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Aktuell

EU-Verbot von Bienengift

EU-Kommission setzt Verbot um

Von Beate Steffens, Greenpeace-Online, 24.5.13

Die EU-Kommission ist am Freitag dem Votum der Mitgliedsstaaten gefolgt und hat per Verordnung die Anwendung dreier Neonicotinoide ab dem 1. Dezember 2013 in allen 27 Mitgliedstaaten teilweise verboten. Die Insektengifte stellen eine Gefahr für Bienen dar.

In den kommenden zwei Jahren werden bei Sommergetreide, Mais, Raps, Baumwolle, Sonnenblumen und Kürbissen die Stoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam nicht mehr angewendet werden. Allerdings ist deren Einsatz beim Obst- und Weinbau, bei Karotten, Zwiebeln, Wintergetreide sowie Zuckerrüben weiterhin erlaubt.

"Mit diesem Verbot ist ein erster Schritt für eine bessere Landwirtschaft getan", sagt Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Christiane Huxdorff. "Hiermit wird der Chemie-Industrie ein Riegel vorgeschoben, die versucht hat, die Gefährlichkeit der Neonicotinoide wegzureden."

Die Insektengifte, die nun ab Dezember verboten sind, bergen nachweislich eine Gefahr für das Leben der Bienen. Bereits geringe Mengen der Gifte verursachen neurologische und physiologische Schäden und beeinträchtigen Navigation und Futtersuche.

Greenpeace identifiziert im kürzlich veröffentlichten Report "Bye bye Biene? Das Bienensterben und die Risiken für die Landwirtschaft in Europa" noch vier weitere schädliche Pestizide, die verboten werden sollten.

"Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner muss das Verbot der gefährlichen Bienengifte auf nationaler Ebene sofort und ohne Ausnahmeregelungen umsetzen", fordert Huxdorff. "Der von der Kommission vorgesehene Zeitpunkt Dezember ist zu spät, denn das mit den Giften gebeizte Rapssaatgut kommt bereits im Herbst in den Boden. Bienen sind damit auch im nächsten Jahr noch durch die Gifte gefährdet."


EU bestätigt Bienen-Gefährlichkeit eines weiteren Agrargifts

Von Beate Steffens, Greenpeace-Online, 28.5.13

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat am 27. Mai ihre Bewertung eines Pestizids veröffentlicht, das mit dem dramatischen Bienensterben in Verbindung gebracht wird. Greenpeace hatte schon Ende April das Insektizid Fipronil als dringend aus der landwirtschaftlichen Praxis zu verbannenden Wirkstoff benannt und ein umgehendes Verbot gefordert. Mehr dazu im Greenpeace-Report "Bye bye Biene?"

"Erneut bestätigt die EFSA, wenn auch mit Verzögerung, die lange auf dem Tisch liegenden wissenschaftlichen Fakten: Pestizide haben einen entscheidenden Anteil am Bienensterben und dürfen nicht länger ackerbauliche Standardinstrumente sein", sagt Dirk Zimmermann, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. Fipronil wird in Europa unter anderem zur Beizung von Mais-Saatgut eingesetzt, in Deutschland besteht zur Zeit nur die vorübergehende Genehmigung zur Behandlung von Kartoffeln.

Die EFSA identifiziert in ihrer Bewertung von Fipronil nicht nur akute Risiken sondern auch Wissenslücken sowie chronische Effekte. Fipronil kann Honigbienen nicht nur töten, sondern beeinflusst die Tiere auch in niedrigen Konzentrationen. Derartige "subletale" Effekte, wie sie auch für zahlreiche weitere Pestizide beschrieben werden, sind in der Sicherheitsbewertung lange vernachlässigt worden.

Unlängst setzte die EU-Kommission eine Mehrheitsentscheidung der Mitgliedsstaaten für ein Verbot dreier Bienen-gefährlicher Insektizide aus der Gruppe der sogenannten "Neonicotinoide" um. Die Wirkstoffe werden für zahlreiche Schadwirkungen auf Bienen im nicht-tödlichen Bereich verantwortlich gemacht, so etwa Beeinträchtigungen des Lernvermögens, der Orientierung oder der Entwicklung. "Das Strafregister von Fipronil lässt schaudern und steht dem der populär gewordenen Neonicotinoide in nichts nach", so Zimmermann. "Die Konsequenz kann nur ein schnellstmögliches Verbot sein."

Greenpeace fordert die EU deshalb zu sofortigem Handeln auf. Verbote von Bienen-gefährlichen Insektiziden sind ebenso nötig wie weitere Maßnahmen zum Schutz von Bestäubungsinsekten, zu denen neben Honigbienen zahlreiche wildlebende Insektenarten gehören. Deren Gefährdung spielt in den Bewertungen der EU so gut wie gar keine Rolle.

Die intensive Erforschung der Umweltgefährlichkeit von Agrochemikalien ist eine notwendige Maßnahme. Über die grundsätzliche Gefährlichkeit von Pestiziden besteht aber kein Zweifel. Langfristig kann daher nur die konsequente Umstellung von der aktuell Chemie-basierten industriellen auf eine an ökologischen Prinzipien orientierten Landwirtschaft eine Lösung sein. Gifte wie Fipronil werden seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft eingesetzt, sie reichern sich in der Umwelt zunehmend an und gefährden Umwelt, Artenvielfalt und Grundwasser.

Mit dem am 24. Mai 2013 beschlossenen Verbot der Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam hat die EU nach Ansicht von Greenpeace einen überfälligen ersten Schritt in die richtige Richtung getan, dem weitere folgen müssen. Greenpeace fordert das Verbot weiterer Bienen-gefährlicher Gifte sowie die langfristige Gültigkeit des Moratoriums und dessen umfassende Gültigkeit.

Aktuell gilt das Neonicotinoid-Verbot nur für zwei Jahre, betrifft nicht alle Kulturen, und tritt erst Anfang Dezember 2013 in Kraft. Darüber hinaus verdeutlichen die aktuell diskutierten Fälle, dass die komplette Praxis der Bewertung von Pestiziden auf den Prüfstand gehört.




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