Aktuell


Kolumbiens Weltnaturerbe

Das Ufer der Welt

Kolumbien schafft weltgrößten Tropenwald-Nationalpark
Ernennung zur Unesco-Welterbestätte


WWF Pressemitteilung, 2.7.18

Berlin: In Kolumbien entsteht der größte Tropenwald-Nationalpark der Welt. Wie Präsident Santos am Montag bekanntgeben wird, wird der Nationalpark Serranía del Chiribiquete in der gleichnamigen Tafelberg-Landschaft im Süden des Landes um 1,5 Millionen Hektar erweitert. Er erreicht dadurch eine Gesamtfläche von 4,3 Millionen Hektar und wird etwas größer als die Niederlande sein. „Die Vergrößerung von Chiribiquete ist ein Meilenstein für den Erhalt des Amazonas und von globaler Bedeutung für den Waldschutz insgesamt“, sagt Roberto Maldonado, Südamerika-Referent beim WWF. „Der Nationalpark wird künftig direkt an Kolumbiens größte Entwaldungsfront angrenzen und weiterer Zerstörung so hoffentlich einen Riegel vorschieben. Wir sind froh und erleichtert, dass unsere langer Einsatz für die Erweiterung erfolgreich waren.“

Bereits am Sonntag wurde bekanntgegeben, dass das Welterbe-Komitee der Unesco Chiribiquete wegen seinem enormen ökologischen, kulturellen und sozialen Wert zum Weltnaturerbe ernennt. Der Nationalpark verbindet mit der Orinoco-Savanne, den Anden, dem Bergland von Guayana und dem Amazonas vier vollkommen unterschiedliche Ökosysteme. Die Region gilt außerdem als Schlüssel für das Überleben charismatischer und gefährdeter Arten wie Jaguar, Rosa-Flussdelfin, Tapir, verschiedener Papageienarten und Riesensalamander.

Neben seiner hohen Bedeutung für den Naturschutz ist Chiribiquete Heimat für viele indigene Völker, darunter auch solche, die in freiwilliger Isolation leben. Mit der Erweiterung werden die Gebiete zusätzlicher Völker vor der Zerstörung bewahrt, wie zum Beispiel von Gruppen der Uitoto, Carib und Arawak. Das indigene Erbe begründet auch den hohen kulturellen Wert des Gebiets: Es beherbergt mit 50 monumentalen Wandmalereien und über 70.000 verschiedenen Darstellungen den größten und ältesten archäologischen Bildkomplex im gesamten Amazonasregenwald, von denen einige über 20.000 Jahre alt sind.

Geologisch gesehen bildet Chiribiquete ein Fenster zum Ursprung der Erde und der kolumbianischen Geologie. Die außergewöhnliche Landschaft sticht unter anderem durch zahlreiche Felsenplateaus hervor, die aus feuchten Wäldern emporragen und eine Höhe von bis zu 900 Metern erreichen. Für die Indigenen gilt Chiribiquete als „das Ufer der Welt, wo die Welt beginnt und endet“.


Kolumbien schafft größten Regenwald-Nationalpark der Welt

Das südamerikanische Land erweitert einen Nationalpark, der nun mit 4,3 Millionen Hektar so groß wie die Niederlande ist. Es gibt dort eine enorme Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten und sogar in freiwilliger Isolation lebende indigene Gruppen. Das neue Schutzgebiet kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kolumbien andererseits seine Regenwälder rasant vernichtet.

"Rettet den Regenwald" e.V. Pressemitteilung, 3.7.18

Der aus dem Amt scheidende kolumbianische Präsident Santos hat sich und der Menschheit ein Denkmal gesetzt. Mit der von ihm beschlossenen Erweiterung des Nationalparks Serranía de Chiribiquete um 1,5 Millionen Hektar auf insgesamt rund 4,3 Millionen Hektar steht nuneines der letzten unberührten und unerforschten Gebiete im Südosten Kolumbiens unter Schutz.

Dieser Beschluss darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kolumbien außerhalb der Schutzgebiete die Vernichtung der Regenwälder rasant vorantreibt: Experten des Institute of Hydrology, Meteorology and Environmental Studies (IDEAM) mahnen, dass allein 2016 fast 180.000 Hektar Primärwälder verloren gingen – eine Steigerung von 44 Prozent gegenüber 2015. Im letzten Jahr sind laut IDEAM noch mehr Urwaldriesen gefallen.

Das Oberste Gericht Kolumbiens hat dazu schon im April ein bemerkenswertes Urteil gefällt: Die Regierung muss die Abholzungen bis 2020 komplett stoppen. Geklagt hatten 25 Kinder und junge Erwachsene, weil durch den mit den massiven Rodungen verbundenen Klimawandel ihr Recht auf ein gesundes Leben entscheidend beeinträchtigt würde.

Die Erweiterung des Nationalparks ist deshalb wichtig. Parallel dazu erklärt die UNESCO den in den Departements Caquetá und Guaviare gelegenen Nationalpark zum Welterbe und bescheinigt ihm damit seine große universelle Bedeutung. Die Natur zeigt sich hier mit atemberaubender Schönheit. Es ist ein sehr wasserreiches Gebiet mit tiefen Schluchten, reißenden Flüssen, steil aus dem Urwald herausragenden Tafelbergen.

Das Schutzgebiet verbindet ganz unterschiedliche Ökosysteme mit einer enormen biologischen Vielfalt: Den Regenwald am Amazonas mit Feuchtsavannen am Orinoco, dem Bergland von Guayana bis hin zu den Ausläufern der Anden.

So gesellen sich zu weit verbreiteten Arten wie Jaguar, Puma, Brüllaffen, Tapir, Riesenotter, Rosa Flussdelfinen und dem Harpyie-Adler auch viele endemische Arten, die nur im Chiribiquete-Gebiet vorkommen. Und vermutlich noch Tausende von Lebewesen, die bisher noch gar nicht wissenschaftlich beschrieben sind.

Verstreut im Nationalparks leben auch verschiedene indigene Gruppen, einige davon in freiwilliger Isolation ohne Kontakt zur Außenwelt. Deren Vorfahren haben auf den Felswänden mitten im Regenwald Zehntausende prähistorischer Felszeichnungen hinterlassen. Die bis zu 20.000 Jahre alten Malereien zeigen Tiere und rituelle Szenen. Sie demonstrieren die lange Existenz des Menschen im Amazonasgebiet und machen den Chiribiquete-Nationalpark auch zu einem archäologischen Kulturerbe von internationaler Bedeutung.


Kolumbien schafft den größten Tropenwald-Nationalpark der Welt

Zum Staunen schön: In dem Gebiet zwischen Orinoco-Ebene, Anden und dem Amazonas-Gebiet leben Jaguare, Flussdelfine und Tapire. Über 20.000 Jahre alte Wandmalereien erzählen die Geschichten der indigenen Völker.

(dpa) - 3. Juli, 2018

https://www.wiwo.de/technologie/green/waldschutz-kolumbien-schafft-den-groessten-tropenwald-nationalpark-der-welt/22762490.html




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