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Aktuell

Zwischenbilanz Klimagipfel

Zur Halbzeit der Klimakonferenz: Regierungen ist Emissionshandel wichtiger als Klimaschutz und Menschenrechte

BUND-Kommentar, 6.12.19

Die erste Woche der Weltklimakonferenz COP 25 in Madrid neigt sich dem Ende zu. Ann-Kathrin Schneider, Leiterin Internationaler Klimaschutz beim BUND bilanziert:

"Die Weltklimakonferenz läuft schleppend an. Nach der ersten Woche der Klimaverhandlungen in Madrid zeichnet sich ab, dass die Verhandlerinnen und Verhandler der Europäischen Union (EU) allerdings bereit sind, den Artikel 6 des Pariser Klimaschutzabkommens zu konkretisieren.

Mit Artikel 6 sollen nun Regeln eines internationalen Emissionshandels beschlossen werden, die nicht nur den globalen Klimaschutz gefährden, sondern auch den Schutz von Menschenrechten missachten könnten. Der BUND warnt vor einem solchen Instrumentarium, droht damit doch der Klimaschutz zum Verschiebebahnhof zu werden.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze muss sich nach ihrer Ankunft in Madrid kommende Woche dafür einsetzen, dass jedes Land seine Klimaschutzziele zuhause erreichen muss. Es dürfen keine Regeln unter Artikel 6 verabschiedet werden, die die Anrechnung von Zertifikaten aus anderen Ländern zur Erreichung der eigenen nationalen Ziele ermöglichen. Es darf nicht sein, dass die EU im Tausch gegen einen internationalen Emissionshandel sogar auf Menschenrechtsstandards bei Klimaschutzprojekten in anderen Ländern verzichtet."


NABU-Halbzeitbilanz zur Klimakonferenz: Lieber keine als schlechte Ergebnisse

Krüger: Erfolge bei Eindämmung von Treibhausgasen noch nicht erkennbar

NABU Pressemitteilung, 6.12.19

Madrid – Der NABU und seine Jugendorganisation NAJU ziehen eine verhaltene Halbzeit-Bilanz zur 25. UN-Weltklimakonferenz, die unter chilenischem Vorsitz in Madrid stattfindet. Nach der ersten Verhandlungswoche ist noch nicht erkennbar, wie die Klimaziele aus dem Pariser Abkommen erreicht werden können.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: „Das wichtigste Verhandlungsthema der diesjährigen Klimakonferenz sind die Regeln für ein Emissionshandelssystem. Bisher liegen noch Optionen auf dem Tisch, die sowohl den Transfer alter Zertifikate aus dem Kyoto-Protokoll als auch Doppelzählungen von Emissionsminderungen in mehreren Ländern ermöglichen. Das Offenhalten beider Möglichkeiten gefährdet das Ziel, die globalen Treibhausgas-Emissionen wie erforderlich einzudämmen. Keine der diskutierten Optionen ist tatsächlich ein Hebel, um die Erderhitzung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, wie 2015 im Pariser Abkommen beschlossen.“

Die Verabschiedung eines Kompromisses, der nicht sicherstellt, dass Handelsmechanismen tatsächlich zu Absenkungen der gesamten globalen Treibhausgas-Emissionen beitragen, muss in der kommenden Woche unbedingt verhindert werden. NABU-Klimaexperte Sebastian Scholz: „Einmal beschlossene Regeln sind für die nächsten Jahre gültig und können im schlechtesten Fall über Jahre hinweg für den Anstieg von Treibhausgasemissionen sorgen. Als Erfolg wird Ende der nächsten Woche nur gewertet werden können, wenn gute Regeln verhandelt werden. Lieber keine als schlechte Ergebnisse.“

Kurz vor Beginn der zweiten Woche unter Anwesenheit vieler Ministerinnen und Minister und Regierungschefs irritieren Ankündigungen der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass die europäischen Klimaschutzziele erst im Oktober des kommenden Jahres erhöht werden sollen. Wenn es tatsächlich so käme, sei die EU viel zu spät dran, um die Klimaschutzziele bei der kommenden Klimakonferenz in Glasgow einzubringen. NAJU-Klimaexpertin Janine Wohlers: „Damit würde die EU den Prozess zur Steigerung der weltweiten Klimaschutzambitionen torpedieren und schwer beschädigen. Das ist inakzeptabel. Deshalb haben sich die europäischen Jugendlichen vernetzt, um die Verschärfung der Klimaziele voranzutreiben! Nächste Woche, zur Vorstellung des Green Deals der EU, werden wir genau hinschauen, wann welche Klimaziele verabschiedet werden sollen.“


Weltklimakonferenz: Deutschland unterstützt Fonds für Anpassung an den Klimawandel mit 30 Millionen Euro

BMU Pressemitteilung, 10.12.19

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat heute auf der 25. Weltklimakonferenz in Madrid weitere 30 Millionen Euro für den Anpassungsfonds zugesagt. Der Fonds finanziert Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländern. Die Projektmittel kommen vor allem den stark vom Klimawandel betroffenen Menschen in den verschiedenen Regionen dieser Welt zu Gute.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Der Anpassungsfonds ist ein Erfolgsmodell der internationalen Klimafinanzarchitektur. Es ist uns wichtig, seine erfolgreiche Arbeit auch weiterhin zu unterstützen. Unser Beitrag zum Fonds ist auch ein Beitrag zur globalen Solidarität: Unter dem Klimawandel leiden diejenigen am meisten, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Deutschland nimmt seine internationale Verantwortung zur Finanzierung von Maßnahmen gegen den Klimawandel in Entwicklungsländern sehr ernst."

Der Fonds finanziert unter anderem Frühwarnsysteme gegen Überschwemmungen und Starkregen, Maßnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung und die Umstellung auf trockenheitsresistente Anbaumethoden in der Landwirtschaft. Deutschland ist mit bisher 310 Millionen Euro der größte Geber des Anpassungsfonds. Das Bundesumweltministerium wirkt für Deutschland an der Arbeit des internationalen Direktoriums mit, das mehrheitlich durch Entwicklungsländer besetzt wird.

Bisher hat der Anpassungsfonds weltweit über 100 Projekte und Programme mit einem Fördervolumen von insgesamt 720 Millionen US-Dollar genehmigt. Weitere 41 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 248 Millionen US-Dollar sind aktuell in Vorbereitung.

Neben Deutschland sind insbesondere Schweden, Spanien, Italien, Norwegen und Belgien beziehungsweise die belgischen Regionen Unterstützer des Fonds. Auf der Klimakonferenz im letzten Jahr in Kattowitz wurde entschieden, den unter dem Kyoto-Protokoll entstandenen Fonds zukünftig unter dem Pariser Klimaabkommen zu verorten und ihn damit dauerhaft zu sichern. Die nähere Ausgestaltung dieses institutionellen Wandels steht bei den Klimaverhandlungen in Madrid auf der Tagesordnung.


Time for Action, Frau Schulze!

WWF fordert Umsetzung der deutschen Klimaversprechen ein

WWF Pressemitteilung, 10.12.19

Mit der Ankunft der der Staats- und Regierungschefs sowie zahlreicher Minister:innen geht die Klimakonferenz in Madrid in die heiße Phase. Michael Schäfer, Leiter Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland kommentiert die Rede von Bundesumweltministerin Svenja Schulze in Madrid wie folgt:

„Das Motto dieser Weltklimakonferenz ist „Zeit zu Handeln“ – doch davon ist die Bundesregierung zuhause weit entfernt. In Madrid hat die Bundesumweltministerin eine Erhöhung des Klimaziels der EU für 2030 unterstützt, in Brüssel blockiert der Bundeswirtschaftsminister genau dies. Doppelzüngigkeit droht zum prägenden Charakterzug deutscher Klimapolitik zu werden. Es ist gut, dass die Bundesregierung sich in Madrid in der „Climate Ambition Alliance“ in der Gruppe der Vorreiter engagiert, aber sie darf nicht in Berlin weiter ein lahmer Gaul bleiben. Die Bundesregierung muss zumindest ihre selbstgesteckten Ziele für 2020 und 2030 nach jahrelangem Wegducken mit ausreichenden Klimaschutzmaßnahmen unterlegen. Das Klimapäckchen reicht nicht.

In Madrid muss Umweltministerin Schulze auch daran arbeiten, die EU hinter einer Erhöhung des Klimaschutzziels für 2030 zu vereinen. Bislang steht im Raum, dass die Staatengemeinschaft sich erst im Herbst nächsten Jahres dazu äußert – viel zu spät, um im internationalen Klimaprozess für Aufbruchstimmung zu sorgen. Die Initiative von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen braucht dringend Rückenwind aus Deutschland. Denn klar ist, dass vom Klimagipfel in Madrid entscheidende Zeichen ausgehen müssen, dass sämtliche Staaten in den nächsten Monaten ihre nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs) erhöhen. Auch muss sich Europa beim EU-Ratsgipfel zum Ende dieser Woche zu einem 2050 Langfristziel der Treibhausgasneutralität bekennen.

Bei den Klimaverhandlungen wartet auf die Bundesministerin auch die Aufgabe, bei festgefahrenen Verhandlungspunkten einzugreifen. Ein solcher ist Artikel 6 des Pariser Regelbuchs, der große Sprengkraft birgt. Darin wird geregelt, wie Staaten den internationalen Emissionshandel gestalten wollen, beispielsweise können Staaten Klimaschutzprojekte im Ausland finanzieren aber ihrer eigenen Klimabilanz anrechnen. Hier drohen Regeln beschlossen zu werden, die den Klimaschutz ernsthaft gefährden. Denn bisher sind sowohl Doppelzählungen als auch die Nutzung alter Zertifikate aus dem Kyoto-Protokoll noch nicht vom Tisch. Damit entstünden Schlupflöcher, die das gesamte Pariser Abkommen aushöhlen könnten. Ein fauler Kompromiss muss diese Woche unbedingt verhindert werden – auch mit Hilfe von Svenja Schulze.“


Svenja Schulze muss besseren Klimaschutz verhandeln

BUND Kommentar, 10.12.19

Die Rede von Bundesumweltministerin Svenja Schulze auf der Weltklimakonferenz kommentiert Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND:

"Die Bundesumweltministerin sagt auf der Weltklimakonferenz, es sei Zeit zu handeln, doch stärkere Klimaschutzanstrengungen soll es erst nächstes Jahr geben. Svenja Schulze versucht mit größtenteils alten finanziellen Zusagen für den globalen Süden zu glänzen. Während wir die zusätzlichen 30 Millionen Euro für den Anpassungsfonds begrüßen, gibt es noch immer kein Geld für den Wiederaufbau nach Klimakatastrophen.

Die Ministerin lobt das deutsche Klimapäckchen als guten Beitrag zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Dabei ist klar, dass die beschlossenen Maßnahmen bei weitem nicht genügen, um die deutschen Klimaziele bis 2030 zu erreichen. Nach Schulzes Rede wissen wir, dass die Verhandlungen für stärkeren Klimaschutz in der Europäischen Union schwierig werden. Der Bundesumweltministerin bleiben vier Tage, die notwendige Erhöhung des europäischen Klimaziels auf der Konferenz durchzusetzen."


Klimaschutz ist nicht käuflich

„Deutschland hält die ganze Welt auf.“ Lisa Göldner von Greenpeace bewertet im Interview die Rolle Deutschlands bei der aktuellen Klimakonferenz in Madrid.

Greenpeace-Online, 10.12.19

https://www.greenpeace.de/themen/energiewende/klimaschutz-ist-nicht-kaeuflich


Mehrheit der Industrie- und Schwellenländer mit sinkenden Emissionen: Klimaschutz-Index sieht Chance auf bevorstehenden Wendepunkt

Klimaschutz-Index 2020: In 31 von 57 untersuchten Staaten rückläufige Emissionen - auch weltweiter Kohleverbrauch sinkt
Deutschland nur leicht verbessert (von Platz 27 auf 23) in Kategorie "mäßig" - zehn EU-Staaten sind besser
Schweden weiter an der Spitze, Dänemark großer Aufsteiger des Index
USA lösen erstmals Saudi-Arabien als Schlusslicht ab


Gemranwatch Pressemitteilung, 10.12.19

Madrid. Ein zwiespältiges Bild zeigt der heute beim Klimagipfel in Madrid vorgestellte Klimaschutz-Index: Australien, Saudi-Arabien und insbesondere die USA geben mit ernüchternd schlechten Werten bei Emissionen, Erneuerbaren Energien und Klimapolitik Anlass zu großer Sorge. Bei diesen drei massiv von der Kohle- und Öllobby beeinflussten Regierungen sind bisher kaum Anzeichen für eine ernsthafte Klimapolitik in Sicht. Auf der anderen Seite verzeichnet mehr als die Hälfte der 57 größten Emittenten über mehrere Jahre betrachtet sinkende Emissionstrends, der globale Kohleverbrauch geht deutlich zurück und der weltweite Boom bei den Erneuerbaren Energien ist ungebrochen. "Der neue Klimaschutz-Index zeigt Anzeichen für eine globale Wende bei den Emissionen, aktuell verzeichnet mehr als die Hälfte der großen Emittenten einen sinkenden CO2-Ausstoß. Allerdings gibt es noch einige große Staaten, die sich diesem Trend zu widersetzen versuchen - vor allem die USA. Wir sehen Anzeichen einer bevorstehende Stagnation der weltweit steigenden Emissionen - aber viel wird von den weiteren Entwicklungen in China und den Wahlen in den USA abhängen", so Ursula Hagen (Germanwatch), eine der Autorinnen des von Germanwatch und dem NewClimate Institute erstellten Index.

Da sich bisher keines der untersuchten Länder auf einem mit den Pariser Klimazielen zu vereinbarenden Pfad befindet, bleiben die ersten drei Plätze des Index unbesetzt. Während aber einige EU-Staaten wie Schweden (4.) als erneuter Spitzenreiter und Aufsteiger Dänemark (5.) - zurück unter den Bestplatzierten - gute bis sehr gute Ergebnisse vor allem bei Erneuerbaren Energien und Klimapolitik vorzuweisen haben, kann sich Deutschland (23.) von seiner bisher zweitschlechtesten Platzierung im Vorjahr nur leicht erholen. "Während Deutschland noch relativ gut beim Fünf-Jahres Trend der Erneuerbaren im Energiemix und der Bewertung der internationalen Klimapolitik abschneidet, bekommt es weiterhin nur mäßige Noten für die nationale Klimapolitik und schneidet schlecht bei Emissionen und Energieverbrauch pro Kopf ab", erläutert Prof. Niklas Höhne vom NewClimate Institute. "Zwar ist das Klimapaket ein Schritt in die richtige Richtung, doch dieser ist mutlos und zu klein."

Aufgaben für Deutschland: EU-Klimaziel für 2030 verbessern, Windkraft wiederbeleben, Verkehrswende einleiten

"Der beabsichtigte Kohleausstieg und das Klimapaket weisen in die richtige Richtung, aber gemessen an der notwendigen Geschwindigkeit ist das zu wenig. Jetzt wird es beim Klimagesetz darauf ankommen, dass das wissenschaftliche Monitoring funktioniert und schnell nachgebessert wird", sagt Ursula Hagen. "Deutschland kann sich deutlich verbessern, wenn sich die Bundesregierung engagiert für eine Erhöhung des EU-Klimaziels für 2030 auf mindestens minus 55 Prozent einsetzt. Zudem muss der fast zum Erliegen gekommene Ausbau der Windkraft an Land endlich wiederbelebt werden und im Verkehrssektor, in dem bisher überhaupt keine Emissionen abgebaut wurden, müssen ernsthafte Schritte für eine Verkehrswende angegangen werden."

Der aktuell größte Emittent China kann sich noch einmal leicht verbessern auf Rang 30 ("mäßig"). China punktet mit einem sehr guten Abschneiden im Fünf-Jahres-Trend beim Anteil der Erneuerbaren am Energiemix und relativ guten Politikbewertungen, schwer wiegt allerdings weiterhin das schlechte Abschneiden bei Emissionen und Energieeffizienz. Sollte China seine umfangreichen Planungen für neue Kohlekraftwerke umsetzen, droht ein herber Rückfall in den Keller des Rankings.

Nur zwei G20-Staaten im führenden Feld der Rangliste - acht im Keller

Während mit Großbritannien (7.) und Indien (9.) nur zwei G20-Staaten in der Kategorie "gut" zu finden sind, befinden sich acht G20-Staaten in der schlechtesten Kategorie des Index. Besonders negativ fallen dabei Australien (56. von 61), Saudi-Arabien und vor allem die USA auf - letztgenannte tauschen die Plätze, die USA lösen damit erstmals Saudi-Arabien als Schlusslicht ab. Unter der Trump-Administration erreichen die USA in fast allen Kategorien die Bewertung "schlecht" oder "sehr schlecht", in der Kategorie Klimapolitik nur noch unterboten von Australien, das auf Basis der Beurteilung von Klimaexperten aus dem Land 0 von 100 möglichen Punkten erhält. "Die Ergebnisse der in der G20 versammelten 19 stärksten Wirtschaftsnationen plus EU sind in großen Teilen alarmierend. Gerade dort muss sich beim Klimaschutz viel mehr tun. Ermutigend sind aber aktuelle Entwicklungen zum Beispiel in Kanada, wo die Klimapolitik ein zentrales Thema im Wahlkampf war; und auch die EU kann einen großen Schritt voran machen, wenn ambitionierte Projekte wie der European Green Deal künftig auch mit einem deutlich verbesserten Klimaziel für 2030 und schneller Umsetzung untermauert werden. Viele G20-Staaten müssten die im kommenden Jahr fällige Erhöhung der Klimaziele für 2030 frühzeitig vornehmen, um so andere Staaten mitzuziehen – 2020 ist das Jahr für ambitionierte Ankündigungen", so Niklas Höhne.

Zum Klimaschutz-Index:

Der globale Klimaschutz-Index erscheint seit 2005 jährlich und wird seit 2017 in modifizierter Form von Germanwatch und dem NewClimate Institute zusammen erstellt sowie gemeinsam mit dem Climate Action Network veröffentlicht. Er umfasst ein Ranking der 57 größten Emittenten weltweit (Chile ist nun erstmals dabei) plus die EU gesamt, auf sie entfallen gut 90% der globalen energiebedingten Emissionen. Der Index betrachtet in den einzelnen Staaten vier Bereiche: Treibhausgas-Emissionen (40% der Gesamtwertung), Erneuerbare Energien (20%), Energieverbrauch (20%) und Klimapolitik (20%, bewertet von Experten/innen aus dem jeweiligen Land). Zudem wird die Frage beantwortet, inwieweit das jeweilige Land in den Bereichen Emissionen, Erneuerbare Energien und Energieverbrauch adäquat handelt, um die Pariser Klimaziele erreichen zu können.


Risiken für Ernten: Globale Hitzewellen könnten mehrere Kornkammern der Welt gleichzeitig treffen

PIK Pressemitteilung, 9.12.19

Bestimmte Muster im Jetstream - einem die Erde umzirkelnden Höhenwind - können gleichzeitige Hitzewellen in die Weltregionen bringen, die für bis zu einem Viertel der globalen Nahrungsmittelproduktion verantwortlich sind. Besonders anfällig sind der Westen Nordamerikas und Russlands, Westeuropa und die Ukraine. Extreme Wetterereignisse in diesem Ausmaß können die weltweite Nahrungsmittelproduktion erheblich beeinträchtigen und damit die Preise in die Höhe treiben. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass starke Preissteigerungen bei Lebensmitteln mit sozialen Unruhen verbunden sein können.

In einer neuen Studie in Nature Climate Change zeigen Kai Kornhuber vom Earth Institute in New York und ein internationales Team, wie spezifische Wellenmuster im Jetstream die Wahrscheinlichkeit gleichzeitig auftretender Hitzewellen in wichtigen Anbauregionen Nordamerikas, Westeuropas und Asiens stark erhöhen. Ihre Forschungsergebnisse zeigen, dass diese gleichzeitigen Hitzewellen die Nahrungsmittelproduktion in diesen Regionen signifikant reduzieren können, was das Risiko mehrfacher Ernteausfälle und anderer weitreichender gesellschaftlicher Folgen nach sich zieht.

"Ein zwanzigfach erhöhtes Risiko"

„Wir haben eine bislang unterschätzte Anfälligkeit des Nahrungsmittelsystem entdeckt: Wenn diese Muster im Jetstream weltweit auftreten, haben wir ein zwanzigfach erhöhtes Risiko für gleichzeitige Hitzewellen in wichtigen Anbaugebieten", sagte Kornhuber, der auch Gastwissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist. „Eigentlich ist die Zirkulation des Jetstream chaotisch, aber bei derartigen Ereignissen ergibt sich tatsächlich eine globale Ordnung."

Der Westen Nordamerikas, Westeuropa und der Raum am Kaspischen Meer sind besonders anfällig für diese atmosphärischen Wellenmuster, die Hitzegebiete und Dürren an einem Ort festhalten - mit fatalen Folgen für die Ernteerträge. „Das Bedrohliche an diesen Mustern ist das zeitlich synchronisierte Auftreten von Extremen mit potentiellen Auswirkungen auf die globale Nahrungsmittelsicherheit", so Kornhuber.

„Normalerweise geht man davon aus, dass geringe Ernteerträge in der einen Region durch gute Ernteerträge in einer anderen Region ausgeglichen werden. Aber diese planetaren Wellen können zu Ernteeinbußen in mehreren wichtigen Kornkammern gleichzeitig führen – mit entsprechenden Risiken für die globale Nahrungsmittelversorgung", sagt Dim Coumou vom Institut für Umweltstudien der Freien Universität Amsterdam und dem PIK.

Auch nicht direkt betroffene Regionen könnten Preissteigerungen erleben

„Die Hitzewellen werden künftig durch die menschengemachte globale Erwärmung häufiger gleichzeitig verschiedene Gegenden über den Globus verteilt treffen, und sie werden auch noch heftiger werden", fügt Jonathan Donges, Ko-Autor und Ko-Leiter des PIK FutureLabs 'Erdsystemresilienz im Anthropozän' hinzu. „Das wirkt sich unter Umständen nicht nur auf die Nahrungsmittelverfügbarkeit in den direkt betroffenen Regionen aus. Sogar entlegenere Regionen können in der Folge von Knappheiten und Preissteigerungen betroffen sein."

„In Jahren, in denen dieses verstärkte Muster der planetaren Wellen in zwei oder mehr Sommerwochen zu beobachten war, sank die Getreideproduktion in einzelnen Regionen um mehr als 10% ab. Im Durchschnitt über alle betroffenen Anbaugebiete hinweg sank sie um 4% ab", sagt Elisabeth Vogel, Ko-Autorin von der Melbourne University.

Radley Horton vom Lamont Doherty Earth Observatory der Columbia University fügt hinzu: „Wenn Klimamodelle nicht in der Lage sind, diese Wellenmuster abzubilden, können Risikomanager wie Rückversicherer und Ernährungssicherheitsexperten das nicht richtig in ihre Analysen der gleichzeitig auftretenden Hitzewellen und ihrer Auswirkungen in einem sich erwärmenden Klima einbeziehen." Künftige Forschung muss auch die Anfälligkeit der globalen Pflanzenproduktion und des internationalen Agrarhandels bei gleichzeitigen Extremwetterlagen in großen Anbauregionen untersuchen.

Kornhuber fasst zusammen, dass ein gründliches Verständnis der Faktoren, die dieses Jetstream-Verhalten antreiben, letztendlich die saisonalen Vorhersagen der landwirtschaftlichen Produktion auf globaler Ebene verbessern könnte, und ebenso die Risikobewertungen von Ernteausfällen über mehrere wichtige Anbauregionen hinweg.




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