Aktuell


Rote Liste der Vogelarten

NABU: Jede siebte Vogelart weltweit gefährdet

Artenschwund in Deutschland vor allem durch Grünlandverlust

NABU Pressemitteilung, 7.6.12

Berlin – Jede siebte der weltweit lebenden Vogelarten ist gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Das ist das Ergebnis der am heutigen Donnerstag vorgestellten Roten Liste für alle Vogelarten der Erde, die alle vier Jahr von BirdLife International, dem Dachverband des NABU, herausgegeben wird. „Seit Jahren verschlechtert sich die Situation der weltweiten Vogelbestände. Vor dieser Entwicklung dürfen wir nicht die Augen verschließen“, warnte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Der Bericht stellt vor allem für die tropischen Wälder besorgniserregende Artenrückgänge fest, die in diesem Ausmaß bislang nicht vermutet wurden. Demnach ist allein im Amazonasgebiet das Risiko für fast 100 Vogelarten erheblich gestiegen, schon bald auszusterben. Auch in den Wäldern Madagaskars oder Südostasiens leben überdurchschnittlich viele bedrohte Vögel. „Die Rodung der Wälder für Sojaanbau oder Rinderzucht raubt den Vögeln ihren Lebensraum. Dieser enorme Landhunger muss endlich gestoppt werden“, so Tschimpke. Bereits das Abholzen kleiner Regenwaldstücke bringe gefährdete Kleinvogelarten, wie bestimmte Ameisenfänger oder Töpfervögel, an ihre Existenzgrenzen. Der NABU appelliert daher eindringlich an Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff, 20 Jahre nach Verabschiedung der Biodiversitätskonvention in Rio de Janeiro, das neue brasilianische Waldgesetz nicht aufzuweichen. Die Effekte für den Artenschutz und das Weltklima wären verheerend.

Auch für nordeuropäische Arten zeichnen sich laut Bericht besorgniserregende Entwicklungen ab. So überwintern auf der Ostsee inzwischen eine Million Eisenten weniger als noch vor 20 Jahren. Auch eine weitere Meeresente, die Samtente, ist stark rückläufig und wurde als gefährdet eingestuft. Gründe dafür sind der unzureichende Meeresschutz in den Rastgebieten und die Stellnetzfischerei sowie mögliche Klimaveränderungen in den Brutgebieten.

In Deutschland stehen die Vogelarten des Grünlandes am schlechtesten da. Der Umbruch von Grünland zu Acker und die Intensivierung der Nutzung auf den verbleibenden Flächen verkleinern den Lebensraum für einst typische Wiesenvögel wie Kiebitz, Bekassine und Großer Brachvogel. Inzwischen ist etwa der Kampfläufer als Brutvogel fast komplett verschwunden, und auch die Uferschnepfe ist in ihrem Bestand innerhalb von 50 Jahren um mehr als zwei Drittel eingebrochen und steht im weltweiten Kontext bereits auf der Vorwarnliste. Alarmierend ist, dass sich der Bruterfolg einiger Wiesenvögel selbst in EU-Vogelschutzgebieten nicht bessert, wie eine aktuelle Studie des NABU zeigt.

„Eine der dringendsten Aufgaben ist daher die EU-Agrarreform. Mit ihr muss die Agrarförderung so angepasst werden, dass sie eine naturgerechte Landnutzung forciert und der Naturschutz finanziell besser ausgestattet wird. Darüber hinaus müssen die Landesregierungen wirkungsvolle Managementpläne für alle Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutzgebiete vorlegen“, forderte NABU-Präsident Tschimpke. Zusätzlich seien gezielte Artenschutzmaßnahmen notwendig. Mit ihnen konnten bereits einzelne vormals bedrohte Vogelarten in der Roten Liste herabgestuft werden. In Deutschland etwa hat sich der Bestand des Seeadlers durch konkrete Schutzmaßnahmen so stark erholt, dass er nicht mehr auf der Roten Liste zu finden ist.

Die im Auftrag der IUCN (International Union for Conservation of Nature) aktualisierte Rote Liste stellt alle vier Jahre eine umfassende Bewertung des Gefährdungsgrads der gut 10.000 weltweit lebenden Vogelarten dar. Sie kann eingesehen werden unter www.birdlife.org.


NABU fordert mehr Unterstützung für den ländlichen Raum

Tschimpke: Agrarmilliarden müssen Menschen und Umwelt nutzen

NABU Pressemitteilung, 7.6.12

Berlin/Brüssel – Der NABU und seine europäischen Partnerverbände des Netzwerkes BirdLife International haben eine bessere Verwendung der EU-Agrarsubventionen in der kommenden Finanzperiode 2014 bis 2020 gefordert. „Angesichts immer knapper werdender öffentlicher Mittel ist es nicht mehr vertretbar, dass die europäischen Steuerzahler weiter mit Milliardensummen die intensive Agrarwirtschaft und Massentierhaltung fördern, ohne dass Menschen und Umwelt profitieren“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Auf einer gemeinsamen Tagung zur EU-Agrarreform am heutigen Donnerstag in Brüssel verabschiedeten BirdLife-Partner aus allen europäischen Mitgliedstaaten eine Erklärung zur Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik. Darin sprachen sie sich für eine substantielle Erhöhung des Budgets der 2. Säule, eine bessere Finanzierung von Agrarumweltmaßnahmen und des Managements von Natura-2000-Schutzgebieten, sowie die Bindung der Zahlungen aus der 1. Säule der Agrarpolitik an Umweltauflagen, das sogenannte „greening“, aus. Derzeit fließen etwa 40 Prozent des EU-Budgets, knapp 60 Milliarden Euro pro Jahr, in die Gemeinsame Agrarpolitik der EU. Davon gehen bislang nur 25 Prozent in die sogenannte „2. Säule“ zur Entwicklung des ländlichen Raumes. Zudem sollen sowohl die Zahlungen aus der 2. Säule als auch mindestens 30 Prozent der Gelder aus der 1. Säule (Direktzahlungen) stärker an Maßnahmen geknüpft werden, die sich positiv auf den Schutz natürlicher Ressourcen wie Böden und Wasser sowie Schutzgebiete auswirken.

Bei der Tagung wurden die Ergebnisse mehrerer Studien vorgestellt, die erhebliche positive Auswirkungen von Agrarumweltmaßnahmen für Umwelt, Natur und die landwirtschaftlichen Betriebe belegen. Der Finanzbedarf für eine umwelt- und naturverträgliche Land- und Forstwirtschaft wird von Experten des Instituts für Europäische Umweltpolitik (IEUP) auf etwa 43 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

„Es ist deutlich geworden, dass die Agrarmilliarden besser für Mensch und Umwelt eingesetzt werden können als bislang geschehen. Wir erwarten, dass diese Aspekte von den Europaabgeordneten und Mitgliedstaaten in den Verhandlungen zum nächsten EU-Haushalt berücksichtigt werden anstatt einseitigen Lobbyinteressen der Agrarindustrie nachzugeben“, so Tschimpke.




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