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Nationalpark Nordschwarzwald?

NABU strebt Nationalpark im Nordschwarzwald an

Neue NABU-Studie: Nur der Nordschwarzwald ist geeignet Nationalpark

NABU Baden-Württemberg Pressemitteilung, 23.5.11

Der Nordschwarzwald ist die einzige Region Baden-Württembergs, die alle Kriterien für die Einrichtung eines Nationalparks erfüllt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen wissenschaftlichen Studie des Naturschutzbundes NABU. Darin ließ der NABU anhand internationaler Kriterien alle Regionen des Landes auf ihre Nationalparktauglichkeit untersuchen. „Nur der Nordschwarzwald verdient es, die Krone der höchsten Schutzgebietskategorie zu tragen. Die Zeit ist reif für den ersten Nationalpark unseres Landes und jetzt ist auch klar, wo er entstehen kann: im Nordschwarzwald. Bürger, Kommunen, Unternehmer, Verbände und die Landesregierung sollten jetzt einen ergebnisoffenen Dialog starten und gemeinsam einen ersten Nationalpark mit all seinen Chancen und Risiken für die Region einrichten“, sagte der NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann.

Die neue Landesregierung hat im Koalitionsvertrag angekündigt, einen Nationalpark einrichten zu wollen. Das Bundesamt für Naturschutz hatte bereits 2010 um eine entsprechende Prüfung gebeten. Die Kriterien für die Einrichtung eines Nationalparks schreiben beispielsweise vor, dass das Gebiet mindestens 10.000 Hektar umfasst, auf denen natürliche Prozesse weitgehend ungestört ablaufen. Die Fläche sollte großenteils naturnah sein, darf nicht durch Verkehrswege zerschnitten werden, sie sollte sich größtenteils in öffentlicher Hand befinden und mit anderen Lebensräumen in der Umgebung verbunden sein. „Nur der Nordschwarzwald erfüllt alle Kriterien. Dass der NABU genau dort einen Nationalpark anstrebt, ist daher keine politische, sondern eine naturschutzfachliche Entscheidung“, erklärte die stellvertretende Geschäftsführerin Ingrid Eberhardt-Schad. Die NABU-Studie macht noch keinen Vorschlag für die Abgrenzung des mindestens 10.000 Hektar großen Nationalparks, sondern benennt lediglich einen möglichen Suchraum von über 40.000 Hektar, in dem ein solches Schutzgebiet möglich wäre.

Der Nordschwarzwald stand bereits vor 20 Jahren als mögliche Nationalparkregion im Fokus. Damals scheiterte die Idee jedoch, vor allem weil die Region nicht von Anfang an in den Entstehungsprozess einbezogen wurde – ein Fehler, der sich nun nicht wiederholen dürfe, betonte Eberhardt-Schad: „Wir haben beim Biosphärengebiet Schwäbische Alb gesehen, dass eine ehrliche Einbeziehung der regionalen Akteure ein zentraler Erfolgsfaktor ist. Daher setzen wir auch jetzt beim Nationalpark voll auf einen offenen und fairen Dialog.“

Seit 2002 gibt es zudem das neue Instrument des „Entwicklungsnationalparks“. Damit wäre es möglich, die Region über 20 Jahre hinweg auf den neuen Status hin vorzubereiten und zu entwickeln. Tourismus, Forstwirtschaft und Holzindustrie können sich so organisch auf die neue Situation einstellen. Die vielen naturfernen Fichtenbestände könnten noch zu einem großen Teil geerntet und genutzt werden.

Für den bereits bestehenden Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord wäre der Nationalpark eine gelungene Aufwertung, so der NABU. „Der neue Nationalpark ist der Diamant, der umgebende Naturpark die edle Goldfassung“, umschrieb die NABU-Naturschutzreferentin das mögliche Zusammenspiel der beiden Gebiete. Die Bedeutung des Naturparks bliebe damit voll erhalten, zumal dieser mit einer Fläche von 375.000 Hektar mehr als 35 Mal so groß ist, wie ein neuer Nationalpark in seinem Herzen.

Der NABU hat in vielen Vorgesprächen in der Region erfahren, dass ein Nationalpark im Nordschwarzwald viele Freunde und Unterstützer hat, dass es aber auch Vorbehalte gibt. Häufig spiele dabei die Angst vor Arbeitsplatzverlusten und Betretungsverboten eine zentrale Rolle. Der NABU nimmt diese Sorgen ernst. Doch zeigen Erfahrungen aus anderen Nationalparken, dass die Probleme lösbar sind. Der Nordschwarzwald wird sich durch das neue Prädikat profilieren, auch gegenüber anderen attraktiven Tourismusregionen wie dem Südschwarzwald und dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb“, sagte Eberhardt-Schad.

Der NABU betont, dass der Nordschwarzwald auch als Nationalpark zugänglich bleiben soll. „Sicherlich gibt es in den Kernzonen Einschränkungen. Aber es ist auch dem NABU besonders wichtig, dass der Schwarzwald mit allen Sinnen erlebbar bleibt. Wir wollen, dass die Menschen Wildnis vor der eigenen Haustüre erleben können und dazu nicht nach Kanada oder Südamerika reisen müssen“, sagte die NABU-Expertin. „Der Nationalpark soll und kann beiden dienen: Mensch und Natur.“


Geplanter Nationalpark Nordschwarzwald: Zu kurz gedacht

Die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e. V. (AGR) und der Bundesverband Säge- und Holzindustrie Deutschland e. V. (BSHD) warnen vor den Folgen für die regionale Wirtschaft: Der vermeintliche Umweltschutz kostet Geld, Arbeitsplätze und widerspricht Klimaschutzzielen.

AGR/BSHD Pressemitteilung, 31.5.11

Berlin, 31. Mai 2011 – Der Naturschutzbund (NABU) und die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg haben den Nordschwarzwald als zukünftigen Nationalpark im Visier. Die Einrichtung eines solchen Totalschutzgebiets solle nach Worten des NABU mit „allen Chancen und Risiken“ vorangetrieben werden. Der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e. V. (AGR) und dem Bundesverband Säge- und Holzindustrie e. V. (BSHD) kommt die Diskussion um die Risiken zu kurz. Sie warnen: Regionale Unternehmen verlören ihre wirtschaftliche Grundlage. Tourismuseffekte seien überschätzt. Wertvolles, nachwachsendes Holz würde unnötig der Wertschöpfungskette entzogen.

Regionale Unternehmen brauchen den Wald

In Baden-Württemberg, wo der Wald beinahe 40 Prozent der Landesfläche einnimmt und einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellt, soll nach Wünschen des NABU eine Nationalparkfläche von mindestens 10.000 Hektar für Waldbesucher und Wirtschaftsunternehmen gesperrt werden. Firmen wie Keller Holz, die Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH und auch nachgelagerte Branchen würde das Nutzungsverbot besonders hart treffen. „Mit unserem grenznahen Standort südlich von Karlsruhe sind wir auf die nahe gelegenen Waldgebiete als Rohstofflieferant angewiesen, um eine ganzjährige Rundholzbereitstellung zu gewährleisten“, sagt Jörg Keller, Geschäftsführer von Keller Holz. „Da wir mit unseren Produkten fast ausschließlich Kunden aus der Region beliefern, müssten sich diese Firmen um entsprechende Alternativen kümmern“, ergänzt er. Der Hersteller von Verpackungshölzern sieht seine Versorgungssicherheit mit dem Rohstoff Holz durch die geplanten Schutzgebiete genauso gefährdet wie der Kartonhersteller in Baiersbronn. „Mit unserem Werk in Baiersbronn setzen wir auf einen Produktionsstandort, bei dem wir uns ganz bewusst für Holz aus der Region und gegen CO2-intensive Importhölzer entschieden haben. Damit leisten wir einen entscheidenden Beitrag für die Wirtschaftsentwicklung im ländlichen Raum“, erläutert Helmut Payer, Geschäftsführer der zur Mayr-Melnhof-Gruppe gehörenden Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH.

Arbeitsplätze in Forst- und Holzwirtschaft sind saisonunabhängig

Die baden-württembergische Forst- und Holzwirtschaft verzeichnet einen Jahresumsatz von zirka 30 Mrd. Euro und beschäftigt 200.000 Menschen. Auch der neue Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Die Grünen) hat dies erkannt. Dem Minister zufolge seien in kaum einer anderen Gegend Wald- und Holzwirtschaft so tief in der Gesellschaft verankert. Zu den Beschäftigten der Branche gehören Waldarbeiter, Förster, Forstdienstleister, Holzspediteure, der Handel, Zimmereien und viele nachgelagerte Branchen. Lars Schmidt, geschäftsführender Vorstand beim BSHD, sagt: „Diese Arbeitsplätze sind, im Gegensatz zu dem oft propagierten Arbeitsplatzmotor Naturtourismus, saisonunabhängige und gut entlohnte Beschäftigungsverhältnisse. Unserer Meinung nach sind intelligente Konzepte gefragt, die nachhaltige Waldbewirtschaftung und Tourismus miteinander verbinden.“ Zudem werde in der öffentlichen Diskussion zu oft die Schutzfunktion der Waldbewirtschaftung unterschlagen. „Sich selbst überlassene Wildnis nimmt Förstern die Möglichkeit, die Wälder klimaresistent umzubauen. Wir schützen am besten, indem wir nutzen“, sagt Schmidt. Daher nütze der Nationalpark weder Mensch noch Natur, wie es der NABU glauben machen möchte.

Wald- und Holzwirtschaft schützen das Klima

Des Weiteren stellt die Einrichtung von Nationalparks aus Sicht des BSHD und der AGR einen Widerspruch zum Energiekonzept der Bundesregierung dar. Es sieht vor, Biomasse in Zukunft verstärkt zur Energieerzeugung einzusetzen. Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer der AGR warnt: „Mit der großräumigen Ausweisung von Totalschutzgebieten wird nicht nur der Holz- sondern auch der Energiewirtschaft der Rohstoff entzogen. Wir haben die Möglichkeit, durch die Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes zur Lösung eines unserer dringlichsten Probleme, dem Klimawandel, beizutragen.“ Die Vorteile einer naturverträglichen Waldnutzung ziehen sich Ohnesorges Aussagen nach durch die gesamte Wertschöpfungskette. Er betont: „Der naturnah bewirtschaftete Wald schafft mehr Strukturreichtum und sorgt damit auch für mehr Artenvielfalt als ein unbewirtschafteter Wald. Durch diese Einflussnahme sind die Wälder bei Stürmen auch stabiler. Zudem speichert die Verwendung von Holzprodukten den Kohlenstoff des von den Bäumen verwerteten Klimagases Kohlendioxid – und dient also direkt dem Klimaschutz. Forst- und Holzwirtschaft gehören zu den wenigen Wirtschaftszweigen, die mit Natur- und Klimaschutz einhergehen.“




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