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Aktuell

Greenpeace und WWF zu Indonesiens Waldbränden

Verbrannte Erde

Auch angeblich „nachhaltig“ produzierende Palmölfirmen fachen die Brände in Indonesien an, das zeigt ein neuer Greenpeace-Report. Wirtschaft und Regierung müssen jetzt handeln.

Von Michael Weiland, Greenpeace-Online, 19.11.15

Die Feuer in Indonesien zeigen: Das Land benötigt dringend eine wirklich nachhaltige Strategie für den Palmölanbau, die endlich Rücksicht auf Wald und Menschen nimmt. Mit der bloßen Verpflichtung der Produzenten, keine weiteren Regenwälder für den Rohstoff zu opfern, ist es nicht getan.

Denn ein aktueller Greenpeace-Report bringt die hässliche Wahrheit ans Licht: Selbst jene Firmen, die sich zu gewissen Nachhaltigkeitskriterien verpflichtet haben, sind nachweislich an Entwaldung und der Trockenlegung von Torfmooren beteiligt – Umweltverbrechen, die das beispiellose Ausmaß der Katastrophe erst ermöglicht haben.

Greenpeace-Rechercheure untersuchten drei Plantagen in West- und Zentralkalimantan und stellten fest, dass in allen Fällen Rodungen und Entwässerungen den verheerenden Feuern vorausgingen. Besonders brisant: Diese Plantagen liefern über Händler wie Wilmar, Golden Agri Resources (GAR) and IOI an Abnehmer, die sich dazu verpflichtet haben, Palmöl aus Regenwaldzerstörung aus ihren Lieferketten zu verbannen. Dazu gehören große Konsumgüterhersteller wie Unilever, Nestlé, Procter & Gamble, L'Òreal, Mars und Kellogg's. Können sie ihren Kunden derzeit garantieren, dass ihr Palmöl nicht aus Regenwald- und Torfmoorzerstörung stammt? Wohl kaum.

„Nachhaltige“ Firmen unter Druck

Zwei der Plantagen stehen mit der IOI-Gruppe in Verbindung, die Mitglied des Runden Tischs für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) ist. Greenpeace kritisiert die Kriterien des RSPO als deutlich zu schwach. Selbst gegen diese laschen Kriterien verstoßen Unternehmen, wie die Greenpeace-Recherchen nun abermals zeigen.

Die dritte untersuchte Plantage gehört der Alas-Kusuma-Gruppe – Tochterfirmen der Konzerngruppe sind durch den Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert. Der FSC setzt sich für eine ökologisch nachhaltige, sozial förderlich und ökonomisch rentable Forstwirtschaft ein. Als Mitglied des FSC arbeitet Greenpeace aktiv daran mit, das FSC-Zertifizierungssystem stets zu verbessern. Greenpeace fordert sowohl den RSPO als auch den FSC auf, den Vorwürfen gegen die Konzerne dringend nachzugehen und Konsequenzen zu ziehen.

Das Debakel ist symptomatisch für die undurchsichtige Situation in Indonesien – wer wo Palmöl anbaut, ist längst nicht so klar, wie man vermuten sollte. Greenpeace fordert seit langem, dass sämtliche Firmen Karten ihrer Anbaugebiete öffentlich machen, damit eindeutig klar ist, wer für welche Umweltschäden verantwortlich ist und damit zur Rechenschaft gezogen werden kann. Die indonesische Regierung muss Transparenz über Konzessionsdaten ebenfalls einfordern und unterstützen – und nicht behindern, wie es derzeit der Fall ist.

Bislang abgeholzt: eine Fläche, fast so groß wie Deutschland

Annisa Rahmawati, Wald-Expertin von Greenpeace Südostasien, zeichnet ein düsteres Bild der bereits angerichteten Schäden: „In wenigen Jahrzehnten ist mehr als ein Viertel der indonesischen Wälder abgeholzt worden.“ Zwischen 1990 und 2013 wurden rund 31 Millionen Hektar Wald zerstört – eine Fläche fast so groß wie Deutschland. In den vergangenen 25 Jahren hat sich Indonesiens Palmölproduktion nahezu versechsfacht, das Land ist mittlerweile Marktführer. Allerdings auch in Sachen Waldzerstörung: Indonesien hat Brasilien den traurigen Rekord als Entwaldungsweltmeister abgeknöpft.

Maßnahmen der Regierung müssen die Verantwortlichen nun packen, wo es wehtut: Wer weiterhin Regenwald abholzt und Torfmoore trockenlegt, muss vom Markt ausgeschlossen werden. Greenpeace fordert zudem: Gerodete Flächen müssen wieder aufgeforstet, Torfmoore wiedervernässt und Verbote strikt durchgesetzt werden. „Wir brauchen Taten, keine heiße Luft“, so Rahmawati. „Andernfalls setzt sich die Zerstörung fort, bis keine Regenwälder mehr übrig sind.“

Unsere Verantwortung: Palmöl-Verbrauch senken

Auch die Abnehmerländer stehen in der Pflicht. Alleine Deutschland zählt mit jährlich rund 1,4 Millionen Tonnen zu den größten Palmöl-Verbrauchern Europas. Nicht nur für Kosmetik und Lebensmittel: Der Palmöl-Verbrauch in der EU hat sich in den letzten Jahren erhöht, vor allem für den Einsatz als sogenannter „Biosprit“. Er stieg zwischen 2006 und 2012 um 365 Prozent von 402.000 Tonnen auf 1,87 Millionen Tonnen.

Doch Biosprit hat meist sogar eine noch schlechtere Klimabilanz als fossiler Kraftstoff – und erhöht durch die künstlich geschaffene Nachfrage den Druck auf Ökosysteme wie Wälder. Da Palmöl das weltweit billigste Pflanzenöl ist, landet es auch hierzulande immer häufiger in der Dieselbeimischung, wie Greenpeace-Tests zeigten.

Statt den Palmölverbrauch also weiter anzukurbeln, müssen sich Politik und Wirtschaft dafür einsetzen, Deutschlands „Palmölfußabdruck“ zu senken. Reiche Industrieländer wie Deutschland müssen mit gutem Beispiel vorangehen und dürfen Scheinlösungen wie Biosprit nicht als „Klimaschutzmaßnahmen“ exportieren.


Indonesien geht in Rauch auf

WWF-Bericht: Brände vernichten mind. 1,7 Mio. Hektar Wald
Schwere Folgen für Klimaschutz, Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft


WWF Pressemitteilung, 19.11.15

Die diesjährigen Waldbrände in Indonesien zählen zu den schlimmsten, die das Land in den letzten Jahrzehnten erlebt hat. Dieses Fazit zieht der WWF in einem aktuellen Bericht. Mindestens 1,7 Millionen Hektar Wald seien seit Juni bislang in dem südostasiatischen Staat vernichtet worden, was etwas mehr als der Fläche Thüringens entspricht. Die Konsequenzen für den Klimaschutz seien fatal: Allein die Feuer hätten Treibhausgasemissionen von rund 1,7 Milliarden Tonnen produziert – fast das Doppelte des gesamten jährlichen Ausstoßes Deutschlands. Als Folge sei Indonesien nach China, den USA und Indien nun das Land mit den vierthöchsten CO2-Emissionen der Erde. Kurz vor der Klimakonferenz in Paris stehe die Regierung international unter Druck.

„Die Waldbrände in Indonesien sind eine menschengemachte Umweltkatastrophe“, so Yougha von Laer, Referentin für Wald und Klima beim WWF Deutschland. „Die wiederkehrenden Feuer entwickeln sich zu einer immer größeren Bedrohung für Mensch und Natur und das weit über die Grenzen des Landes hinaus.“

Die Folgen für den Artenschutz lassen sich nach Angaben des WWF noch nicht beziffern. Fest stehe jedoch, dass ein großer Teil der Feuer in Lebensräumen bedrohter Tierarten wie Orang-Utan, Asiatischem Elefant, Tiger und Nashorn wüteten. In der Provinz Kalimantan auf der Insel Borneo seien die Habitate der Orang-Utans schwer betroffen, darunter auch viele Nationalparks. Die Population der Menschenaffen wird auf Borneo auf weniger als 50.000 Individuen geschätzt. Auch die direkten gesundheitlichen Schäden für Menschen seien immens. Über 40 Millionen Personen waren dem Rauch in Indonesien ausgesetzt, über eine halbe Million erlitten schwere Atemwegserkrankungen, mindestens zehn Menschen starben.

Die Ursachen für die zunehmenden Waldbrände seien in Indonesien selbst, aber auch in der Entwicklung globaler Märkte zu finden. Rohstoffe wie Zellstoff, Palmöl oder Kautschuk, für deren Produktion auf riesigen Plantagen die indonesischen Wälder weichen müssten, seien weltweite Handelsprodukte und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Inselstaat. Rund 30 Prozent der Brände in 2015 sind laut WWF auf Zellstoff- und Holzplantagen entdeckt worden, weitere zehn Prozent in Palmölkonzessionen. In der Landwirtschaft werde Feuer illegal eingesetzt, um bereits genutzte Flächen von Pflanzenresten zu befreien, aber auch um neue Gebiete für den Anbau zu gewinnen. Diese Brände gerieten dann häufig außer Kontrolle.

Hinter den Brandstiftern steckten häufig Großkonzerne wie etwa Asia Pulp and Paper (APP), einer der weltgrößten Papier- und Zellstoffproduzenten, oder der Palmöl-Gigant Wilmar. „Allein auf der Insel Sumatra befanden sich 39 Prozent aller Brände auf Konzessionen von APP“, kritisiert Yougha von Laer. „Die indonesische Regierung muss endlich an der Wurzel des Problems ansetzen und die Schuldigen bestrafen.“ Haupthindernis für eine effektive Kontrolle der Brände und die Verfolgung der Verursacher seien das schwache Justizsystem und die grassierende Korruption. Sanktionen gegen Plantagenbetreiber gebe es kaum.

Wichtig für die Vermeidung zukünftiger Brände sei auch ein verbesserter Landnutzungsplan. Unklare Besitzverhältnisse und Vorschriften führten häufig zu Konflikten, die sich dann in Brandschatzungen äußerten. Das Ziel müsse darin bestehen, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Land- und Forstwirtschaft, besiedelten Flächen und Naturschutzgebieten zu erreichen. Bislang erschwerten die mangelhafte Rechtsdurchsetzung und die Korruption jedoch jeden Versuch, die Ursachen der Waldbrände an den Wurzeln zu bekämpfen.

WWF-Referentin von Laer hofft daher auch auf Signale von außerhalb: „Wir brauchen internationalen Druck, um die Regierung zum Handeln zu bewegen. Die Staatengemeinschaft muss Indonesien klarmachen, dass sie entschieden gegen die Waldbrände vorgehen muss. Aber auch Unternehmen stehen in der Verantwortung. Sie sollten genau überprüfen, woher ihre Ressourcen stammen und ihren Handelspartnern klarmachen, dass sie keine Umweltverbrechen tolerieren.“




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