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Indigenenmord in Kenia

Kenia: Indigener für Naturschutz getötet, EU suspendiert Gelder

Survival International Deutschland e.V. Pressemitteilung, 19.1.18

Ein Angehöriger des indigenen Volkes der Sengwer ist am 16. Januar von Beschäftigten des Kenya Forestry Service (KFS) getötet worden. Ein weiterer Mann wurde verletzt.

Immer wieder kommt es im Rahmen von Naturschutzprojekten zu Menschenrechtsverletzungen an indigenen Völkern. Zuletzt sorgte der Fall eines erschossenen Teenagers aus dem Kongo für Schlagzeilen.

Bei dem brutalen Angriff in Kenia handelt es sich um einen weiteren gewaltsamen Zwischenfall mit dem Ziel, die Sengwer von ihrem angestammten Land zu vertreiben.

Dutzende bewaffneter Sicherheitskräfte brannten die Häuser der Menschen ebenso nieder wie Lebensmittelvorräte und persönlichen Besitz. Außerdem wurden Nutztiere der Sengwer getötet, um sie aus dem Embobut-Wald zu vertreiben, in dem das indigene Volk seit Generationen lebt.

Die jüngste Angriffs-Serie begann Ende Dezember 2017. Milka Chepkorir, eine Sengwer-Frau, ist fassungslos über die Zerstörung der Häuser bei den Angriffen. Sie spricht von einem „Verlust von Familienverbindungen, da die Familienmitglieder auseinandergejagt und verängstigt worden seien“. Hinzu kämen „sexueller Missbrauch, sexuelle Belästigung und psychische Folter durch die furchtbaren Vertreibungshandlungen“.

Trotz der Bedrohungen und der Gewalt haben viele Sengwer erklärt, Widerstand zu leisten. Eine Frau sagte: „Wir werden nirgends hingehen, selbst wenn die Regierung entschiede, uns hier umzubringen.“

Die Europäische Union finanziert in der Region ein Naturschutzprojekt, das Wasserquellen in den Bergen schützen soll. Brüssel verurteilte die tödliche Gewalt und hat angekündigt, die Unterstützung des Projekts auszusetzen.

Die Sengwer fordern Kenias Regierung dazu auf, das Recht, auf dem Land ihrer Vorfahren zu leben, zu garantieren und dringend mit ihnen zu beraten, wie sich ihre Wälder am besten und in Zusammenarbeit mit ihnen erhalten lassen.

Die Vertreibung der Sengwer begann bereits unter britischer Kolonialherrschaft. 2014 vertrieben der Kenya Forestry Service und die Polizei Tausende von Sengwer aus ihren Häusern im Wald. Viele Indigene waren in der Folge dazu gezwungen, in Höhlen und notdürftigen Unterkünften zu leben.

Nach weiteren Drangsalierungen machte 2016 David Yator Kiptum, Geschäftsführer des Sengwer Indigenous Peoples Programme, klar: „Die Vertreibung von Angehörigen der Sengwer-Gemeinschaft von unserem angestammten Land stellt keinen Beitrag zum Naturschutz dar. Und sie bietet auch keine Lösung für den Klimawandel.“

Das Volk der Sengwer zählt etwa 33.000 Angehörige, von denen rund 13.500 im Embobut-Wald leben. In diesem jagen sie, sammeln Honig, pflanzen Feldfrüchte und züchten in geringem Umfang Nutztiere. Wie viele andere indigene Völker verfügen die Sengwer über ein reiches Wissen über die Ökologie ihrer Wälder, die sie seit Generationen pflegen.

Die Vertreibungen verstoßen gegen internationales Recht und zerstören jene Menschen, die am besten wissen, wie sich der Wald erhalten lässt. Drei unabhängige UN-Expert*innen haben bereits ihre Sorge über die Angriffe und die Vertreibungen zum Ausdruck gebracht.




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