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Aktuell

Wölfe in Deutschland

105 Wolfsrudel in Deutschland

WWF sieht Bund und Länder in der Pflicht: „Nachbarschaft braucht konsequenten Herdenschutz und mehr Unterstützung für Tierhalter.“

WWF Pressemitteilung, 2.12.19

Aktuell sind in Deutschland 105 Wolfsrudel bestätigt. Das geht aus einer Erhebung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hervor, die am Montag in Berlin vorgelegt wurde. Hierzu erklärt Moritz Klose, Wildtierexperte beim WWF:

„Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland ist eine Bereicherung für unsere heimische Artenvielfalt – und zugleich eine Herausforderung. Schein-Debatten um No-Go-Areas für Wölfe, Wolfshatzen und Obergrenzen täuschen über die wahren Probleme hinweg. Das geht nicht nur zulasten des Wolfes, sondern auch zulasten von Schäfern und Nutztierhaltern. Für eine funktionierende Nachbarschaft von Wolf, Mensch und Weidetier braucht es insbesondere flächendeckenden Herdenschutz. Wir brauchen Prävention, Beratungsangebote für betroffene Nutzergruppen und eine schnelle, unbürokratische Kompensation von Wolfsübergriffen auf Weidetiere. Um die von der Rückkehr der Wölfe betroffenen Weidetierhalter nicht im Regen stehen zu lassen, braucht es eine kostendeckende staatliche Förderung, die auch laufende Unterhaltskosten, etwa für Herdenschutzhunde, umfasst.

Hintergrund: Früher lebte der Wolf ganz selbstverständlich in unseren Wäldern. Dann wurde er brutal ausgerottet. Nun kehrt der Wolf als natürlicher Bewohner und wichtiger Teil unseres Ökosystems zurück. Seine Rückkehr ist ein großer Erfolg für den Artenschutz, bedeutet aber auch eine Herausforderung, zum Beispiel für Landwirte und Nutztierhalter. Um das Zusammenleben mit großen Beutegreifern durch Kommunikation, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und den Austausch von Wissen zu verbessern hat der WWF das Projekt „Euro Large Carnivores“ mit 16 Partnerorganisationen in ganz Europa ins Leben gerufen: www.eurolargecarnivores.eu Vom 21.–23. Januar 2020 richten die Projektpartner die Konferenz „Herdenschutz im Alpenraum“ in Salzburg aus. Die Veranstaltung bietet Ihnen eine gute Möglichkeit, sich mit verschiedensten Fachexpertinnen und Fachexperten und Praktikerinnen und Praktikern aus dem In- und Ausland auszutauschen und sich über die neuesten Erkenntnisse beim Herdenschutz, Projekte sowie Fördermöglichkeiten in Europa zu informieren.


Mehr Wölfe, mehr Herdenschutz

BUND Pressemitteilung, 2.12.19

Berlin. Die Wolfsbestände wachsen, dies zeigen die neuen Zahlen des Bundesamts für Naturschutz, die heute veröffentlicht wurden. Insgesamt 105 Rudel, 25 Paare und 13 sesshafte Einzeltiere durchstreifen vor allem Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen, aber auch andere Bundesländer. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bewertet diese Entwicklung positiv, warnt jedoch vor falschen Rückschlüssen. "Die Entwicklung der Wolfsbestände ist ein gutes Zeichen", erklärt Magnus Wessel, Leiter der Naturschutzpolitik des BUND. "Mit rund 273 erwachsenen Wölfen ist die Art in Deutschland aber noch immer weit von einem günstigen Erhaltungszustand von 1.000 erwachsenen Tieren entfernt. Das bestätigt auch der kürzlich veröffentlichte FFH-Bericht der EU."

Betroffen von der Rückkehr der Wölfe sind vor allem Weidetierhaltende, und da hauptsächlich Schäfereien. "Statt weiter Öl ins Feuer zu gießen und Meinungsmache zulasten der Wölfe zu betreiben, sollte sich die Politik endlich auf konstruktive Lösungsansätze fokussieren, die den Betrieben wirklich helfen – der Herdenschutz steht dabei an erster Stelle", so Wessel weiter. Neben der vollständigen Erstattung der Kosten von Elektrozäunen und gegebenenfalls Herdenschutzhunden muss auch die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Weidetierhaltenden im Vordergrund stehen. Wessel: "Vielen Schäferinnen und Schäfer steht das Wasser schon seit Jahren wirtschaftlich bis zum Hals – auch ganz ohne Wölfe. Deshalb braucht es endlich deutlich bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Weidetierhaltung, um diese ökologisch wertvolle Form der Landnutzung zukunftsfähig zu machen."

Mit Blick auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, der erst kürzlich klargestellt hat, dass die Tötung von Wölfen nur in klar belegten Ausnahmesituationen zulässig ist, kritisiert der BUND die lauter werdenden Stimmen für den pauschalen Abschuss von Wölfen. "Forderungen nach präventiven Abschüssen ganzer Rudel, nach wahllosen Quotenjagden und wolfsfreien Zonen, haben damit einen klaren Dämpfer erhalten", so der Artenschutzexperte des BUND. "Der wahllose Abschuss von Wölfen ist kein Ersatz für Herdenschutz, mit EU-Recht unvereinbar und zudem unwirksam, da jederzeit neue Wölfe einwandern können." Tatsächlich problematische Wölfe könnten auch nach heutiger Rechtslage bereits getötet werden. Daher sind auch Änderungen der Gesetzeslage nicht zielführend. Wessel abschließend: "Die vorgeschlagene Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes muss vom Tisch. Wir fordern Bundesumweltministerin Svenja Schulze auf, den Vorschlag zurückzuziehen und diesen Dammbruch im Artenschutz zu verhindern. Ein Gesetz, das zum Ziel hat, die Tötung von Wölfen, aber auch von allen anderen geschützten Tieren, zu erleichtern, ist das Gegenteil von dem, was wir angesichts des Artensterbens brauchen."


NABU zu den aktuellen Wolfszahlen: Frühzeitig um den Herdenschutz kümmern

Miller: Schäferei braucht Unterstützung

NABU Pressemitteilung, 2.12.19

Berlin – Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat die aktuellen Wolfszahlen veröffentlicht. Insgesamt leben 105 Wolfsrudel, 25 Paare und 13 Einzeltiere in Deutschland. Der NABU begrüßt diese Entwicklung, die aus biologischer Sicht völlig normal ist. Sie zeigt, dass es auch für einst ausgerottete heimische Tierarten in unserer Kulturlandschaft genügend Lebensraum gibt. Wölfe benötigen keine menschenleere Wildnis, sondern Rückzugsräume für die Aufzucht ihrer Jungen sowie genügend Beute. Bei der hohen Wilddichte in Deutschland ist ein jährlicher Zuwachs der Wolfspopulation um etwa ein Drittel üblich.

Die Rudel konzentrieren sich nach wie vor in den bewährten Wolfsregionen Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Neben Thüringen und Bayern wurden nun ebenfalls in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein territoriale Einzelwölfe bestätigt. Es zeigt, dass die Wölfe sich viele neue Lebensräume erschließen und die Ausbreitung Richtung Südwesten verdeutlicht, dass Wölfe in jedem Flächenbundesland einen passenden Lebensraum finden können. Der NABU plädiert deshalb auch an die Länder mit Einzelwölfen, rechtzeitig die Weichen für angemessene Fördermaßnahmen zu stellen.

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Ein Zusammenleben von Wölfen, Menschen und Weidetieren ist möglich, wenn der Herdenschutz funktioniert. Das kann in alten Wolfsregionen bei vielen Betrieben beobachtet werden. Guter Herdenschutz muss erst wieder erlernt werden, er ist eine zusätzliche zeitliche und finanzielle Herausforderung für Schäferinnen und Schäfer. Für die gesellschaftlich anerkannten Leistungen sollte die Schäferei mit ausreichend finanziellen Hilfen unterstützt werden. Eine Weidetierprämie wäre eine erste sinnvolle Maßnahme.“

Erneut ist die Zahl der Totfunde gestiegen. Insgesamt 83 Wölfe wurden durch den Verkehr getötet. Der NABU plädiert deshalb an alle Autofahrerinnen und Autofahrer, Geschwindigkeitsgrenzen zu wahren und besonders in der Dämmerung vorsichtiger zu fahren. So ließen sich viele Wildunfälle verhindern. Auch die Zahl der illegal getöteten Wölfe ist erneut gewachsen. Acht Mal wurde im vergangenen Monitoringjahr eine Straftat begangen. Der NABU fordert die Länder auf, mehr Kapazitäten in die Ermittlungen zu Wildtierkriminalität zu stecken. „Das Töten eines geschützten Wildtieres ist kein Kavaliersdelikt“, so Miller.




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