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Natur- und Klimaschutz im Wald

Natur- und Klimaschutz im Wald

Göttinger Forscher untersuchen ökologische Bedeutung von Naturwäldern im „Brockenurwald“

Georg-August-Universität Göttingen Pressemitteilung, 5.3.13

(pug) Alte und zerfallende Bäume im Wald spielen eine wichtige Rolle für Natur- und Klimaschutz. Das haben Wissenschaftler der Universität Göttingen anhand einer Studie im „Brockenurwald“ im Harz gezeigt. Die Forscher verglichen Waldstücke mit sehr alten und absterbenden Bäumen mit jüngeren Stadien, wie sie auch in bewirtschafteten Wäldern vorkommen. Waldstadien mit alten Bäumen und Totholz wiesen eine deutlich höhere Artenvielfalt auf – nicht so sehr am Waldboden, aber durch Moose und Flechten, die auf den lebenden und toten Baumstämmen wachsen. Darüber hinaus ist in Waldstücken mit altem Bestand sehr viel mehr Kohlenstoff in der Biomasse und im Boden eingelagert – ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

„Je mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre in der Vegetation und im Boden gebunden wird, desto stärker wirkt der Wald der vom Menschen verursachten Erwärmung der Erdatmosphäre entgegen“, erläutert Dr. Mascha Jacob von der Abteilung Pflanzenökologie und Ökosystemforschung der Universität Göttingen. Während fast alle Wälder in Mitteleuropa spätestens seit dem Mittelalter von Menschen genutzt werden, konnte sich der „Brockenurwald“ im Harz lange Zeit ungestört entwickeln. „Aufgrund seiner schwer zugänglichen Lage entging der Wald unterhalb des Brockengipfels viele Jahrhunderte der Holznutzung“, so Dr. Jacob.

Nach Ansicht der Wissenschaftler belegen die Ergebnisse der Untersuchungen eindeutig, wie wichtig es ist, ökonomisch wertlose alternde Bäume zu erhalten. „Die Forstämter stecken in einem Dilemma“, so Prof. Dr. Markus Hauck, der die Untersuchungen im Harz zusammen mit Dr. Jacob durchführte. „Einerseits sollen sie wirtschaftlich arbeiten und die Versorgung mit dem Rohstoff Holz sichern. Andererseits wollen sie einen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz leisten, der aber den wirtschaftlichen Ertrag reduziert. Daher ist es besonders wichtig, den Nutzen von alten und toten Bäumen ohne ökonomischen Wert wissenschaftlich zu untermauern.“ Die Studie wurde drei Jahre lang von der Stemmler-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert.


NABU stellt Fachbeiträge zum Nationalpark Schwarzwald vor

Renommierte Wissenschaftler schreiben zu Naturschutz, Recht und Waldbau

NABU Pressemitteilung, 7.3.13

Stuttgart – Der NABU Baden-Württemberg hat eine neue Broschüre vorgestellt, die sechs Beiträge renommierter Wissenschaftler zum geplanten Nationalpark im Nordschwarzwald enthält. Im Fokus steht dabei die Frage, welche Auswirkungen das Großschutzgebiet für die Natur und speziell für die biologische Vielfalt hätte. „Wir alle warten gespannt auf das große Gutachten des Landes zum Nationalpark. Da von verschiedenen Seiten jedoch immer wieder 'Studien' und 'Gutachten' ins Feld geführt werden, die vom wissenschaftlichen Standpunkt äußert fragwürdig sind, haben wir führende Wissenschaftler um ihre Expertise gebeten“, erklärte der Vorsitzende des NABU Baden-Württemberg, Dr. Andre Baumann bei der Vorstellung der Broschüre am heutigen Donnerstag in Stuttgart.

Mit Prof. Dr. Dr. h.c. Harald Plachter, Prof. Dr. Hans-Dieter Knapp und dem Träger des alternativen Nobelpreises Prof. Dr. Michael Succow haben auch drei international anerkannte Koryphäen der Naturschutzforschung ihr Fachwissen eingebracht. Sie beschreiben, welchen Stellenwert Wildnis, Prozessschutz, natürliche Dynamik und die Ausbildung eines „Lebensraum-Mosaiks“ aus alten und jungen, lichten und dunklen Wäldern für die Erhaltung der Biodiversität in Deutschland und weltweit einnimmt – Begriffe, die untrennbar mit Nationalparken verbunden sind.

Artenvielfalt braucht große Prozessschutzflächen

Zentral für den NABU als größter Naturschutzverband des Landes ist die Frage, ob der Nationalpark sich positiv auf die biologische Vielfalt auswirken würde. „So paradox das auch klingt: Von einigen Forstwirtschaftlern wird selbst das vehement bestritten“, sagte Baumann. Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Dr. Marc Förschler entziehe mit ihrem Beitrag diesen Gerüchten endgültig die Grundlage. Der Befund ist eindeutig: Unbewirtschaftete Waldflächen in Europa und in Deutschland sind insgesamt artenreicher als Wirtschaftswälder (Seite 21). Zentral sei dabei auch, dass eine große Fläche aus der Nutzung genommen wird, wie es mit dem Nationalpark geplant ist. Mehrere kleine Flächen hätten nicht den gleichen Effekt: Als Faustregel gelte, dass eine Verzehnfachung der Reservatsfläche etwa eine Verdoppelung der Artenzahl zur Folge habe (Seite 15).

In einem Nationalpark finden viele Tier- Pilz- und Pflanzenarten einen Lebensraum, die im Wirtschaftswald kaum Überlebenschancen haben. Förschler erklärt das auch damit, dass 20 bis 50 Prozent der heimischen Arten auf alte und uralte Wälder angewiesen sind, in denen Bäume zerfallen dürfen (Seite 21). Auf großer Fläche ist das nur im Nationalpark möglich.

Borkenkäfer: Chance für den Wald, Herausforderung für das Management

Zum Thema Borkenkäfer schreibt Prof. Dr. Reinhard Schopf, der als Leiter des Lehrstuhls für Tierökologie der Technischen Universität München zu Borkenkäfern insbesondere in den bayerischen Nationalparks forscht in Zusammenarbeit mit dem NABU-Waldreferenten Johannes Enssle. Sie schätzen die Wahrscheinlichkeit eines Massenbefalls von großen zusammenhängenden Flächen wie im Bayerischen Wald für den Nordschwarzwald als eher unwahrscheinlich ein: „Wie auch die Borkenkäferdynamik im heutigen, rund 500 Hektar großen Bannwald Wilder See zeigt, handelt es sich zwar um fichtenreiche, aber auch mit anderen Baumarten (Tanne, Buche, Eberesche) gemischte, strukturreichere Bestände, welche die Ausbreitungsdynamik im Unterschied zum Nationalpark Bayerischer Wald bremsen.“ (Seite 37).

Zugleich betont Schopf, dass der Borkenkäfer „ein natürlicher Antreiber der Walderneuerung“ sei (Seite 40). Dass Fichten durch den Borkenkäfer zum Absterben gebracht werden, sei ein „natürlicher Vorgang im Zuge der Walderneuerung“ (Seite 38). Dadurch erschließe der Käfer „für andere Arten neue Lebensräume“ (Seite 40). Das Auerhuhn und viele weitere Arten profitierten davon, dass der Käfer dichte Waldbestände auflichte. Um die umliegenden Wirtschaftswälder zu schützen, fordert Schopf ein gewissenhaftes Management der bereits geplanten Pufferzonen, eine Beteiligung der Bewirtschafter des Anrainerwaldes sowie eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, um die Akzeptanz für die nötigen Maßnahmen zu steigern (Seite 38/39).

Waldumbau und Nationalparks im Spiegel der Gesetze

Mit den Fragen des Waldumbaus beschäftigt sich Dr. Volker Späth. Er geht dabei auch auf die Herausforderungen ein, die der Klimawandel für den Schwarzwald mit sich bringt: Die Klimaerwärmung belaste insbesondere die Fichte, während vor allem die Buche in den Höhelagen von den Temperaturerhöhungen profitieren werde (Seite 28). Ein erfolgreicher Umbau und eine Verjüngung des Waldes setzt aus Sicht des Forstexperten jedoch voraus, dass „die Verbissbelastung durch Rothirsch und Reh mit einem geeigneten Schalenwildmanagement reduziert wird, so dass sich Tanne und Buche natürlich (…) verjüngen können.“ (Seite 30). Abschließend stellt Prof. Dr. Andreas Staudacher in seinem Beitrag dar, welche rechtlichen Grundlagen für den Nationalpark relevant sind.

Der NABU versteht seine Broschüre nicht als Vorgriff auf das Gutachten des Landes zum geplanten Nationalpark, das am 8. April vorgestellt werden soll. Vielmehr möchte er der interessierten Öffentlichkeit eine weitere Informationsgrundlage in die Hand geben, um auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Fakten über die Nationalpark-Idee zu diskutieren und umherschwirrenden Gerüchten und Falschaussagen qualifiziert entgegenzutreten.

Die Fachbroschüre kann beim NABU bestellt werden und ist unter www.NationalparkNordschwarzwald.de als PDF abrufbar.


NABU veröffentlicht Forschungsbericht zu ökologischen Vorrangflächen

Tschimpke: Flächen sind Voraussetzung für zukunftsfähige Agrarpolitik

NABU Pressemitteilung, 6.3.13

Berlin – Der NABU hat ein Ende der Blockade- und Verwässerungspolitik gegen die Schaffung von ökologischen Vorrangflächen im Rahmen der künftigen EU-Agrarpolitik gefordert. „Die Vorrangflächen sind die wichtigste und wirkungsvollste Maßnahme zur Ökologisierung der EU-Agrarpolitik. Sie leisten einen zentralen Beitrag für die nachhaltige Sicherung der Produktionsgrundlagen durch den Schutz von Wasser, Boden und Klima – und damit auch für das künftige Einkommen der Landwirtschaft“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Im Rahmen einer aktuellen Untersuchung hat der NABU festgestellt, dass eine landwirtschaftliche Nutzung der Flächen unter klaren ökologischen Vorgaben durchaus möglich ist. Der Gesetzesvorschlag der EU-Kommission zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik sieht vor, dass sieben Prozent der Agrarfläche als ökologische Vorrangflächen ausgewiesen werden sollen. Die Flächen werden von großen Teilen der Agrarwirtschaft und der Politik als vermeintliche „Zwangsbrachen“ abgelehnt. Daher wird derzeit auf europäischer Ebene über eine erhebliche Kürzung des Flächenanteils sowie über großzügige Anrechnungs- und Ausnahmeregelungen diskutiert, die einen wesentlichen Teil der Betriebe von den Vorgaben freistellen sollen.

In einem Forschungsvorhaben für das Bundeslandwirtschaftsministerium hat der NABU Empfehlungen erarbeitet, welche Anbaukulturen unter welchen Bedingungen als Vorrangflächen anerkannt werden könnten. Entscheidend für die ökologische Wirkung der Vorrangflächen sind dabei der Verzicht auf Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie auf Bodenbearbeitung und Ernte im Zeitraum von Mitte April bis Ende Juli. Zu den besonders geeigneten Kulturen gehören der extensive Anbau von Linsen und Lein, von Mischkulturen sowie von Getreide mit weitem Reihenabstand. Auch der Anbau von Esparsette oder Rotklee in Streifenform kann als Vorrangfläche zur Aufwertung von Natur und Umwelt beitragen. „Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Vorrangflächen in den landwirtschaftlichen Betriebsablauf integriert werden können. Wir appellieren an die Agrarpolitiker in Berlin und Brüssel, eine anspruchsvolle Ausgestaltung der Vorrangflächen im Interesse einer naturverträglicheren Landwirtschaft sicherzustellen und die zahlreichen Verwässerungsversuche aufzugeben“, so NABU-Agrarexperte Florian Schöne.

Der Forschungsbericht ist zu finden unter www.nabu.de/vorrangflaechen




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