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Planet in Flammen

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WWF-Studie: Mega-Waldbrände werden neue Normalität
Feuer heizen Klimakrise mit 7,8 Milliarden Tonnen CO2 an


WWF Pressemitteilung, 7.7.20

Berlin: Die Wälder der Welt leiden zunehmend unter der sich zuspitzenden Klimakrise, die zu immer heftigeren Bränden führt. Darauf weist der WWF in einer Studie hin, die die Waldbrände des vergangenen Jahres analysiert. Die Umweltschützer warnen davor, dass die Rekordfeuer in 2019, wie am nördlichen Polarkreis, in Australien oder im Amazonas, in Zukunft nicht mehr als seltene Extremereignisse gelten könnten, sondern zur neuen Normalität würden. Mit verheerenden Folgen: Die Brände bedrohen Menschenleben und zerstören Lebensräume unzähliger Tier- und Pflanzenarten. Zusätzlich heizt die Waldzerstörung ihrerseits die Erderhitzung zusätzlich an, so der WWF. Rund 7,8 Milliarden Tonnen Kohlendioxid wurden durch Waldbrände in 2019 ausgestoßen – zusätzlich zu rund 33 Milliarden Tonnen energiebedingter CO2-Emissionen. Auch in Deutschland wüteten 2019 extreme Brände: Über 2.700 Hektar Wald gingen verloren und damit mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der vergangenen rund 30 Jahre.

„Wir haben es weltweit immer häufiger mit verheerenden Megafeuern zu tun, die riesige Waldflächen erfassen und kaum oder gar nicht zu löschen sind. Der Planet steht buchstäblich in Flammen“, warnt Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF Deutschland. Die besondere Gefahrenlage beschreibt der WWF mit der Wechselwirkung von Erderhitzung und Waldbränden: Die Kombination aus langanhaltender Hitzewelle und Dürre, also niedriger Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit einer leicht entflammbaren Vegetation, führe zu sich schnell ausbreitenden Bränden. „Waldbrände und Klimakrise schaukeln sich gegenseitig hoch. Die Erderhitzung führt zu heftigeren Waldbränden und die Waldbrände heizen ihrerseits die Erderhitzung an“, so Susanne Winter.

Auch die Waldbrandperioden haben sich laut WWF vielerorts stark verlängert. Das sei etwa der Fall in Australien, das zuletzt von Feuerstürmen von mehr als 1.000°C heimgesucht wurde, in denen Dutzende Menschen und mehr als 1,2 Milliarden Tiere ums Leben kamen. Die Brände im Amazonas oder in Asien hätten einen klaren sozioökonomischen Hintergrund. Hier spielten vor allem Landnutzungsänderungen eine Rolle wie etwa der Ausbreitung einer nicht-nachhaltigen Landwirtschaft. 75 Prozent der weltweiten Entwaldung seien darauf zurückzuführen. Immer tiefer im Wald, auch an Orten, die von Bränden bislang weitgehend verschont blieben, wüteten mittlerweile extreme Feuer. Am nördlichen Polarkreis, wo gerade erst Rekordtemperaturen von 38°C verzeichnet wurden, verbrannten insgesamt 5,5 Millionen Hektar – eine Fläche größer als Niedersachsen. Rund 182 Millionen Tonnen Kohlendioxid wurden dabei freigesetzt. Die Arktis erwärme sich doppelt so schnell wie der Rest des Planeten, wodurch Brände von besonders hoher Intensität entstünden.

Die Analyse des WWF hebt auch den direkten Zusammenhang zwischen Bränden, Entwaldung und Pandemien hervor. Die Zerstörung von Wäldern, insbesondere von Tropenwäldern wie dem Amazonas, führe zu einem immer häufigeren Kontakt von Menschen und Wildtieren, die Erreger in sich tragen. Ausbrüche von Infektionskrankheiten stünden häufig in direktem Zusammenhang mit Waldverlust. Der Schutz der Wälder sei daher auch für die menschliche Gesundheit von höchstem Interesse. Eine intakte Natur sei ein Bollwerk gegen neue Krankheitserreger und Pandemien, so der WWF.

Um der Entwicklung etwas entgegenzusetzen, müsse der Fokus weg von der Brandlöschung hin zur Brandvermeidung, fordern die Umweltschützer: „Wir können den Walderhalt nicht auf Löschmaßnahmen aufbauen. Die neuen Brände sind dafür zu extrem. Stattdessen müssen wir uns mit vollem Einsatz in den Kampf gegen die Klimakrise begeben. Die Bundesregierung muss sich in einem ersten Schritt sofort für ein erhöhtes EU-Klimaschutzziel von mindestens 55 Prozent Treibhausgas-Minderung bis 2030 einsetzen, wissenschaftlich geboten wären eigentlich sogar 65 Prozent. Gleichzeitig müssen wir die durch unseren Konsum bedingte Entwaldung stoppen. Das gilt speziell für die Tropenwälder, die besonders viele Klimagase speichern. Nur so können wir den Teufelskreis aus Erderhitzung und Waldzerstörung stoppen“, sagt Susanne Winter vom WWF.

Nach zwei überdurchschnittlichen Feuerjahren in Deutschland fordert der WWF auch ein Umdenken von Forstwirtschaft und -politik. Mit stetig zunehmender Trockenheit drohe dem Wald auch hierzulande der Burnout. Immer noch zu häufig stünden naturferne Nadelbaumforste an trockenen Standorten, wo sie besonders anfällig für Brände seien und die Folgen der Klimakrise zusätzlich verschärften. Verschlimmert werde die Situation durch die künstlich herbeigeführte Entwässerung vieler Wälder, etwa durch Entwässerungsgräben. Der WWF fordert daher eine umfassende Förderung von Laubmischwäldern, wie sie natürlicherweise in Deutschland vorkommen und eine naturnahe Waldwirtschaft inklusive Maßnahmen zum Wasserrückhalt. Laubmischwälder erhöhen den Grundwasserspiegel, sorgen für ein kühleres Waldklima und beugen Bränden vor, so die Umweltschützer.

Ausgewählte Fakten aus der Studie:
  • Europa: Europa „mediterranisiert“ sich zunehmend. Große Waldbrände sind nicht mehr die Ausnahme, sondern die Norm, selbst in den gemäßigten Klimazonen, wo insbesondere angepflanzte Kiefernforste brennen.
  • Nördlicher Polarkreis: die Brände erwärmen den Permafrostboden, der dadurch noch schneller auftaut. Darin gebundenes CO2 und Methan wird freigesetzt, was wiederum zu einer weiteren Erwärmung führt.
  • Südostasien: 99 Prozent der Brände sind menschlichen Ursprungs und stehen im Zusammenhang mit Entwaldungsprozessen und Veränderungen in der Landnutzung für Palmöl, Papier und Zellstoff.
  • Zentralafrika: 70 Prozent der Brände weltweit konzentrieren sich auf dem afrikanischen Kontinent.
  • Kalifornien: Fast 100.00 Hektar wurden in 2019 verwüstet, mehr als 200.000 Menschen mussten evakuiert werden.
  • Australien: Mehr als zwölf Millionen Hektar brannten innerhalb von vier Monaten ab, mit einer großen Zahl von Todesopfern und enormen Umweltschäden. In einem der heißesten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen wurden neben Steppe und Grasland auch Wälder der normalerweise feuchteren gemäßigten und subtropischen Region großflächig verbrannt.



Weltweite Waldbrände

Ob Norden oder Süden – auf der Welt lodern erneut großflächig Waldbrände, die nicht oder nicht ausreichend bekämpft werden. Zum Beispiel in Brasilien und Russland.

Von Lena Hollender, Greenpeace-Online, 7.7.20

2019 erschrak die internationale Gemeinschaft über großflächige Waldbrände weltweit, und dieses Jahr kann es noch schlimmer kommen. In Ländern wie Russland und Brasilien stehen bereits wieder riesige Gebiete in Flammen. Das Amazonasbecken verzeichnet hierbei ein trauriges Hoch: 2248 über Satellit identifizierte sogenannte Feuer-Hotspots, die höchste Zahl im Vergleich zum selben Monat seit 2007. Im Juni 2019 waren es 1880 Hotspots, das bedeutet eine Steigerung um fast 20 Prozent.

Amazonasbecken brennt wie lange nicht

Mit dem Beginn der Trockenzeit ist damit das Bild in der Amazonasregion in vielerlei Hinsicht noch katastrophaler als 2019. „Diese Brände sind kein Unfall“, sagt Rômulo Batista, der sich bei Greenpeace Brasilien für Amazonien einsetzt. „Brasiliens Präsident, Jair Bolsonaro, hat die Landwirtschaft ermutigt, das Amazonasgebiet weiter auszubeuten. Während der Covid-19-Pandemie hat die Abholzung der Wälder stark zugenommen. Brände werden absichtlich gelegt, um Land, insbesondere für die industrielle Landwirtschaft, zu roden.“

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben kürzlich ihre bisher schärfste Warnung ausgesprochen, dass sich der Amazonas dem Kipppunkt nähert, ab dem er großflächig versteppen würde. Dies würde Millionen wildlebender Tierarten auslöschen – zahlreiche davon bisher noch unentdeckt. Zudem würde es die Existenz indigener Gruppen bedrohen, die bereits mit vielen Problemen kämpfen, darunter jetzt auch Covid-19.

Greenpeace fordert daher von der Europäischen Kommission noch in diesem Jahr einen Gesetzesvorschlag für waldzerstörungsfreie Lieferketten. Es muss sichergestellt werden, dass Produkte wie Soja, Rindfleisch, Palmöl und Kakao nur dann auf die europäischen Märkte gelangen können, wenn in der Herstellung Menschen und Umwelt geachtet werden. Was aktuell in Brasilien geschieht, ist ein deutliches Signal dafür, wie wichtig eine gesetzliche Verpflichtung ist. Gleichermaßen fordert Greenpeace, dass der Abschluss des EU-Mercosur Handelsabkommen gestoppt wird. Der Deal mit dem rechtsradikalen Bolsonaro würde Zölle auf die Produkte senken, für die in Brasilien großflächig der Regenwald zerstört wird.

Schlechte Nachrichten auch aus Sibirien

Brasilien ist nicht das einzige Land, in dem die verheerenden Brände von 2019 sogar noch getoppt werden könnten. Auch aus Russland, wo es 2019 ebenfalls heftig brannte, gibt es erneut schlechte Nachrichten: Die sommerliche Trockensaison begann auch hier mit starker Zunahme der von Waldbränden betroffenen Gebiete. Hauptsächlich wüten die Brände in Kiefern- und Lärchenwäldern, in denen Tiere wie Bären, Wölfe und Luchse ihre Heimat haben. Die Gesamtfläche erreicht derzeit 3,2 Millionen Hektar, das entspricht der Größe von Slowenien. In der Mehrzahl sind Wälder im entlegenen östlichen Russland und in Sibirien betroffen. Auslöser für die Brände ist eine Hitzewelle in Kombination mit Trockenheit, wodurch sich die Vegetation leichter entflammt. Am 20. Juni wurden in der sibirischen Stadt Werchowjansk, eigentlich eine der kältesten Städte der Erde, 37 Grad Celsius gemessen und damit sämtliche Hitzerekorde gebrochen.

Die abgelegenen Gebiete sind schwer zu erreichen und die meisten Brände werden gar nicht erst bekämpft – mit der Begründung, dass der Eingriff sehr aufwändig und teuer wäre. Greenpeace und andere Organisationen sind in Russland zwar aktiv, um Brände zu verhindern und zu bekämpfen. Aber dort, wo Menschen und Ausrüstung meist per Flugzeug angeliefert werden müssen, können die fehlenden staatlichen Stellen nicht ersetzt werden.


Der Zorn des Klimaforschers

Manchmal muss die Wut wohl einfach raus: Klimaforscher Mojib Latif hat ein Buch geschrieben, in dem neben seiner Expertise viel Zorn steckt. Darüber, dass die Politik immer noch nicht entschieden gegen die Klimakrise vorgeht. Ein beeindruckendes Plädoyer.

Von Günther Wessel, Deutschlandfunk Kultur, 18.7.20

https://www.deutschlandfunkkultur.de/mojib-latif-heisszeit-der-zorn-des-klimaforschers.1270.de.html?dram:article_id=480745




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