In kalten Klimaregionen sind die allerdings kaum aktiv und können daher nur wenig Öl abbauen. Wie langsam sich die Natur in kalten Regionen erholt, zeigt der Unfall der Exxon Valdez von 1989. Bei diesem Tankerunglück vor Alaska flossen 39.000 Tonnen Öl ins Meer. Noch heute findet man ölige Rückstände, noch heute hat sich die Natur nicht vollständig erholt.

Welche konkreten Bedrohungen ergeben sich für Menschen, Tiere und Natur?

Ölige Substanzen wie Diesel sind giftig. Diesel enthält zum Beispiel Alkane, Cycloalkane und aromatische Kohlenwasserstoffe, auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Diese haben zum Teil krebserregende, erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften. Einige Stoffe sind persistent und bioakkumulierend: Sie bleiben also lange in der Umwelt, reichern sich in Organismen an und können in die Nahrungskette gelangen.

Bei diesem Unfall sind große kurzfristige Schäden zu befürchten: Es könnte ein massives Fischsterben geben und auch die Kleinstlebewesen, Muscheln, Schnecken, Krebse und Würmer könnten großflächig absterben. Aber uns liegen dazu im Moment keine Daten vor.

Ob es langfristige Schäden gibt, hängt davon ab, wie gut es gelingt, den Unfall zu reinigen. Gelingt es, fast allen Diesel zu bergen und wieder aus der Natur herauszuholen, dann haben wir unter Umständen keine größeren langfristigen Schäden. Jedoch zeigt die Erfahrung, dass man bei solchen Unfällen nur einen geringen Teil der Schadstoffe bergen kann, also viel Diesel in der Natur verbleiben wird. Daher sind langfristige Schäden zu befürchten.

Inwiefern ist diese Ölkatastrophe eine Folge der Klimakrise?

Durch die Klimaerhitzung taut der Permafrostboden auf. Ich bin selbst mehrmals in der russischen Arktis nördlich des Polarkreises gewesen. Die gesamte Infrastruktur ist auf Permafrostboden gebaut. Taut dieser, ist keine Stabilität mehr gewährleistet. Straßen sacken ab, Gebäude stürzen ein. Russische Experten gehen davon aus, dass auch der Tank in Norilsk beschädigt wurde, weil der Permafrostboden auftaute, der Tank keine Stabilität mehr hatte. Seine Stützen sackten ab und es kam zu einem Leck. Die Erderhitzung und die Klimakrise sind schon weit fortgeschritten. In der Arktis sind nicht nur die Tiere wie zum Beispiel die Eisbären bedroht. Sondern auch die Menschen, die einheimische Bevölkerung, die dort lebt. Denn mit dem Auftauen des Permafrostbodens könnten viele Siedlungen unbewohnbar werden.

Die tauenden Böden sind alarmierend. Denn der eigentlich ganzjährig gefrorene Boden setzt beim Tauen neben Kohlendioxid auch das enorm klimaschädliche Gas Methan frei. Beide Gase werden freigesetzt, wenn Permafrostboden taut und organisches Material im Boden von Mikroorganismen zersetzt wird. Steht Sauerstoff zur Verfügung, wird Kohlendioxid freigesetzt. Herrscht aber Sauerstoffmangel – wie dies bei mit Wasser bedeckten tauenden Böden der Fall ist – setzen Fäulnisprozesse ein und es entsteht Methan. Methan ist rund 25mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Ein gefährlicher Teufelskreis: Durch die fortschreitende Erderhitzung tauen die Böden und verstärken so die Klimakrise.

Was kann getan werden, damit sich ein solches Unglück nicht wiederholt?

Auf jeden Fall müssen die russischen Behörden die Industrieanlagen in der Arktis, die auf Permafrostböden gebaut worden sind, auf ihre Sicherheit und Stabilität kontrollieren. Viele der alten Anlagen müssen unter Umständen stillgelegt werden und neue, sichere Anlagen gebaut werden. Letztendlich wird man Unfälle nie hundertprozentig ausschließen können. Die Arktis ist ein besonders sensibles Ökosystem. Der beste Schutz der Arktis ist, auf eine Industrialisierung der Arktis weitestgehend zu verzichten, und so dieses einzigartige Ökosystem zu schützen.




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