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Aktuell

Hochwasserschutz

Hochwasserschutz immer noch ungenügend

WWF-Studie kritisierte bereits 2007 „egoistischem Hochwasserschutz“ der Kommunen und unzureichende Prävention
WWF warnt vor erneut falscher Mittelverwendung


WWF Pressemitteilung, 5.9.13

Die Umweltschutzorganisation WWF macht für die aktuelle Lage in den Hochwassergebieten auch die Kommunen mitverantwortlich. In den vergangenen Jahren habe man richtigerweise auf bessere Vorhersage, aber weiterhin zu stark auf technischen Hochwasserschutz gesetzt. „Auf kommunaler Ebene herrscht beim Hochwasserschutz vielerorts noch egoistische Kleinstaaterei. Sanierte und erhöhte Deiche mögen im Einzelfall vernünftig sein, doch oftmals wird das Problem nur weiter in die Nachbargemeinden flussabwärts verlagert", kritisiert Georg Rast, WWF-Referent für Wasserbau und Hydrologie. Bereits 2007 hatte der WWF in der Studie die Hochwasserprävention an der Elbe kritisiert. Die Forderung die Gelder an einen nachhaltigen Mitteleinsatz und die entsprechende Verwendung zu koppeln, stieß jedoch auf taube Ohren. Die WWF-Studie zeigte außerdem, dass ein Teil der staatlichen Präventionshilfen sogar in Projekte flossen, bei denen ein Bezug zum Hochwasserschutz nicht erkennbar war. Der Bericht benennt etwa die Sanierung einer Kegelbahn und die Asphaltierung von Feldwegen. Das dürfe jetzt nicht erneut passieren, so die Mahnung des WWF.

Entgegen der Ankündigungen seitens der Politik sei zu wenig passiert, um dem Fluss mehr Raum zu geben und das Schadenspotenzial in möglichen Überflutungsgebieten zu beschränken oder zu verringern. Jetzt müsse die Bundesregierung endlich dirigierend und entschlossen die Umsetzung bestehender Aktionsprogramme zum Hochwasserschutz in die Umsetzung bringen – das wurde bisher versäumt. „Wir brauchen jetzt endlich die Weichenstellungen um großflächige Rückhalteräume zu sichern. Nachhaltiger und effektiver Hochwasserschutz ist nun mal ein Generationenprojekt und nicht in zehn Jahren realisierbar“, so Rast. Die Spirale aus immer höheren Pegelständen in immer kürzeren Zeitperioden und den darauf folgenden Deichertüchtigungen sei ein Wettrüsten, das nicht gewonnen werden könne.

„Die Elbe hat über 80 Prozent ihrer natürlichen Überflutungsflächen und Auwälder verloren“, sagt Rast. Die Auen mussten Wohnsiedlungen und Industrieanlagen weichen oder werden intensiv durch die Landwirtschaft genutzt. Der WWF-Bericht dokumentierte bereits 2007, dass alle geplanten und durchgeführten Deichrückverlegungen an der Elbe zusammen nur ein Prozent der einstigen Überflutungsflächen ausmachen. Zusätzliche, natürliche Überflutungsflächen seien nur in wenigen größeren Projekten in der Umsetzung. Die zwei größten Pilotvorhaben werden überwiegend aus Naturschutzbudgets finanziert.

„Nach der Elbeflut 2002 haben Bundesregierung und Länder zwar umfassende Hochwasserschutzprogramme initiiert, doch auch über zehn Jahre nach der Flut hat sich das Risiko kaum verringert“, bilanziert WWF-Experte Rast. „Das Hochwasser sollte besser auf die Ackerflächen anstatt in die Wohnzimmer.“ Es mache keinen Sinn, landwirtschaftliche Fläche mit gleichwertigem Niveau zu schützen wie Städte und Siedlungsflächen. Die Hochwasserschutzrichtlinie müsse endlich ernst genommen und im überregionalen Kontext richtig umgesetzt werden.


Jahrhundertflut: Hochwasserschutz an der Elbe weiter mangelhaft

BUND Pressemitteilung, 6.6.13

Berlin: Für den dramatisch angestiegenen Hochwasserpegel an der Elbe macht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auch Versäumnisse bei der Ausweisung von Überflutungsflächen verantwortlich. Die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE) habe schon vor mehr als zehn Jahren Flächen mit einer Gesamtgröße von 35000 Hektar identifiziert, die zur Wasserrückhaltung und für neue Auen zur Verfügung gestellt werden könnten. Davon würden heute nur zwei Prozent auch tatsächlich für diese Zwecke genutzt.

"Nach der Jahrhundertflut 2002 hat die damalige Bundesregierung versprochen, den Flüssen mehr Raum zu geben. Seitdem wurden große Summen vor allem in technische Maßnahmen zum Hochwasserschutz investiert. Es ist an der Zeit, endlich neue Projekte für zusätzliche Überschwemmungsflächen an der Elbe, für neue Auen und für die Rückverlegung von Deichen in Angriff zu nehmen", forderte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

An der Elbe würden außerdem nicht notwendige Baumaßnahmen zur angeblichen Verbesserung der Schiffbarkeit durchgeführt. Wegen der abnehmenden Bedeutung des Flusses für die Güterschifffahrt lohne sich dies nicht, sagte Weiger. "Für überflüssige Baumaßnahmen an der Elbe werden jährlich viele Millionen Euro ausgegeben. Dieses Geld wäre für ökologische Hochwasserschutzmaßnahmen sehr viel besser eingesetzt", so der BUND-Vorsitzende.

Mitverantwortlich für die dramatischen Folgen des Hochwassers seien auch jene Bundesländer, die das Hochwasserschutzgesetz aufgeweicht hätten. Ein generelles Bauverbot in Flussauen und klare Vorgaben für die Landwirtschaft entlang der Flüsse seien so unmöglich gemacht worden.

"Um Landwirtschaft zu betreiben, werden Flächen oft über Gräben oder Drainagen entwässert und die Niederschläge den Flüssen zugeleitet. Auf diese Weise verlieren Wiesen, Wälder, Sümpfe und Moore mehr und mehr ihre frühere Schwammfunktion. Das gilt entlang der Elbe, aber auch für viele andere Bäche und Flüsse in Deutschland", sagte Weiger.

Hochwasserschutz dürfe nicht darauf reduziert werden, Stauanlagen zu bauen oder Deiche zu erhöhen. Dies suggeriere den Anwohnern zwar mehr Sicherheit, verschärfe aber die Gefahr stärkerer Flutwellen am Unterlauf der Flüsse. "Allen Beteiligten muss es darum gehen, das natürliche Schutzpotential von Flusseinzugsgebieten zu erkennen, wiederherzustellen und zu sichern", sagte der BUND-Vorsitzende.


Hochwasser und Klimawandel

Von Beate Steffens, Greenpeace-Online, 6.6.13

Weite Teile Deutschlands sind derzeit von einem starken Hochwasser betroffen. Viele Menschen wurden durch die Fluten obdachlos, Häuser stehen unter Wasser und ganze Regionen sind von der Außenwelt abgeschnitten. Wir haben unseren Klimaexperten Karsten Smid gefragt, welche Ursachen das Hochwasser hat und ob es legitim ist, die der Flut vorangegangenen Regenfälle direkt mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen.

Online-Redaktion: Sind die Starkregenfälle denn jetzt direkte Folge der Klimaerwärmung?

Karsten Smid: Ein einzelnes Ereignis lässt sich aus Prinzip her nicht ursächlich in Verbindung mit dem Klimawandel bringen. Um exakt zu sein müssen wir Wetter und Klima unterscheiden. Und es hat auch schon früher katastrophale Hochwasserereignisse in Deutschland gegeben. Zum Beispiel die Thüringer Sintflut 1613, vor genau 400 Jahren, oder das Extremhochwasser in Passau 1501. Aber diese Jahrhunderthochwässer häufen sich in den letzten Jahrzehnten.

Online-Redaktion: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und intensiven Regenfällen?

Karsten Smid: Ja, zweifelsohne. Je wärmer die Meere sind, umso mehr Wasser kann verdunsten. Je höher die Lufttemperatur, desto mehr Wasser können die Wolken aufnehmen. Und das kommt dann irgendwo runter.

Online-Redaktion: Werden sich solche extremen Wetterlagen häufen?

Karsten Smid: Ja. Ein geändertes Klima führt auch zur Änderung des hydrologischen Kreislaufs (Wasserkreislaufs), Dürren und Fluten können in der Folge extremer ausfallen. In der Wissenschaft wird in Folge des Klimawandels mit einer Zunahme der Häufigkeit und Heftigkeit von Extremereignissen gerechnet. Und die Studien kommen auch zu dem Schluss, dass es wahrscheinlich ist, dass künftig Jahrhundertfluten in Europa häufiger auftreten.

Online-Redaktion: In den Medien wird immer wieder von Jahrhunderthochwasser gesprochen, was ist das?

Karsten Smid: Das sind Ereignisse die einmal in 100 Jahren stattfinden. Jetzt hatten wir aber das Oderhochwasser 1997 und 2009, die Elbeflut 2002 und jetzt schon wieder ein Jahrhunderthochwasser 2013. Der Trend ist da, die Anzahl der extremen Hochwasser in Europa nehmen im Schweregrad und in seinen Ausmaßen zu. Allerdings gibt es im Verlauf der Jahrzehnte so viele Schwankungen, dass dieser Trend wissenschaftlich noch nicht eindeutig ist.

Online-Redaktion: Müssen wir höhere Deiche bauen?

Karsten Smid: Je höher die Deiche, desto höher ist das Risiko hinter den Deichen, wenn sie den Wassermassen nicht mehr Stand halten oder einfach überlaufen. Wir müssen Überflutungsflächen freihalten, wir müssen dem Wasser Raum geben.

Online-Redaktion: Was können wir tun?

Karsten Smid: Natürlich steht kurzfristig als erstes die Hilfe in Vordergrund. Mittelfristig muss unsere gesamte Infrastruktur auf die Folgen der Klimaänderungen hin überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Das sind Milliarden Investitionen, Klimafolgekosten die durch den erhöhten CO2-Ausstoß der Industrie entstehen und die die Gesellschaft zu tragen hat. Aber eine 100 prozentige Sicherheit wird es nicht geben. Nach jedem Hochwasser gilt aber auch: Auf die Dauer ist es billiger in CO2-freie Technologien und Klimaschutz zu investieren, statt immer wieder für die Folgen der Katastrophen aufkommen zu müssen.




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