Aktuell


Welterbe Buchenwälder

Röttgen: Bedeutender Tag für den Naturschutz in Deutschland

UNESCO-Welterbeurkunde für die "Alten Buchenwälder Deutschlands" übergeben

BMU Pressemitteilung, 16.11.11

Bundesumweltminister Norbert Röttgen konnte heute die UNESCO Welterbeurkunde für die deutschen Buchenwälder entgegennehmen. Sie wurde ihm von Kishore Rao, Direktor des UNESCO Welterbezentrums, im Rahmen eines Festaktes in Berlin übergeben. Daran nahmen auch Repräsentanten der vier beteiligten Bundesländer und der Partnerstaaten Slowakische Republik und Ukraine teil. Auf der Festveranstaltung wurden die Leistungen der Länder und all derer gewürdigt, die sich für die Erhaltung wertvoller natürlicher Buchenwälder einsetzen. Der Bundesumweltminister betonte: "Unsere Buchenwälder stehen nun auf einer Stufe mit dem Yellowstone Nationalpark, den Viktoria-Wasserfällen und den Galapagos-Inseln. Der Welterbestatus verpflichtet uns, dem Schutz dieser wertvollen Buchenwälder auch in Zukunft höchste Priorität einzuräumen."

Anfang 2010 hatte Deutschland die Aufnahme herausragender alter Buchenwälder in die prestigeträchtige Welterbeliste der UNESCO beantragt, am 25. Juni 2011 wurden die Buchenwälder in die UNESCO-Liste aufgenommen. Es handelt sich dabei um ausgewählte Bereiche aus fünf Schutzgebieten:
  • Nationalpark Jasmund (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Serrahn im Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Grumsin im UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg)
  • Nationalpark Hainich (Thüringen)
  • Nationalpark Kellerwald-Edersee (Hessen).
Diese Gebiete repräsentieren die wertvollsten Relikte großflächiger naturnaher Buchenwälder in Deutschland. Sie ergänzen hervorragend das seit 2007 bestehende UNESCO-Weltnaturerbe "Buchenurwälder der Karpaten", mit denen die deutschen Gebiete jetzt eine gemeinsame Stätte bilden.

Das UNESCO-Welterbeübereinkommen stellt herausragende Natur- und Kulturgüter unter weltweiten Schutz. Nach der Fossilienfundstätte Grube Messel (eingeschrieben 1995) und dem Wattenmeer (2009) sind die Buchenwälder die dritte Weltnaturerbestätte in Deutschland.

Unter www.bmu.de/buchenwaelder sind weiterführende Informationen sowie die BMU-Broschüre "Die Alten Buchenwälder Deutschlands" und Poster abrufbar. Ebenso stehen dort in Kürze auch Fotos und ein Filmmitschnitt von der Übergabe der Weltnaturerbeurkunde zur Verfügung. Zudem können Informationen auf der Internetseite www.weltnaturerbe-buchenwaelder.de abgerufen werden.


Yellowstone, Galapagos Inseln und jetzt die Buchenwälder

Von Anja Franzenburg, Greenpeace-Online, 15.11.11

Wunderschön und beeindruckend waren sie schon immer - darüber hinaus ist die weltweite Bedeutung der Buchenwälder jetzt auch offiziell anerkannt: Die UNESCO hat heute die Welterbe-Urkunde "Alte Buchenwälder Deutschlands" an Bundesminister Norbert Röttgen übergeben. Das freut uns, doch wie geht die Bundesregierung mit diesem Welterbe um?

Buchenwälder bedeckten vor 6500 Jahren 40 Prozent Europas, in Deutschland würden - wenn die massiven Abholzungen nicht dazwischengekommen wären - auf zwei Dritteln Buchen wachsen. 2007 wurde in Deutschland fraktionsübergreifend beschlossen, vor allem alte Buchenwälder auf zehn Prozent der öffentlichen Waldfläche zu schützen. Geschehen ist das bislang nicht.

Stefan Krug, Leiter der Politischen Vertretung von Greenpeace in Berlin, fordert daher, diesen Beschluss endlich umzusetzen. "Nur so kann dieses wertvolle Weltnaturerbe dauerhaft erhalten und verstärkt werden. Dass bisher nur ein Prozent der deutschen Waldfläche überhaupt unter Schutz steht, ist inakzeptabel und muss dringend verbessert werden."

Dabei sind sich Experten einig: Buchenwälder sind von unschätzbarem Wert. "Die fünf für die Welterbeliste ausgewählten deutschen Buchenwaldgebiete beherbergen eine große Artenvielfalt", schreibt die Deutsche UNESCO-Kommission "Buchenwälder mit einem hohem Anteil an alten Bäumen, stehendem sowie liegendem Totholz und natürlichen Höhlen bieten einen idealen Lebensraum für Höhlenbrüter, Fledermäuse und viele andere Lebewesen [...]."

Die laut Uneso wertvollsten verbliebenen deutschen Buchenwaldgebiete sind der Grumsiner Forst in Brandenburg, der Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen, der Nationalpark Jasmund und der Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern sowie der Nationalpark Hainich in Thüringen.

Wie die kostbare Ressource erhalten werden kann, zeigt Greenpeace in dem im April veröffentlichten Gutachten Rotbuchenwälder im Verbund schützen: Zusammenfassung des Gutachtens und Langfassung.


Bundesregierung weiterhin ohne klare Aussagen zur möglichen Steigerung des Holzeinschlags

Pressemitteilung von Cornelia Behm, Sprecherin für Waldpolitik vom 17. November 2011

"Die Aussagen der Bundesregierung zu Holzvorrat, Holzzuwachs und Abgang bleiben widersprüchlich." Dies sagte die Sprecherin für Waldpolitik der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Cornelia Behm, zu den Antworten der Bundesregierung auf ihre erneuten Fragen zu diesem Thema. "Eine klare Aussage, welche Steigerung des Holzeinschlags die Bundesregierung noch für möglich hält, macht die Bundesregierung weiterhin nicht. Sie schreibt lediglich, dass in der Bilanz aus Holzvorrat, Holzzuwachs und Abgang 10 Prozent mehr Holz zugewachsen ist als ausgeschieden. Nachdem man die zuletzt gemachten Angaben so verstehen konnte, dass noch eine Steigerung um ein Drittel möglich wäre, könnte und soll man aus dieser Aussage wohl folgern, dass die Bundesregierung eine Steigerung des Holzeinschlags noch um max. 10 Prozent für möglich hält.

Diese Größenordnung ergibt sich auch aus dem Vergleich des bei der Inventurstudie 2008 festgestellten Abgangs von 70,5 Mio. Erntefestmetern mit dem in der Antwort auf meine letzten Fragen für 2011-2020 angegebenen Rohholzpotenzial von 80 Mio. Erntefestmetern. Allerdings passen diese 10 Prozent nicht zum für 2011-2020 angegebenen Rohholzpotential von jährlich 101 Mio. Vorratsfestmetern und dem bei der Inventurstudie genannten Holzeinschlag inkl. natürlichem Abgang von 106,7 Mio. Vorratsfestmetern. Denn aus diesen Zahlen lässt sich schließen, dass der Einschlag bereits heute oberhalb des zukünftigen Rohholzpotenzials liegt.

Die widersprüchlichen Angaben der Bundesregierung zeigen, dass sie offenbar selbst nicht weiß, in welchem Maß die Holzeinschläge noch gesteigert werden können. So ist es auch folgerichtig, dass die Regierung hier klare Aussagen scheut. Nicht nachvollziehbar ist dann allerdings, dass sie hilflos bis wohlwollend zusieht, wie Holznachfrage und Holzangebot immer weiter auseinanderdriften.

Zu unterstreichen ist die Aussage der Regierung, dass in der Praxis die Entscheidung über die Realisierung des Rohholzpotenzials bei den Waldeigentümern liegt. Daher hat es auch keinerlei Auswirkung, wenn die Bundesregierung als Ziel formuliert, der Holzeinschlag möge nur bis zum maximalen jährlichen Zuwachs gesteigert werden. Entscheidend ist, ob und wie die dies in der Praxis sicher gestellt wird. Die Festlegung des Bundeswaldgesetzes, den Wald im Rahmen ordnungsgemäß und nachhaltig zu bewirtschaften, reicht dazu nicht aus. Ohne weitergehende Festlegungen und ohne anspruchsvolle Zertifizierungssysteme, die die forstwirtschaftliche Praxis kontrollieren, lässt sich eine Begrenzung der Holzeinschläge nicht sicherstellen."


Deutschlands artenreiche Wiesen- und Weidenlandschaften sind in Gefahr

NABU und DVL legen Studie zum Erhalt von wertvollem Naturschutzgrünland vor

NABU Pressemitteilung, 17.11 11

Berlin/Ansbach – Der NABU und der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) haben die Ergebnisse eines Forschungsprojektes veröffentlicht, das sich mit den Perspektiven und Nutzungsmöglichkeiten von naturschutzfachlich wertvollem Grünland beschäftigt. „Grünland ist in Deutschland sowohl quantitativ als auch qualitativ massiv gefährdet“, erläutert NABU-Agrarexperte Florian Schöne die Studie. Hochrechnungen ergaben, dass artenreiches Grünland nur noch einen Anteil von 14 Prozent an der gesamten Grünlandfläche in Deutschland hat. Dabei haben diese Wiesen- und Weidelandschaften eine überaus hohe Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt sowie den Gewässer-, Boden- und Klimaschutz. Deshalb müsse alles daran gesetzt werden, das ökologisch sensible Grünland konsequent zu erhalten und Modelle für eine naturverträgliche Nutzung zu entwickeln. Die meisten artenreichen Grünlandflächen gibt es der Studie zufolge an der Mecklenburger Seenplatte und im Bereich der Mittelgebirge, etwa im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb.

Der Erhalt dieser artenreichen Grünlandflächen wird immer schwieriger. Die Tierhaltung in der Landwirtschaft geht weiter zurück, das Schnittgut wird oft nicht mehr als Futter oder Einstreu genutzt. Die Studie bewertet daher auch neue Möglichkeiten der energetischen Nutzung des Grünlands. Klar ist, dass der Bedarf für eine energetische Verwertung des Schnittguts sehr hoch ist und es dafür durchaus geeignete technische Möglichkeiten gibt. „Nach unseren Schätzungen existiert ein tatsächlich nutzbares Flächenpotenzial von rund 900.000 Hektar, das einen wichtigen Beitrag zur Energieerzeugung leisten könnte“, erklärt DVL-Geschäftsführer Jürgen Metzner. Die Untersuchung betrachtet sechs Projektgebiete in verschiedenen Regionen Deutschlands im Detail. Analysiert wurden der Naturschutzwert des Grünlands, das Potenzial der energetisch verwertbaren Biomasse sowie deren Beitrag zum Erhalt des Grünlands. Zudem wurden technische Verfahren zur energetischen Biomasseverwertung diskutiert.




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