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Amazonien: Unkontaktierte auf der Flucht

Brasilianische Beamte warnen vor 'unmittelbar bevorstehendem' Tod unkontaktierter Indianer

Survival International Deutschland e.V. pressemitteilung, 26.6.14

Brasilianische Beamte warnen, dass unkontaktierten Indigenen unmittelbar “Tragödie” und “Tod” drohen, nachdem Sichtungen der Indigenen im Amazonas-Regenwald nahe der Grenze zu Peru dramatisch angestiegen sind.

Die Experten glauben, dass die Indigenen über die Grenze nach Brasilien geflohen sind, um illegalen Holzfällern zu entkommen, die in ihr Gebiet eingedrungen sind. Dadurch gelangen die Unkontaktierten nun jedoch in das Gebiet anderer abgeschieden lebender indianischer Gruppen, die bereits auf der brasilianischen Seite leben, und einiger sesshafter Gemeinden.

Die Ashaninka im Bundesstaat Acre berichten beispielsweise, dass sie kürzlich dutzende unkontaktierte Indigene in der Nähe ihrer Gemeinde gesehen haben. Neueste Untersuchungen der Regierung haben zudem mehr Fußspuren, temporäre Lager und Essensreste, die von den Unkontaktierten zurückgelassen wurden, offenbart.

Diese Vorfälle bestärken die Angst vor gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gruppen sowie vor einer Dezimierung durch Infektionskrankheiten, gegen die unkontaktierte Indigene keine Abwehrkräfte ausgebildet haben.

José Carlos Meirelles, der die Gegend für Brasiliens Indigenen-Behörde FUNAI seit über 20 Jahren beobachtet, sagte gegenüber Survival International: “Etwas Ernstes muss passiert sein. Es ist nicht normal, dass sich eine so große Gruppe unkontaktierter Indianer auf diese Weise nähert. Dies ist eine völlig neue und besorgniserregende Situation und wir wissen momentan nicht, was die Ursache davon ist.”

Die Indigenen wurden in derselben Region gesichtet, in der unkontaktierte Indianer vor vier Jahren aus einem Flugzeug heraus fotografiert und gefilmt wurden. Die Aufnahmen sorgten weltweit für Beachtung. Dem Gebiet mangelt es jedoch an Schutz, seit die Regierung einen Wachposten aufgegeben hat, der 2011 von Drogenschmugglern und illegalen Holzfällern überfallen wurde.

Unkontaktierte Indigene gehören zu den verletzlichsten Menschen der Welt. Obwohl sie gesund erscheinen, besitzen sie keine Immunität gegen weit verbreitete Krankheiten wie Grippe und Masern, was in der Vergangenheit zur Auslöschung ganzer Völker geführt hat.

FUNAI hat die alarmierenden Berichte der Ashaninka vergangene Woche untersucht. Die Behörde warnt, dass “Kontakt unmittelbar bevorsteht” und fordert, dass dringend Gesundheitsteams in das Gebiet geschickt werden, andernfalls “riskieren sie es sich Krankheiten einzufangen (…), die sie alle töten könnten”.

Der prominente Amazonas-Indigene Raoni Metuktire, der den Kampf der Kayapó um ihr Land und gegen die Zerstörung des Amazonasgebietes angeführt hat, erklärte während seines kürzlichen Besuches in Europa: “Wo werden die unkontaktierten Indianer hingehen? Ohne den Schutz ihres Landes werden sie sterben.”

Survival International, die globale Bewegung für die Rechte indigener Völker, ruft die Regierungen von Brasilien und Peru dazu auf, das gesamte Gebiet unkontaktierter Völker unter Schutz zu stellen und ihr Versprechen zu halten, die grenzüberschreitende Koordination zu verbessern, um das Wohlergehen der Unkontaktierten zu garantieren.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte heute: “Internationale Grenzen existieren für unkontaktierte Völker nicht. Deshalb müssen Brasilien und Peru zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass Leben ausgelöscht werden. Immer wieder wurden in der Vergangenheit unkontaktierte Völker vernichtet, wenn in ihr Land eingedrungen wurde. Es ist unerlässlich, dass das Gebiet dieser Menschen richtig geschützt wird. Beide Regierungen müssen jetzt handeln, wenn ihre unkontaktierten Bürger überleben sollen.”




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