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Prozessschutz


(Diez, Nationalpark Bayerischer Wald)

Prozessschutz

"Ein grundlegender Widerspruch des Naturschutzes ist, dass wir zu erhalten versuchen, was sich ändern muss. Natur ist keineswegs in einem "Gleichgewichtszustand", sondern unterliegt permanenten Veränderungen. Alle Veränderungen der Natur, Lebensäußerungen von Organismen und Beziehungen zwischen Organismen und ihrer Umwelt sind Prozesse. Prozessschutz schützt deshalb nicht nur das Inventar von Natur und Landschaft, sondern auch dessen Funktionieren. In Prozessschutz-Gebieten lässt der Mensch das eigendynamische Ablaufen aller natürlichen Prozesse zu, ohne selbst aktiv einzugreifen."(Quelle)

Im Alltag sind statische Denkkonzepte immer noch vorherrschend und dynamische Konzepte immer noch ungewohnt. Auch im Naturschutz und der Forstwissenschaft tut man sich noch schwer, die Biodiversität der biologischen Prozesse im Wald zu sehen und als schützenswert zu erkennen. Die Diskussion darüber begann Anfang der 90er Jahre. Während in Nationalparks das Konzept des Prozessschutzes unter dem Motto "Die Natur Natur sein lassen" schnell Bestandteil der offiziellen Politik wurde (Beispiel NP Harz und NP Wattenmeer), wird es in der Forstwirtschaft bis heute heftig bekämpft.

Der wohl prominenteste Befürworter des Prozessschutzes in der deutschen Forstwirtschaft ist Knut Sturm. In seinen Artikeln zu Prozessschutz und einen Wald ohne Förster beschreibt er, wie eine Forstwirtschaft aussehen könnte, die die natürlichen Dynamiken schützt und sogar ausnutzt. Das Konzept wurde zuerst im Stadtforstamt Lübeck umgesetzt, wo mit Dr. Lutz Fähser ein weiterer prominenter Vertreter des Prozessschutzes gewonnen werden konnte. Die Umweltverbände nahmen dieses Positivbeispiel auf und fanden mit Naturland einen Zertifikator (mittlerweile vom FSC anerkannt) für diese Form der ökologischen Waldnutzung. Diese Bewirtschaftungsform schnitt auch im Vergleich zu anderen gut ab. Das Buch "Naturschutz im Wald" von Wolfgang Scherzinger gibt weitere Intergrunginformationen.

Auch in anderen Ländern entwickelten sich unabhängig Waldnutzungskonzepte, die Rücksicht auf die Prozesse im Ökosystem Wald nehmen. Ein einflussreiches Beispiel ist die ganzheitliche Waldnutzung von Herb Hammond, nachzulesen in seinem Buch Seeing the Forest Among the Trees. Zwei Beispiele für ökologische Waldnutzung im Regenwald finden Sie hier.
 

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