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Umweltgutachten 2012

Ökologische Grenzen ernst nehmen: Neuorientierung der Umweltpolitik erforderlich

Sachverständigenrat für Umweltfragen Pressemitteilung, 4.6.12

In einer begrenzten Welt kann es kein unbegrenztes Wachstum geben. Mit dieser Feststellung seines Vorsitzenden Prof. Dr. Martin Faulstich überreicht der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) heute sein Umweltgutachten 2012 an den neuen Bundesumweltminister Peter Altmaier. Die drastische Reduzierung unseres Rohstoff- und Energieeinsatzes sowie dessen Umweltfolgen werden damit zu einer entscheidenden Systemfrage des 21. Jahrhunderts, betont der Vorsitzende Prof. Martin Faulstich. Das Gutachten mit dem Titel Verantwortung in einer begrenzten Welt behandelt elf Schwerpunktthemen*, die von der neuen Wachstumsdebatte über den Schutz wichtiger Ökosysteme, wie der Moore, Wälder und Meere bis zur Stärkung des integrativen Umweltschutzes reichen.

Mit seinem Umweltgutachten 2012 richtet der SRU den Blick über die Energiewende hinaus auf besonders zukunftsrelevante Themen der deutschen und europäischen Umweltpolitik. Die sieben Professorinnen und Professoren des Rats identifizieren im Sinne eines Umweltradars wichtige ungelöste Probleme und zeigen dafür jeweils konkrete Handlungsmöglichkeiten auf. Ausgangspunkt des Gutachtens ist: Wenn ökologische Grenzen nicht eingehalten werden, dann sind absehbar gravierende Auswirkungen auch für Wirtschaft und Gesellschaft zu befürchten. Vorrangig müssen daher alle Möglichkeiten einer Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung ausgeschöpft werden. Diese Innovationsstrategie bietet zugleich erhebliche industriepolitische Chancen für den Standort Deutschland.

Anhand einiger besonders schwer zu lösender Probleme zeigt der SRU auf, dass noch erhebliche Potenziale einer weitreichenden Umweltentlastung bestehen:
  • Der Verbrauch von metallischen und mineralischen Rohstoffen kann beispielsweise durch eine konsequentere Kreislaufführung gesenkt werden. Der SRU regt daher unter anderem eine Pfandpflicht für ausgewählte Elektrogeräte an. Die oftmals sehr energieintensive Rohstoffgewinnung kann durch anspruchsvolle Ziele für den Emissionshandel (EU - 30%-Ziel für 2020!) und den Abbau von Sonderregeln klimaschonender werden. Durch eine Stärkung des Naturschutzes können schwerwiegende Eingriffe in den Naturhaushalt vermindert werden.
  • Selbst beim immer noch wachsenden Güterverkehr können anspruchsvolle Klimaschutzziele durch eine umfassende Elektrifizierung auf der Basis erneuerbarer Energien erreicht werden. Neben der Verlagerung auf die Schiene sollten auch oberleitungsgeführte Lkws (Trolley-Trucks), die bereits in ersten Pilotprojekten technisch getestet wurden, ernsthaft weiterverfolgt werden.
  • Auch im Bereich Ernährung sollte die Politik wirksame Anreize zur Entkopplung setzen. Die Verminderung von Lebensmittelverlusten um 50 % bis 2025 kann die Umweltfolgen unserer Ernährung vermindern. Darüber hinaus sollte der hohe Fleischkonsum, der gleichermaßen für Umwelt und Gesundheit negative Folgen hat, deutlich reduziert werden. Die Abschaffung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes auf tierische Produkte und eine Steuer auf ungesättigte Fettsäuren sollten daher geprüft werden.
Möglicherweise ist die Entkopplung trotz noch nicht ausgeschöpfter Potenziale nicht ausreichend. Als Teil einer Vorsorgestrategie sollten sich Politik und Wissenschaft damit intensiv auch mit den Bedingungen von gesellschaftlicher und politischer Stabilität bei sehr geringen Wachstumsraten auseinandersetzen.

Ökosysteme wie intakte Wälder, Meere und Moore liefern wichtige Rohstoffe, Energie oder Nahrungsmittel sie tragen aber auch maßgeblich zum Klimaschutz bei, erbringen eine Vielzahl weiterer Leistungen und sind Lebensräume für viele Arten. Diese über den Markt nicht honorierten Leistungen sind gefährdet, wenn der wirtschaftliche Nutzungsdruck nicht vermindert wird. Wegen des stark wachsenden Holzeinschlags befindet sich der deutsche Wald möglicherweise bald an einem Punkt, ab dem er mehr Treibhausgase freisetzt als er speichert. Deshalb rät der SRU dazu, Nutzungsgrenzen einzuführen, die Wälder als Kohlenstoffsenke dauerhaft sichern. Für alle Ökosysteme sollte zudem ein umfassendes Monitoring als Frühwarn- und Erfolgskontrollinstrument etabliert werden. Ökologische Grenzen können nur eingehalten werden, wenn der Wirkungskreis und die Autorität der Umweltpolitik gegenüber den anderen Ressorts deutlich gestärkt werden. Als eine Grundlage hierfür empfiehlt der SRU beispielsweise ein nationales Umweltprogramm mit anspruchsvollen Zielen und Innovationsimpulsen auch für andere Ressorts.

*Das Umweltgutachten 2012 gliedert sich in elf Schwerpunktthemen: Die neue Wachstumsdebatte, Wohlfahrt und Ressourcennutzung enkoppeln: metallische und mineralische Rohstoffe, Lebensmittelkonsum als Gegenstand von Politik, Güterverkehr und Klimaschutz, Mobilität und Lebensqualität in Ballungsräumen; Ökosystemleistungen aufwerten: Umweltgerechte Waldnutzung, Moorböden als Kohlenstoffspeicher, Sektorübergreifender Meeresschutz; Integrative Konzepte stärken: Integrierter Umweltschutz am Beispiel des Anlagenzulassungsrechts, medienübergreifendes Monitoring, Umwelt und Nachhaltigkeitsstrategien.

Umweltgutachten 2012


Umweltschützer fordern von Kanzlerin Merkel mehr Engagement beim Klimaschutz

BUND Pressemitteilung, 4.6.12

Berlin: Eine Allianz von Umweltverbänden hat von Bundeskanzlerin Angela Merkel mehr Einsatz beim europäischen Klimaschutz gefordert. Aktivisten des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) installierten dazu vor dem Bundeskanzleramt in Berlin ein Großplakat, das die ruhenden Hände Kanzlerin zeigte. „Frau Bundeskanzlerin, packen Sie jetzt mal richtig an!“ lautete die Forderung auf dem Plakat. Die Demonstranten trugen T-Shirts mit dem Motiv der ruhenden Merkel-Hände und verteilten Arbeitshandschuhe mit der Aufschrift „30 % Klimaschutz – anpacken“.

Die Kampagne „Frau Bundeskanzlerin, packen Sie jetzt mal richtig an!“, die der BUND gemeinsam mit Brot für die Welt, Germanwatch, der Klimaallianz, dem Naturschutzbund NABU, Oxfam und dem WWF gestartet hat, will Merkel dazu motivieren, auf EU-Ebene ein CO2-Minderungsziel von mindestens 30 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 1990 durchzusetzen. Bislang will die EU ihre Treibhausgas-Emissionen lediglich um 20 Prozent verringern. Für das Erreichen der nationalen und globalen Klimaschutzziele sei dies jedoch viel zu wenig, sagte BUND-Sprecherin Ann-Kathrin Schneider.

„Bundeskanzlerin Merkel muss zusammen mit Bundesumweltminister Altmaier dem Klimaschutz auf europäischer Ebene zum Durchbruch verhelfen. Sie muss sich dafür stark machen, dass der nächste EU-Gipfel Ende Juni ein klares Votum für ein ambitioniertes europäisches Emissionsreduktionsziel von mindestens minus 30 Prozent durchsetzt“, sagte Schneider.

Bundesumweltminister Peter Altmaier, der Klimaschutz als sein `Herzensanliegen` bezeichnet habe, und Angela Merkel müssten die anderen EU-Mitgliedsstaaten zum Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung und für mehr Energieeffizienz gewinnen, so Schneider. Der rasante Zubau der erneuerbaren Energien in Deutschland sei ein Beleg dafür, dass mehr Klimaschutz viele tausend neue Arbeitsplätze schaffe.

Die bisherigen EU-Ziele, 2020 ein Fünftel des Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, ein Fünftel weniger Treibhausgase in die Atmosphäre zu blasen und die Energieeffizienz um 20 Prozent zu erhöhen, genügten noch nicht, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu halten, sagte die BUND-Klimaexpertin. Laut UN-Weltklimarat müssten die EU-Mitgliedsstaaten ihre CO2-Emissionen bis 2020 sogar um bis zu 40 Prozent verringern, um die Erderwärmung zu stoppen. „Merkel und Altmeier müssen handeln. Wenn die CO2-Emissionen weiter ansteigen wie bisher, wird sich die Atmosphäre in diesem Jahrhundert um bis zu sechs Grad erwärmen. Damit wären Umweltkatastrophen wie extreme Hurrikans, Überschwemmungen, Dürren und Kriege um die Wasserressourcen vorprogrammiert, so Schneider.




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