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Aktuell

Naturwälder in Deutschland

Aktuelle Daten zur natürlichen Waldentwicklung in Deutschland

Forschungsvorhaben liefert Bilanz über den derzeitigen Umfang und die Qualität der nutzungsfreien Wälder in Deutschland
Knapp 2% ungenutzter Waldflächen in Deutschland derzeit bilanziert
Weitere Schritte zur Erreichung des 5%-Ziels notwendig


Bundesamt für Naturschutz Pressemitteilung, 14.10.13

Bonn, 14. Oktober 2013: Heute wurden die Ergebnisse des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens "Natürliche Waldentwicklung als Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt" vorgestellt. Als Ergebnis des Verbundvorhabens zeigt sich, dass es derzeit 213.145 Hektar dauerhaft gesicherten Wald mit natürlicher Waldentwicklung in Deutschland gibt. Dies entspricht einem Anteil von 1,9 Prozent der Waldfläche in Deutschland. Bis zum Jahr 2020 steigt der Anteil voraussichtlich auf 2,3 und danach auf ca. 3 Prozent. In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) der Bundesregierung wird bis zum Jahr 2020 eine natürliche Waldentwicklung auf 5 Prozent der gesamten Waldfläche bzw. 10 Prozent der öffentlichen Wälder angestrebt. Insbesondere das 5-Prozent-Ziel wurde in der Vergangenheit von unterschiedlichsten Interessengruppen sehr kontrovers diskutiert, ohne dass zum Umfang bereits bestehender Flächen mit natürlicher Waldentwicklung bisher bundesweit Zahlen vorlagen.

"Wälder ohne forstliche Nutzung sind fester Bestandteil einer multifunktionalen Forstwirtschaft. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Schutz und zur Entwicklung der biologischen Vielfalt in unseren Wäldern und erbringen darüber hinaus zahlreiche ökologische Leistungen", sagte Prof. Beate Jessel, die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz. "Erstmals liegen nun belastbare Bilanzen und Prognosen zum Flächenumfang der derzeitigen NWE5-Kulisse vor", erläuterte der Projektkoordinator Prof. Herrmann Spellmann, Direktor der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt. "Die vorliegenden Ergebnisse tragen zur Versachlichung der oftmals kontroversen Diskussion um den Nutzungsverzicht im Wald bei und helfen, auf solider Grundlage die weiteren notwendigen Schritte zur Umsetzung des 5-Prozent-Ziels zu planen" ergänzte Beate Jessel.

Hintergrund

Das Bundeskabinett hatte am 07. November 2007 die unter Federführung des Bundesumweltministeriums (BMU) erarbeitete Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen. Damit liegt in Deutschland erstmals eine umfassende und anspruchsvolle Strategie zur Umsetzung des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt vor. Mit der Verwirklichung von rund 330 Zielen und rund 430 Maßnahmen mit einem Zeithorizont bis zum Jahr 2020 soll der Rückgang der biologischen Vielfalt aufgehalten und der Trend umgekehrt werden. Für den Lebensraum Wald ist, neben einer naturnahen Bewirtschaftung, als ein zentrales Ziel formuliert: "2020 beträgt der Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung 5 % der Waldfläche". Seit Dezember 2010 beschäftigt sich ein Forschungsverbund aus Mitarbeitern der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA), der Professuren für Vegetationskunde und für Waldbau der Universität Freiburg sowie des Institutes für Landschaftsökologie und Naturschutz in Bühl (ILN) im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) mit der Frage, auf welchen Flächen Deutschlands aktuell und voraussichtlich bis zum Jahr 2020 eine natürliche Waldentwicklung gewährleistet ist und wie diese Flächen aus naturschutzfachlicher und ökonomischer Sicht zu bewerten sind.

In dem Vorhaben wurde zunächst definiert, was unter "Wald mit natürlicher Entwicklung" zu verstehen ist. Wälder mit natürlicher Entwicklung umfassen demnach Waldbestände ohne eine direkte Einflussnahme des Menschen. Die dauerhafte Aufgabe der forstlichen Nutzung sowie das Unterlassen von Eingriffen zur Sicherung von Naturschutzzielen auf einer abgegrenzten Fläche von mindestens 0,3 ha Größe stellt hierfür die Grundvoraussetzung dar. Auf diesen Flächen wird das Ziel verfolgt, die dauerhaft ungestörte Entwicklung natürlicher Prozesse zu gewährleisten. Als Wälder mit natürlicher Entwicklung gelten auch diejenigen waldfähigen Standorte, auf denen jegliche menschliche Nutzung dauerhaft eingestellt und eine Waldsukzession absehbar ist.

Basierend auf den Kriterien Dauerhaftigkeit, rechtliche Verbindlichkeit sowie Zweck der Nutzungsaufgabe wurden eine Kernbilanz (mit Stichjahr 2013) sowie zwei Zukunftsbilanzen errechnet. In der Zukunftsbilanz 2020 sind zusätzlich solche Flächen berücksichtigt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 2020 der natürlichen Waldentwicklung überlassen werden und dann den Anforderungen der Kernbilanz entsprechen. In der Zukunftsbilanz 2020+ sind die voraussichtlich nach 2020 zusätzlich vorhandenen "Wälder mit natürlicher Entwicklung" aufgeführt.

Die Kernbilanz umfasst 213.145 ha Flächen mit natürlicher Waldentwicklung. Dies entspricht einem Anteil von 1,9 % des gesamten Waldes in Deutschland. Der Anteil wird voraussichtlich bis 2020 auf 2,3 % und in den nachfolgenden Jahren auf etwa 3 % ansteigen.


Deutschland muss mehr Wald schützen

Von Sara Westerhaus, Greenpeace-Online, 15.10.13

Jetzt ist es amtlich: Deutschland ist noch weit vom Ziel der Bundesregierung entfernt, fünf Prozent seiner Waldflächen einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Laut den Ergebnissen eines gestern in Berlin veröffentlichten Forschungsvorhabens sind es derzeit erst 1,9 Prozent, also weniger als die Hälfte.

"Das ist im internationalen Vergleich peinlich für die viertreichste Industrienation der Welt und ein Armutszeugnis für die Nachhaltigkeit im öffentlichen Wald Deutschlands," so Gesche Jürgens, Waldexpertin von Greenpeace.

Auch unter Berücksichtigung der bisher geplanten weiteren Schutzgebiete wird das Ziel von 5 Prozent natürlicher Waldentwicklung verfehlt. Das Forschungsvorhaben kommt zu dem Schluss, dass bis 2020 nur 2,3 Prozent der Wälder einer natürlichen Entwicklung überlassen sind; nach 2020 erhöht sich die Bilanz auch nur auf 3 Prozent. Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass nur 23 Prozent der Waldgebiete eine naturnahe Zusammensetzung der Baumarten aufweisen. Bei Buchenwäldern, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland haben, gibt es weiterhin Defizite. Nicht nur bei der Quantität, auch bei der Qualität besteht beim Waldschutz daher großer Nachholbedarf.

Der Hintergrund: Die 2007 beschlossene Nationale Biodiversitätsstrategie (NBS) sieht vor, dass bis 2020 fünf Prozent der Waldfläche aus der forstlichen Nutzung genommen und einer natürlichen Entwicklung überlassen werden.

Da sich der Wald in Deutschland etwa zur Hälfte in Privatbesitz befindet, soll dieses Ziel damit erreicht werden, dass zehn Prozent der öffentlichen Waldflächen aus der forstlichen Nutzung genommen und der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Der öffentliche Wald ist laut Bundesverfassungsgericht vorrangig verpflichtet, Umwelt- und Erholungsfunktionen umzusetzen. Um zu ermitteln, wo Deutschland insgesamt auf dem Weg zur Zielerreichung steht, beauftragte das Bundesamt für Naturschutz das Forschungsvorhaben NWE5: Seit Dezember 2010 untersuchten die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA), das Waldbau-Institut der Universität Freiburg und das Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN), auf wie vielen Waldflächen in Deutschland bisher Motorsägen und Harvester dauerhaft „draußen bleiben“ müssen und inwiefern sich diese Flächen bis 2020 vergrößern.

Stärken und Schwächen der angewandten Methodik

Das NWE5-Projekt berücksichtigt den rechtlich abgesicherten, dauerhaften Schutz der Waldflächen. Damit werden nur Flächen anerkannt, auf denen eine dauerhaft natürliche Waldentwicklung auch wirklich sichergestellt ist. Auch die Transparenz der Auswahlkriterien ist positiv zu bewerten. Kritisch ist allerdings die Anerkennung der Flächen bereits ab einer Größe von 0,3 Hektar. Eine solche Mindestgröße ist aus ökologischer Sicht fragwürdig, da die Randeffekte des umgebenden Wirtschaftswaldes und zusätzlich der gegebenenfalls angewandten Verkehrssicherungsmaßnahmen die Qualität solcher Kleinstflächen in Frage stellt. Waldschutzgebiete ohne forstliche Nutzung sollten mindestens 200 Hektar vorweisen, ein sehr geringer Teil als vernetzende Trittsteine mindestens 5 Hektar. Kleinstflächen unter 5 Hektar sollten daher erweitert werden. Diese Flächen machen in der Bilanz der holznutzungsfreien Gebiete allerdings nur 5 Prozent aus. Bei der Ausweisung weiterer Schutzgebiete muss allerdings darauf geachtet werden, dass sich der Anteil dieser Kleinstflächen nicht erhöht.

Forstlich ungenutzte Wälder sind unerlässlich, zum Beispiel für den Erhalt der natürlichen Artenvielfalt. So zeigen wissenschaftliche Forschungsergebnisse, dass besonders störungsempfindliche, waldgebundene Arten mit spezifischen Lebensraumanforderungen auf unbewirtschaftete Wälder angewiesen sind. Darüber hinaus dienen forstlich ungenutzte Wälder dem Klimaschutz.

Für die Auswahl der zukünftigen Gebiete müssen daher strenge Kriterien gelten, vor allem hinsichtlich der Größe der Waldschutzgebiete: So sind beispielsweise geschützte Einzelbäume oder Baumgruppen Bestandteil der integrativen Forstwirtschaft und dürfen nicht als Schutzflächen gezählt werden. Auch für temporär unbewirtschaftete Flächen gilt, dass sie nicht dauerhaft einer natürlichen Entwicklung überlassen sind – diese „mobilen Schutzgebiete“ dürfen ebenfalls nicht auf die Ziele der NBS angerechnet werden.

Bundesländer im Vergleich – Nordosten vorbildlich, Bayern und Hessen Schlusslicht

Die vorgelegten Ergebnisse lassen zudem aufgrund von Gemeinhaltungsklauseln keinen Vergleich zwischen den Bundesländern zu. Berechnungen von Greenpeace auf Basis öffentlich zugänglicher Daten zeigen, dass als einziges Bundesland Mecklenburg-Vorpommern das 5-Prozent-Ziel bereits erreicht hat. Andere Bundesländer haben sich hingegen die Erreichung der Waldschutzziele auf die Fahnen geschrieben, beispielsweise die Landesregierungen von Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Insbesondere große Waldbundesländer wie Bayern und Hessen sind jedoch noch weit vom Ziel entfernt, 10 Prozent ihrer Wälder zu schützen. Die derzeitigen Landesregierungen dieser Länder verweigern offen eine Umsetzung.

Unbedingt müssen jetzt neue Nationalparke und andere große Gebiete mit natürlicher Waldentwicklung (größer als 5.000 Hektar) eingerichtet werden. Dazu zählen die geplanten Nationalparke im Hochwald (RP), im Schwarzwald (BW) und im Steigerwald (BY). Außerdem sollten große Gebiete im Spessart (BY), Ammergebirge (BY), Egge/Sennegebiet (NRW), Rheingaugebirge (HE), Reinhardswald (HE), Solling (NS) und im Südharz (NS) eingerichtet werden.

Jetzt dringend handeln: Bundesweite Schutzgebietez für die Buchenwälder

Maßnahmen zur Behebung der Defizite sind dringend geboten: Insbesondere der ökonomische Druck auf die ökologisch bedeutsamsten Buchenwald-Gesellschaften, die nur noch maximal 200.000 - 300.000 Hektar in Deutschland ausmachen, muss genommen werden. In einem Bund-Länder-Aktionsprogramm müssen nun die zu schützenden öffentlichen Waldflächen identifiziert und in einem transparenten Verfahren der natürlichen Entwicklung durch einen rechtlichen Schutzstatus überlassen werden.

Um alle natürlich vorkommenden Waldgesellschaften zu erhalten, ist ein Schutzkonzept erforderlich, dass forstlich ungenutzte Waldgebiete verschiedener Größenordnungen miteinander vernetzt. Ein 2011 veröffentlichtes Gutachten im Auftrag von Greenpeace macht einen Vorschlag für ein Konzept zum bundesweiten Buchenwälderschutz. Bei der Ausweisung neuer Waldschutzgebiete sollten vor allem alte, naturnahe Buchenwälder berücksichtigt werden, da sie besonders wertvoll für den Erhalt der natürlichen Artenvielfalt sind. Derartige Potenzialflächen sind allerdings rar: nur noch zwei bis drei Prozent der deutschen Wälder sind alte Buchenwälder über 140 Jahre. Damit diese Gebiete nicht beschädigt werden, bevor feststeht wo zukünftige Schutzgebiete liegen, fordert Greenpeace einen befristeten Einschlagsstopp für über 140 Jahre alte öffentliche Buchenwaldbestände.


Nur zwei Prozent natürliche Waldentwicklung in Deutschland

Neue Bundesregierung muss Bund-Länder-Programm auflegen

BUND Pressemitteilung, 15.10.13

Berlin: "Deutschland hat einen Mangel an natürlichen Wäldern und hinkt seinen eigenen Zielen zum Schutz der Biodiversität hinterher", kommentierte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die gestern veröffentlichte Bilanz über Naturwälder in Deutschland. Danach werden bislang nur 1,9 Prozent der Wälder einer natürlichen Entwicklung überlassen. "Bei dem derzeitigen Tempo beim Schutz der Wälder wird es unmöglich sein, die im Rahmen der nationalen Biodiversitätsstrategie anvisierten fünf Prozent natürliche Waldentwicklung bis 2020 noch zu erreichen. Das Fehlen wichtiger Lebensräume bedeutet jedoch das Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten", so der BUND-Vorsitzende.

Um dies zu verhindern, sei es dringend notwendig, weitere Nationalparks auszuweisen wie beispielsweise im nördlichen Steigerwald, im Nord-Schwarzwald und im Hunsrück. Gleichzeitig sei es wichtig, verstärkt auch kleinere Waldflächen dauerhaft einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Zudem müsse im Rahmen der anstehenden Koalitionsverhandlungen ein Bund-Länder-Programm "Natürliche Waldentwicklung" unter Federführung des Umwelt- und Forstministeriums und enger Mitwirkung des Bundesamtes für Naturschutz beschlossen werden. Das Programm solle mit verbindlichem Zeitplan und Naturschutzkonzept die rechtssichere Ausweisung weiterer Naturwälder im öffentlichen Wald sicherstellen. Der Anteil der Naturwälder im öffentlichen Wald müsse auf mindestens zehn Prozent erhöht werden. Privatwaldbesitzer müssten zudem bei ihrem Vorhaben unterstützt werden, Wälder dauerhaft als Naturwälder umzuwidmen.

"Viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, die auf die Alters- und Zerfallsphasen der Bäume und eine natürliche Dynamik im Wald angewiesen sind, sind stark gefährdet. Ihr Schutz schließt eine forstliche Nutzung aus. Weißrückenspecht, Eremit oder Igel-Stachelbart haben nur eine Chance, wenn sich die Wälder wieder frei entwickeln können und Wildnis entstehen darf", erklärte Nicola Uhde, BUND-Waldexpertin.


NABU: Deutschland braucht mehr natürliche Wälder

Tschimpke: Biologische Vielfalt steht auf dem Spiel

NABU Pressemitteilung, 15.10.13

Berlin – Weniger als zwei Prozent der deutschen Wälder werden derzeit forstlich nicht genutzt und dürfen sich natürlich entwickeln. Dies ist das Ergebnis einer am gestrigen Montag vorgestellten Studie des Bundesamts für Naturschutz. Die Untersuchung zeigte auch: Sollten keine zusätzlichen Wälder aus der Nutzung genommen werden, wird das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent des deutschen Waldes als „Urwälder von morgen“ zu entwickeln, nicht erreicht. Die biologische Vielfalt in Deutschlands Wäldern ist damit weiterhin in Gefahr.

„Fakt ist: Wir müssen den alarmierenden Artenrückgang dringend stoppen. Dazu müssen weitere Wälder aus der Nutzung genommen werden und sich frei entwickeln dürfen. Nur so kann das notwendige Netzwerk entstehen, das die Ausbreitung von heute bedrohten Arten ermöglicht“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Derzeit fehlen in deutschen Wäldern vor allem wichtige Strukturen, wie große Mengen an liegendem und stehendem Totholz, alte Laubwälder und Gebiete, in denen sich die Natur nach ihren eigenen Regeln entwickeln darf. Etwa 225.000 Hektar Wald müssten nun zusätzlich als „Urwälder von morgen“ ausgewiesen und rechtlich gesichert werden, um die vorgegebene Zielmarke zu erreichen.

„Die neue Bundesregierung muss daher möglichst schnell ein Programm zur Förderung der natürlichen Waldentwicklung auf den Weg bringen. In das Programm müssen Bund und Länder einbezogen werden, denn neben dem Bundeswald sind vor allem die Länder und die Kommunen als öffentliche Waldbesitzer in der Pflicht“, so Tschimpke.

Echte Wildnis vor der eigenen Haustür zu erleben, das wird auch der Bevölkerung immer wichtiger. Mehr als die Hälfte aller Deutschen wünscht sich mehr natürliche Wälder in Deutschland. „Diese Zeichen der Zeit muss auch die Forstwirtschaft erkennen und den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werden. Die Förster haben jetzt die einmalige Chance, durch gute Konzepte und die schnelle Umsetzung des Urwald-Netzwerks ihr nachhaltiges Handeln unter Beweis zu stellen“, so NABU-Waldexperte Stefan Adler.


Forstverein sieht Beitrag der Forstwirtschaft zur natürlichen Waldentwicklung in Deutschland in Studie belegt

Studie zur natürlichen Waldentwicklung in Deutschland vorgestellt
Bereits 3% der Waldflächen für die natürliche Entwicklung vorgesehen
Forstverein die erbrachten Leistungen der Waldbesitzer und Forstbetriebe und fordert eine Versachlichung der Diskussion


Deutscher Forstverein Pressemitteilung, 14.10.13

Berlin/Göttingen: Erstmals wurde in einer umfangreichen Studie der Schutzstatus der Wälder in Deutschland erhoben. Knapp 330.000 ha (3% der Gesamtwaldfläche von 11 Millionen ha) werden bereits heute oder mittelfristig nicht genutzt und dauerhaft ihrer natürlichen Waldentwicklung überlassen. "Die Studie enthält eine Reihe wichtiger Einzelheiten zur Versachlichung der kontroversen Diskussion zwischen Naturschutz und Forstwirtschaft", so Carsten Wilke, Präsident des Deutschen Forstvereins (DFV).

Die Studie belegt nach Auffassung des Deutschen Forstvereins die guten Ergebnisse von 300 Jahren nachhaltiger Forstwirtschaft in Deutschland, auch zur Erfüllung der Ziele der Biodiversitätsstrategie. "Die Waldeigentümer und Forstbetriebe in Deutschland haben ein wirksames Mosaik unterschiedlicher Wälder ohne Holznutzung geschaffen", so Wilke, "Darin enthalten sind auch Wälder mit guten und sehr guten Produktionsbedingungen, d.h. die Forstbetriebe verzichten freiwillig auf erhebliche wirtschaftliche Erträge." Der Forstverein fordert deshalb bei weiteren Forderungen nach Flächenstilllegungen für die Waldbesitzer einen angemessenen finanziellen Ausgleich der wirtschaftlichen Einbußen, die durch diesen Nutzungsverzicht entstehen.

Es sollten nach Ansicht des Forstvereins zunächst auch solche Waldflächen in die Bilanz aufgenommen werden, die an Steilhängen oder in Feuchtgebieten liegen und somit technisch oder ergonomisch nicht für die Holznutzung zugänglich sind. Diese Gebiete werden oftmals in den forstlichen Betriebswerken ohnehin dauerhaft aus der Bewirtschaftung gestellt. Ebenso sollten markante Einzelbäume oder kleine Baumgruppen im Wald berücksichtigt werden, da sie als wichtige Bausteine zum Biotopverbund gelten. Der Forstverein sieht sich in seiner Haltung bestärkt, dass in einer multifunktionalen Forstwirtschaft Ziele des Waldnaturschutzes erfüllt werden, wenn sie sich fachlich und objektiv begründen lassen.

Die Studie wurde federführend im Zeitraum von 2011 bis 2013 durch die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz (BfN) erstellt. Die Definition der natürlichen Waldentwicklung wurde dabei streng ausgelegt (s. Kasten). Nicht einberechnet wurden u.a. Flächen, die aus arten- oder naturschutzfachlichen Gründen gepflegt werden, beispielsweise zum Erhalt historischer Waldformen (Hutewälder, Mittelwälder etc.) oder zur Biotoperhaltung für Tierarten wie Auerhahn und Biber. Die Studie baute auf Angaben der staatlichen, kommunalen und privaten Waldeigentümer auf, die daraufhin verifiziert wurden. Aufgrund der Freiwilligkeit der Angaben kann die Studie gerade im Privatwald eine komplette flächendeckende Erfassung nicht garantieren.

"Wälder mit natürlicher Waldentwicklung":

Wälder mit natürlicher Entwicklung umfassen Waldbestände ohne eine direkte Einflussnahme des Menschen. Die dauerhafte Aufgabe der forstlichen Nutzung sowie das Unterlassen von Eingriffen zur Sicherung von Naturschutzzielen auf einer abgegrenzten Fläche von = 0,3 ha stellt hierfür die Grundvoraussetzung dar. Auf diesen Flächen wird das Ziel verfolgt, die dauerhaft ungestörte Entwicklung natürlicher Prozesse zu gewährleisten. Als Wälder mit natürlicher Entwicklung gelten auch diejenigen waldfähigen Standorte, auf denen jegliche menschliche Nutzung dauerhaft eingestellt und eine Waldsukzession absehbar ist.


Nationale Biodiversitätsstrategie - Deutschland übertrifft die Anforderungen

Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. Pressemitteilung, 14.10.13

Die nationale Biodiversitätsstrategie (NBS) strebt auf fünf Prozent der deutschen Waldfläche eine natürliche Waldentwicklung an. Doch nicht nur rechtlich geschützte Gebiete leisten ihren Beitrag zu diesem Ziel: Auch Flächen außerhalb von Schutzgebieten – beispielsweise nicht genutzte Bereiche im Privatwald – werden laut NBS dazu gezählt. Die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) und die Deutsche Säge- und Holzindustrie (DeSH) fordern deshalb, dass diese Flächen in die aktuell im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz durchgeführten Berechnungen zur Bestimmung der Fläche mit natürlicher Waldentwicklung einbezogen werden.

Wie viel Waldfläche in Deutschland entwickelt sich ohne menschlichen Einfluss auf natürliche Weise? Welchen Effekt haben diese nutzungsfreien Waldgebiete auf Naturschutzziele und ökonomische Entwicklungen? Diesen Fragen ging das Forschungsprojekt "Natürliche Waldentwicklung als Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NWE5)" nach. Die heute vorgelegten Ergebnisse erwecken den Eindruck, Deutschland erfülle die selbst gesteckten Ziele seiner nationalen Biodiversitätsstrategie nicht. Mit knapp 2 Prozent fand allerdings im Endergebnis nur ein Bruchteil der als nutzungsfrei erfassten Fläche Beachtung.

Bei der Berechnung der nicht genutzten Waldfläche berücksichtigten die Forscher von NWE5 im Grunde nur rechtlich geschützte Gebiete wie Nationalparks. Dabei heißt es in der Biodiversitätsstrategie der Bundesrepublik explizit: „Zum angestrebten Flächenanteil von Wäldern mit natürlicher Waldentwicklung tragen sowohl Schutzgebiete als auch Flächen außerhalb von Schutzgebieten bei.“

Für Leonhard Nossol, Präsident der AGR, ist das Ergebnis eindeutig: „Das Ziel der Biodiversitätsstrategie auf fünf Prozent der deutschen Waldfläche eine natürliche Entwicklung zu gewährleisten, ist mehr als erfüllt.“ Mehr als 18 Prozent der deutschen Waldfläche stehen unter strengem Schutz und dürfen nur eingeschränkt bewirtschaftet werden. Darüber hinaus verzichten viele der zwei Millionen deutschen Waldeigentümer freiwillig – aus ökologischen, ideellen oder auch rein wirtschaftlichen Gründen – ganz auf die Bewirtschaftung eines Teils ihres Eigentums. Nossol kritisiert deshalb die Haltung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) als Auftraggeber der NWE5-Studie: „Die tatsächliche Fläche, auf der in Deutschland auf eine Nutzung des Waldes verzichtet wird, liegt weit über der, die das BfN als solche anerkennen möchte.“ So geht man beispielsweise in Rheinland-Pfalz von 52.000 Hektar oder sechs Prozent der Waldfläche aus, die zusätzlich zu den rechtlich bestehenden Schutzgebieten nutzungsfrei sind.

Für DeSH-Präsident Steffen Rathke ist klar, dass die Wälder auch ohne umfangreiche Nutzungseinschränkungen naturnäher und artenreicher werden. „Anstatt weitere großräumige Schutzgebiete zu planen, sollten Bundesregierung und Bundesländer sich auf die Förderung einer effizienten und nachhaltigen Nutzung unserer heimischen Ressourcen konzentrieren“, so Rathke. „Das Projekt ist ein Anfang, um herauszufinden, wie viele der deutschen Wälder nicht bewirtschaftet werden. Gewissheit wurde jedoch nicht geschaffen, da entscheidende Daten nicht veröffentlicht beziehungsweise erst gar nicht in die Bilanz einbezogen wurden“, so Rathke weiter.

Die nachhaltige Nutzung nachwachsender Ressourcen ist besonders im Hinblick auf den Klimawandel von übergeordnetem gesellschaftlichen Interesse. Allein der potenziell ökonomische Verlust für die berücksichtigten 1,9 Prozent Waldfläche wird von den Forschern mit 3,9 Milliarden Euro beziffert. Die deutsche Forst- und Holzwirtschaft leistet folglich mit den derzeit sich selbst überlassenen Waldflächen bereits einen in ökologischer wie ökonomischer Hinsicht bedeutsamen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz. Bei einem Nutzungsverzicht auf mehr als fünf Prozent der Waldfläche läge der Verzicht bei weit über 10 Milliarden Euro.

Die Wirksamkeit und die Auswirkungen verschiedener Schutzbemühungen auf die Biodiversität lassen sich bisher nicht eindeutig nachweisen und bewerten. Darüber hinaus fehlen Studien, welche die Wirkung der bestehenden Schutzgebietskulisse in Deutschland analysieren. Stillgelegte Waldflächen als Hauptindikator für erfolgreichen Naturschutz im Wald anzusehen ist ein Irrweg: Die Naturnähe und die Biodiversität der deutschen Wälder haben sich in den letzten Jahrzehnten statistisch nachweislich deutlich erhöht. Dies verdeutlicht der Indikatorenbericht der Bundesregierung zur Nationalen Biodiversitätsstrategie 2010, der dem deutschen Wald mit über 80 Prozent des erreichbaren Höchstwertes den besten Teilindikatorwert aller Flächennutzungen und einen signifikanten Anstieg der Biodiversität bescheinigt.

AGR und DeSH fordern die Bundesregierung deshalb auf, die Rohstoffversorgung der heimischen Holzindustrie sicherzustellen und von weiteren Nutzungsbeschränkungen abzusehen. Vor allem die Konzentration auf öffentliche Wälder bei der Ausweisung von Totalschutzgebieten bereitet den Verbänden große Sorge, sichert doch gerade deren kontinuierliche Bewirtschaftung die Versorgung von Industrie und Gesellschaft.


Forstminister Meyer: Niedersachsen schafft mehr Naturwaldflächen

Bundesziel wird derzeit verfehlt - "Beitrag für biologische Vielfalt"

Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Pressemitteilung, 14.10.13

HANNOVER. Die an diesem Montag in der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin vorgelegte Zwischenbilanz zur natürlichen Waldentwicklung ist nach Ansicht von Niedersachsens Forstminister Christian Meyer ein Warnsignal. „Wir brauchen ein viel energischeres Vorgehen, um die Ziele der Strategie für biologische Vielfalt tatsächlich zu erreichen", forderte der Minister. In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt wird bis 2020 auf fünf Prozent der gesamten Waldfläche und auf zehn Prozent der öffentlichen Wälder eine natürliche Waldentwicklung angestrebt. Diese Ziele werden derzeit weit verfehlt: Laut den heute vorgestellten Daten sind bislang nur 1,9 Prozent der bundesweiten Waldfläche mit natürlicher Waldfläche vorhanden. Das entspricht rund 213000 Hektar. Dabei gibt es ein klares Nord-Süd-Gefälle wie die Autoren schreiben. „Unsere Landesforsten haben mit dem Nationalpark Harz und vielen weiteren FFH-Gebieten schon einen hohen Anteil an Naturwaldflächen", sagte Meyer. Er sei deshalb sicher, „dass wir die Vorgaben für die niedersächsischen Landesforsten mit zehn Prozent bis 2020 fachlich versiert auf jeden Fall erreichen werden". Meyer sagte, „anders als die schwarz-gelbe Vorgängerregierung, die die 2011 bestätigte Waldstrategie der Bundesregierung abgelehnt hat, wird Rot-Grün für mehr Naturschutz und biologische Vielfalt in unseren Wäldern sorgen".

Der Minister betonte, Wälder ohne forstliche Nutzung seien „unverzichtbar. Denn sie leisten einen unschätzbaren Beitrag zum Schutz und zur Entwicklung der natürlichen Vielfalt der Wälder." Zugleich mahnte Meyer aber auch: „Wenn wir nichts tun, steigt der Anteil nutzungsfreier Wälder an der Gesamtwaldfläche bis 2020 bundesweit auf lediglich 2,3 Prozent." Das sei viel zu wenig - auch angesichts internationaler Herausforderungen für mehr Urwaldschutz. Anders als die Vorgängerregierung sei Niedersachsen nun bereit, sich für dieses Ziel einzusetzen. Meyer kündigte an, dass der neu gegründete Waldbeirat, der in der nächsten Woche zum ersten Mal zusammenkommt, sich dem Thema biologische Vielfalt intensiv widmen werde.

„Der neue Beirat sorgt dafür, dass eine nachhaltige und ökologische Waldpolitik in Niedersachsen entwickelt wird", sagte Meyer. Der Waldbeirat werde zudem ein offenes Ohr für gesellschaftliche Anliegen haben, insbesondere mit Blick auf die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes, also unter anderem Holznutzung, Wasserreinigung und Erholung. Im Waldbeirat sollen mehr als 30Vertreterinnen und Vertreter aus Waldnaturschutz, Waldbesitz, Holzwirtschaft, Forstwissenschaft, Gewerkschaften und Berufsverbänden mitwirken. Auch Nutzerinnen und Nutzer von Freizeitangeboten und Tourismus werden dabei sein. Neben der Beratung des Forstministers und seiner Verwaltung in waldpolitischen Fragen und Forstangelegenheiten soll das Gremium für Transparenz und Dialog in der niedersächsischen Waldpolitik sorgen.




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