Aktuell


Kartierung des Spessart

Greenpeace-Aktivisten fordern rechtlich geschützte Waldflächen

Von Eva Schaper, Greenpeace-Online, 16.10.12

Im bayerischen Spessart setzen Greenpeace-Aktivisten die Kartierung der Bäume fort, die sie Anfang des Jahres begonnen haben. Mit Maßband und GPS-Geräten nehmen sie Bäume mit über 50 Zentimeter Durchmesser in digitale GIS-Karten auf. Sie dokumentieren die zunehmende Industrialisierung der öffentlichen Wälder und zeigen den Bürgerinnen und Bürgern, wo die Naturschätze ihrer Region liegen.

"Wir werden mit unserer Kartierung weitere Transparenz in Bayerns öffentlichen Wäldern schaffen, die der Forstminister noch immer verweigert", sagt Martin Kaiser, Klima- und Waldexperte von Greenpeace.

Bereits Anfang dieses Jahres erfassten Greenpeace-Aktivisten 23.844 alte Buchen und Eichen und erstellten aus den Daten 17 Karten und Grafiken. Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) bewirtschaftet seit dem Jahr 2005 große Teile des Spessarts. Forstminister Helmut Brunner (CSU) verweigert weiterhin den Schutz von zehn Prozent der öffentlichen Wälder und hält die zugehörigen Daten zurück.

Als die Umweltschützer im vergangenen Winter mit einem sechswöchigen Camp im Spessart aktiv waren, konnten sie erste Reaktionen von Brunner und Rudolf Freidhager, dem Vorstandsvorsitzenden der BaySF, erzielen. Während zuvor dementiert wurde, dass es etwas zu kritisieren gibt, kündigten sie dieses Jahr im Juni an, vorübergehend die Pflanzung der nordamerikanischen Nadelbaumart Douglasie in einem Schutzgebiet zu stoppen. Außerdem sprachen sie sich gegen die Holznutzung von über 180 Jahre alten Buchenbeständen 'in den nächsten Jahren' aus. Zudem wurden Karten dieser Wälder aus 13 der 41 BaySF-Betriebe veröffentlicht.

Bayerns Forstminister Brunner "stoppt die Säge nicht"

"Mit den wachsweichen Ankündigungen möchte sich der bayerische Forstminister nur Luft verschaffen. Eine Kehrtwendung im öffentlichen Wald sieht anders aus", sagt Kaiser. "Brunner kommt seiner Aufsichtspflicht nicht nach und stoppt die Säge nicht."

Der Vorstandsvorsitzende verheimlicht weiterhin die Pläne über die Waldnutzung der nächsten zehn Jahre sowie die Naturschutzkonzepte im überwiegenden Teil der BaySF-Betriebe. So haben die Bürgerinnen und Bürger keine Möglichkeit sich zu beteiligen. Der Vorstand verfolgt bis heute die Waldbau-Richtlinien, die die Abholzung alter Buchenwälder vorsieht.

Der Lebensraum seltener Urwaldarten geht für immer verloren, wenn die Holznutzung der 140 Jahre alten Buchen nicht sofort gestoppt wird. Deshalb fordert Greenpeace den rechtlich verbindlichen Schutz von zehn Prozent der Staatswaldfläche.


Greenpeace sieht Wald vor lauter Bäumen nicht

In deutschen Wäldern wachsen mehr Laubbäume als je zuvor. Etwa 70 Prozent der jungen Bäume sind Buchen oder Eichen – und sie werden immer älter. Der von Greenpeace geforderte Einschlagsstopp in alten Buchenwälder ist deshalb kalkulierte Panikmache.

Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. Pressemitteilung, 16.10.12

Berlin, 16. Oktober 2012 – „Der Ruf nach einem Einschlagsstopp in alten Buchenwäldern ist reiner Populismus und entbehrt jeder fachlichen Grundlage“, kommentiert Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. (AGR), die Forderungen von Greenpeace. Die Organisation kündigte an, die zunehmende Industrialisierung der öffentlichen Wälder am Beispiel des bayerischen Spessarts dokumentieren zu wollen. Greenpeace fordert weiterhin eine sofortige Einstellung der Holznutzung in allen öffentlichen Buchenwäldern, die über 140 Jahre alt sind. Und das so lange, bis zehn Prozent der Staatswaldfläche Bayerns rechtlich verbindlich geschützt sind. „Die Behauptung, der Lebensraum seltener Urwaldarten sei bedroht und gehe durch die Forstwirtschaft unwiederbringlich verloren, ist schlichtweg falsch“, so Ohnesorge weiter. Nachfolgende Fakten sind das Ergebnis der letzten Bundeswaldinventuren. Sie widerlegen anschaulich die Behauptungen von Greenpeace.

Buchenwaldfläche nimmt von allen Laubholzarten am meisten zu

Mit dem verstärkten Anbau von Laubholz in Deutschlands Wäldern geht die Nadelholzfläche kontinuierlich zurück. Die Laubwaldfläche hat nach Ergebnissen der Inventurstudie aus dem Jahr 2008 allein zwischen 2002 bis 2008 um 2 Prozent zugenommen. Damit haben Laubwälder inzwischen einen Anteil von mehr als 43 Prozent an der Gesamtwaldfläche von 11 Millionen Hektar. Die größte Zunahme innerhalb eines Jahrzehnts verzeichneten mit mehr als 83.000 Hektar gerade die in Deutschland angeblich bedrohten Buchenwälder.

Wälder werden immer älter – gleichzeitig steigen die Totholzvorräte

Eine weitere Erkenntnis der Waldinventuren ist, dass unsere Wälder immer älter werden. Dabei nimmt insbesondere die Fläche der alten Buchenwälder im privaten- wie auch im öffentlichen Wald von Jahr zu Jahr zu. Insgesamt ist die Fläche der über 140 Jahre alten Laubwälder mit mehr als 550.000 Hektar 2,5 mal so groß wie die gleichaltriger Nadelwälder. Der für den Erhalt bestimmter Arten bedeutende Totholzanteil stieg ebenfalls an: seit 2002 um 19 Prozent, womit er bereits im Jahr 2008 mehr als 24 Kubikmeter pro Hektar betrug. Das entspricht etwa dem Volumen von sechs abgestorbenen Altbuchen auf einer Fläche von 100 mal 100 Metern. Die Daten der Inventuren zeigen so sehr anschaulich, dass keine Plünderung der wertvollen Altbuchenwälder stattfindet.

Biologische Vielfalt durch Nutzung der Wälder

Entgegen der Behauptung, einzig die Stilllegung großer Waldgebiete führe automatisch zu einer größeren Artenvielfalt, zeigen Untersuchungen, dass in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald die Artenzahl deutlich höher ist. Erst zielgerichtete Waldpflegemaßnahmen erzeugen vielfältige Strukturen, bringen Licht und Wärme auf den Waldboden und schaffen so günstige Voraussetzungen für ökologische Nischen. Wenn Waldflächen aus der Nutzung genommen werden, profitieren zwar einige wenige Arten, die Lebensräume anderer Arten wiederum verändern oder verschlechtern sich.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Laubholzsägeindustrie – überwiegend spezialisierte kleine und mittelständische Säge-werke – sind auf eine kontinuierliche Versorgung mit Buchenstammholz angewiesen. Ein Einschlagsstopp auf zehn Prozent der Landeswaldfläche würde bedeuten, mehr als 300.000 Hektar aus der Nutzung zu nehmen. „Sollte das auch noch auf Laubholz oder sogar auf Buchenwälder beschränkt werden, wäre das eine existenzielle Bedrohung für unsere Laubholzsägeindustrie“, sagt Ohnesorge. Diese würde dadurch bis zu 50 Prozent – je nach Standort und Einkaufsradius bis 100 Prozent – ihrer Rohstoffbasis verlieren.

Fazit

„Greenpeace instrumentalisiert die Ängste der Menschen vor Klimawandel und Waldzerstörung für seine Zwecke. Damit treiben die Umweltschützer eine Aufspaltung unserer Wälder in Totalschutzzonen und Wirtschaftswald voran – ungeachtet der Erfolge der multifunktionalen Waldbewirtschaftung“, so Ohnesorge. Gleichzeitig verschlafe Greenpeace zusehends, sich konstruktiv in den Dialog um eine möglichst klimaeffiziente Holznutzung einzubringen. Eine Übernutzung der Wälder hat zum Klimawandel beigetragen, eine maßvolle Nutzung unserer Wälder wie sie heute in Deutschland Standard ist, trägt aktiv zum Schutz unseres Klimas bei – jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 75 Millionen Tonnen Kohlendioxid durch die Verwendung von Holzprodukten eingespart. Das sind mehr als 8,2 Prozent der deutschen CO2-Emissionen.




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