powered by <wdss>
Aktuell

Artensterben dank Gentechnik?

Gene Drive: Artensterben dank Gentechnik?

78 Verbände fordern EU zum Stopp der Risikotechnologie auf

Gemeinsame Pressemitteilung, 30.6.20

Berlin. In einem offenen Brief rufen 78 Umwelt-, Agrar-, Tierschutz- und Entwicklungsorganisationen aus ganz Europa die EU-Kommission dazu auf, die Freisetzung sogenannter Gene Drive Organismen in der EU und international zu ächten. Mit dieser neuen Gentechnikanwendung können ganze Tierpopulationen und -arten in der Natur ausgerottet und umprogrammiert werden.

Die unterzeichnenden Organisationen, unter ihnen der Deutsche Naturschutzring (DNR), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Save Our Seeds und die Aurelia Stiftung fordern von der EU, sich auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz (COP 15) der UN-Biodiversitätskonvention für ein globales Moratorium auf die Freisetzung von Gene Drive Organismen einzusetzen. Dasselbe verlangt auch das Europäische Parlament in einem Entschließungsantrag vom Januar dieses Jahres und ist damit einem Aufruf von über 200 Organisationen in Europa und weltweit gefolgt.

"Gene Drives sind ein immenses Risiko für Ökosysteme", so die unterzeichnenden Verbände einstimmig. "Die EU muss sich für ein globales Moratorium einsetzen und gleichzeitig mit gutem Beispiel vorangehen. Dieser Risikotechnologie muss ein Riegel vorgeschoben werden."

Mithilfe des Gentechnikverfahrens CRISPR/CAS9 werden im Labor Mücken, Mäuse, Fruchtfliegen und andere Organismen erzeugt, die eine bestimmte Eigenschaft mitsamt dem Mechanismus zur gentechnischen Manipulation künftiger Generationen an sämtliche Nachkommen vererben. So können Gene Drive Organismen ihre Artgenossen in der Natur ersetzen. Die Gene Drive Eigenschaft setzt sich auch dann durch, wenn sie für das Überleben der Art tödlich ist. Eingesetzt werden soll die Technologie zur Bekämpfung sogenannter Agrarschädlinge, invasiver Arten und krankheitsübertragender Insekten.

Thomas Radetzki, Vorstandsvorsitzender der mitunterzeichnenden Aurelia Stiftung kommentiert: "Die Vielfalt der Arten, auch der Bienen und ihrer Lebensräume, ist in existenzieller Weise bedroht. Die Gene Drive Technologie könnte massiv in diese bereits geschädigten Ökosysteme eingreifen. Ihre Risiken sind offenkundig. Die Anwendung der Technologie widerspricht daher dem Vorsorgeprinzip, das sowohl in der EU als auch international die Grundlage für das Naturschutzrecht bildet."

Mit Blick auf die Risiken für eine intakte Umwelt und die menschliche Gesundheit erklärt Mareike Imken von Save Our Seeds und Initiatorin der europäischen Kampagne "Stop Gene Drives": "Die von Gene Drive Organismen ausgehenden Umwelt- und Gesundheitsrisiken sind nicht ansatzweise erforscht. Eine Vorhersage, Eingrenzung oder Umkehrung ihrer Effekte in der Natur sind unmöglich. Deshalb ist bereits ihre Erforschung riskant: Schon wenige Gene Drive Organismen, die aus dem Labor entkommen, können eine unkontrollierbare gentechnische Kettenreaktion in der Natur auslösen. Ein Moratorium gibt uns die Zeit, offene Fragen zu klären und fehlende Regularien und Entscheidungsmechanismen zu etablieren. Vorher sollte niemand auf der Welt diese Risikotechnologie nutzen."

"Der Verlust an Biodiversität ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Es ist daher unverantwortlich, Arten und Ökosysteme weiteren Risiken auszusetzen. Eine Freisetzung von Gene Drive Organismen in die Natur ist mit enormen Risiken verbunden und erfordert eine viel umfangreichere Technikfolgenabschätzung, Risikobewertung und Überwachung, als das in Europa und in vielen anderen Ländern aktuell gesetzlich vorgeschrieben wird. Da eine grenzüberschreitende, effektive Kontrolle der Ausbreitung von Gene Drive Organismen nicht möglich ist, gibt es nur eine Möglichkeit: ein weltweites Moratorium", erläutert Undine Kurth, Vizepräsidentin des Deutschen Naturschutzrings als Mitunterzeichnerin des Briefes.

"Auch Gene Drives werden das Problem von invasiven Arten nicht lösen können – im Gegenteil haben sie das Potential, neue invasive Arten mit unbekannten Eigenschaften zu schaffen", erklärt Antje von Broock, Geschäftsführerin für Politik und Kommunikation beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): "Mit der kürzlich durch die EU-Kommission vorgestellten EU-Biodiversitätsstrategie will die EU eine globale Vorreiterrolle zum Schutz der Biodiversität einnehmen und dem Artensterben ein Ende setzen. Wir sagen nein zu Gedankenspielen, mit Gene Drives die gezielte Ausrottung von Arten unter dem Deckmantel des Naturschutzes zu betreiben."

Abschließend fordern alle Verbandsvertreter*innen die EU dazu auf, zum Schutz von Mensch und Umwelt zu handeln: "Die EU-Kommission und die deutsche Bundesregierung in ihrer Rolle als Vorsitzende des EU-Rats sollten dem Ruf des Europaparlaments folgen und ein vorläufiges Freisetzungsverbot von Gene Drive Organismen auf die internationale Agenda setzen."




» zurück
 

Druckversion








































07.09.20 20:15 - 21:05
3sat: Braunkehlchen, Kiebitz & Kaiseradler - wie retten wir Österreichs Vogelwelt?

21.09.20 19:40 - 20:15
arte: Tatort Wald - Die Holzmafia in Rumänien

03.09.20 13:15 - 13:45
ZDFinfo: Klima im Wandel - Keiner stirbt für sich allein

01.09.20 15:15 - 16:00
ARD-alpha: Rettet den Wald!

05.09.20 22:40 - 23:35
arte: Wenn Europa brennt - Die Macht des Feuers

27.08.20 20:15 - 22:00
3sat: Rettet die Wälder!

03.09.20 13:45 - 14:15
ZDFinfo: Dürre Zeiten - Der Kampf ums Wasser

29.08.20 15:30 - 17:05
3sat: Die Rückkehr der Wildnis

02.09.20 11:35 - 12:30
arte: Die Natur kehrt zurück - Renaturierung in Europa

21.09.20 21:00 - 21:45
rbb: Die Wahrheit über die Kraft des Waldes

07.09.20 16:50 - 17:20
arte: Corona und Umwelt

09.09.20 12:15 - 12:45
ZDFinfo: Klima im Wandel - Keiner stirbt für sich allein

27.08.20 21:00 - 21:45
ARD-alpha: Die Ausbeutung der Urwälder

20.09.20 06:15 - 06:45
3sat: Wald der Zukunft

27.08.20 21:45 - 22:15
ARD-alpha: Der Kampf um den Urwald

20.09.20 13:05 - 13:55
arte: Die Natur kehrt zurück - Renaturierung in Europa

21.09.20 21:45 - 22:15
ARD-alpha: Auf dem Holzweg - wie Mensch und Klimawandel den Wald gefährden

16.09.20 16:15 - 16:45
ARD-alpha: Wald in der Krise

21.09.20 12:15 - 12:50
arte: Wo die Wüste wächst - Klimawandel in Rumänien

19.09.20 22:30 - 23:15
tagesschau24: Wassermangel - Trocknet Bayern aus?

27.08.20 09:45 - 10:15
phoenix: Wald in Not

15.09.20 22:25 - 22:55
3sat: Wald der Zukunft

09.09.20 01:50 - 02:20
tagesschau24: Ist unser Wald noch zu retten?

09.09.20 20:15 - 21:00
SWR: Wald in Not - Was hilft dem grünen Patienten?

07.09.20 21:00 - 21:45
rbb: Die Wahrheit über Schmetterlinge

03.09.20 11:30 - 12:00
phoenix: Wald in Not

03.09.20 12:45 - 13:15
ZDFinfo: Wie viel Grün braucht der Blaue Planet?

08.09.20 22:55 - 23:40
3sat: Die Kinder machen Druck