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Aktuell

Vor dem Rio-Gipfel (erweitert)

Was muss Rio+20 erreichen? 12 Thesen

Von Christina Hofmeister, Greenpeace-Online, 11.6.12

Genau 20 Jahre nach dem Erdgipfel in Rio, der als Meilenstein in der internationalen Umweltpolitik gefeiert wurde, beginnt am 20. Juni die Folgekonferenz Rio+20. Greenpeace hat 12 Thesen aufgestellt, 12 Fragen die dort unbedingt beantwortet werden sollten.

Rio 1992 wurde von einigen als Sternstunde der Menschheit bezeichnet, denn endlich hatte man erkannt, dass die Ressourcen unseres Planeten nicht unbegrenzt sind und das Ökosystem Erde unseres Schutzes bedarf. Doch was ist davon geblieben?

Ein Rückblick:

Als sich 130 Staatschefs zum Erdgipfel in Rio de Janeiro, Brasilien, trafen, war dies ein entscheidender Schritt hin zu einer gemeinsamen, internationalen Bewältigung von Umweltproblemen. Statt sich wie in den vergangenen Jahrzehnten auf Wachstum und Fortschritt zu konzentrieren, hatte man erkannt, dass die Zukunft anders aussehen musste.

Die Wahrnehmung der Umwelt veränderte sich. Staaten sollten sich nun um den Schutz des Ökosystems Erde bemühen, so die Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung. Die Wüstenbildung sollte bekämpft werden und man einigte sich auf eine Deklaration zum Schutz der Wälder. Auch die Agenda21 ging aus dem Erdgipfel hervor. Hier wurden erstmals konkrete Schritte für eine nachhaltige Entwicklung der Menschheit festgehalten.

Und heute?

20 Jahre später ist vom damaligen Optimismus und Veränderungswillen nur noch wenig zu spüren. Die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 etwa, die mit hohen Erwartungen begonnen hatte, endete mit Stillstand und Frustration.

Dabei hat sich an der prekären Lage des Ökosystems Erde nichts geändert. Im Gegenteil, die neusten Erkenntnisse zur globalen Erwärmung erfordern eher eine Beschleunigung der Entscheidungen und des Handels von Wirtschaft und Politik.

Was muss Rio+20 bringen? 12 Thesen

Greenpeace hat zwölf Thesen für den Erdgipfel im Juni aufgestellt, zwölf Fragen, die unbedingt beantwortet werden müssen, wenn das Leben auf der Erde sich nicht grundlegend verschlechtern soll. Dazu gehört etwa die Forderung, die green economy, eines der Hauptthemen in Rio, ernst zu nehmen und nicht als "greenwashing" der Wirtschaft zu missbrauchen. Ein "grünes" Wirtschaftsmodell wird wenig nützen, wenn ihm auch weiterhin keine Grenzen in Bezug auf Energie- und Rohstoffverbrauch gesetzt werden.

Die Frage des Umweltschutzes ist dabei eng mit der Frage nach sozialer Gerechtigkeit verknüpft: Das Konzept des Wachstums und ein auf Konsum und Verschwendung ausgerichteter Lebensstil, wie er in allen Industrienationen vorherrscht, muss kritisch hinterfragt werden. Denn: 1,4 Milliarden Menschen, nur ein Fünftel der gesamten Menschheit, verbrauchen 80 Prozent der Ressourcen.

Greenpeace fordert hier: Die Beendigung dieses verschwenderischen Lebensstils auf Kosten der Natur und ärmerer Länder muss durch Gesetze und politische Vorgaben, aber auch durch Bildung und öffentliche Diskussionen um alternative Lebensstile erreicht werden.

Die Notwendigkeit zu handeln ist groß, denn für die Umwelt und viele Menschen in ärmeren Regionen ist die Situation bereits jetzt prekär. Doch bislang gab es von Seiten der Politik nur wage Absichtserklärungen. Der Handlungsbedarf ist dringlicher denn je, aber die Hoffnungen auf große Durchbrüche ist gering.

Eine neue Welt - nicht dasselbe in Grün


Rio+20: Weltgipfel für Nachhaltigkeit 2012

WWF-Online, 11.6.12

Vom 20. bis zum 22. Juni wird in Rio de Janeiro der nächste „Weltgipfel für Nachhaltigkeit“ stattfinden. Bei dieser wichtigen Konferenz für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen werden die Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erwartet. Zwanzig Jahre nach dem ersten Weltgipfel am Zuckerhut schaut die Welt erneut nach Brasilien und erhofft sich entscheidende Lösungen für die wichtigste Frage der Menschheit: Wie schaffen wir es, in Zukunft nachhaltig zu leben, den wachsenden Hunger nach Energie zu stillen, ohne dabei unseren Planeten zu Grunde zu richten?

Seit dem 30. Oktober 2011 bevölkern sieben Milliarden Menschen unseren Planeten. Alle 2,6 Sekunden, so schätzt die Stiftung Weltbevölkerung, erblickt ein Baby das Licht der Welt. In weniger als 40 Jahren werden es insgesamt neun Milliarden sein. Schon jetzt verbrauchen wir die natürlichen Ressourcen von umgerechnet 1,5 Erden, wie der WWF in seinem „Living Planet Report“ errechnet hat. Halten wir unsere Lebensweise bei, werden es 2050 sogar zwei Erden sein.

Eine Welt mit neun Milliarden Bürgern, die allesamt nach Wohlstand streben, wird nicht mehr nach den bisherigen Prinzipien funktionieren. In Rio müssen die Staats- und Regierungschefs einen Wechsel in Politik und Wirtschaft einläuten.

Die internationale Staatengemeinschaft muss handeln

Der WWF fordert, dass sich die internationale Staatengemeinschaft in Rio de Janeiro auf neue, messbare, ambitionierte und glaubhafte Nachhaltigkeitsziele festlegt und den Übergang in eine nachhaltige Wirtschaftsweise („Green Economy“) einleitet. Nur so kann die Menschheit in Zukunft sozial gerecht, wirtschaftlich tragfähig und innerhalb der natürlichen Grenzen unseres Planeten dauerhaft versorgt werden.

Zukünftige Generationen drohen sonst einer Ressourcenknappheit und einer zerstörten Umwelt gegenüberzustehen, die sie nicht verursacht haben, und die absehbar zu Konflikten und politischen Instabilitäten führen. Die Auswirkungen werden auf der ganzen Welt spürbar sein, wenn der Kampf um Wasser, Nahrungsmittel und Energie beginnt. Am härtesten Treffen wird es jedoch erneut die Ärmsten.

„Wenn wir in den ökologischen Grenzen unseres Planeten handeln und zugleich Recht und Anspruch von Milliarden von Menschen erfüllen wollen, die bisher keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Trinkwasser, ausreichend Energie und Nahrung haben, dann müssen wir einen völlig anderen Ansatz wählen“, sagt Günter Mitlacher, Leiter Biologische Vielfalt.

Verwirklichung der "Green Economy"

Der WWF will deshalb eine „Green Economy“ verwirklicht sehen, die den Wert von biologischer Vielfalt, Ökosystemleistungen und natürlichen Ressourcen berücksichtigt, die mit dem Naturkapital effektiv und schonend umgeht und deren Begrenztheit respektiert.

Die bisherige Wirtschaftsweise, die auf schnelles Wachstum ausgelegt ist, hat die Nutzung natürlicher Ressourcen in immer neue Höhen getrieben. Biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen sollen erhalten bleiben bzw. wiederhergestellt werden. Der Wert des natürlichen Kapitals ist in einer echten Vollkostenrechnung, die über das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hinausgeht, zu berücksichtigen und in die Bilanzen von Unternehmen und Volkswirtschaften zu integrieren.

Reformen für mehr Nachhaltigkeit

Der WWF setzt sich für eine Reform der UN-Institutionen für Nachhaltigkeit und eine starke, eigenständige Umweltorganisation ein. Die Institutionen und Gremien, die auf UN-Ebene über Nachhaltigkeitspolitik diskutieren und entscheiden, sind seit Jahren reformbedürftig.

Das Ziel einer solchen Reform ist es, die Nachhaltigkeitsinstitutionen auf UN-Ebene zu stärken, um konsequent den Weg in eine Green Economy ebnen und verfolgen zu können. Eine solche Reform muss insbesondere folgende Aspekte berücksichtigen: Transparenz, Zugang zu Informationen, öffentliche Beteiligung im Prozess der Entscheidungsfindung, Rechenschaftspflicht und Zugang zur Justiz. Der WWF setzt sich dafür ein, dass die Zivilgesellschaft einschließlich lokaler Gemeinschaften und indigener Volksgruppen intensiv beteiligt wird. Das bisherige UN-Umweltprogramm soll endlich zu einer eigenständigen Organisation aufgewertet werden, damit die Umweltthemen das gleiche Gewicht haben wie Gesundheit, Ernährung und Welthandel.

WWF Positionspapier: Anforderungen an den Rio+20 Gipfel 2012


Rio-plus-20-Gipfel als Chance: Altmaier muss Umwelt- und Klimaschutz wieder zur Regierungspolitik machen

BUND Pressemitteilung, 17.6.12

Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Bundesumweltminister Peter Altmaier aufgefordert, sich beim Weltumweltgipfel nächste Woche in Rio de Janeiro vor allem für den Schutz des Klimas, der Artenvielfalt und der Gewässer einzusetzen. "Rio ist die erste internationale Bewährungsprobe für Altmaier. Bedauerlicherweise hat Bundeskanzlerin Merkel eher die Finanz- als die Umweltkrise auf dem Schirm. Damit steigen für Altmaier die Chancen, sich in Rio seine ersten Meriten im internationalen Umweltschutz zu verdienen", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. "In Rio müssen vor allem die Versuche der Industrie zurückgewiesen werden, ihrem Tun oder Lassen einen grünen Tarnanstrich zu geben. Wir werden den neuen Bundesumweltminister daran messen, ob er sich dieser Aufgabe stellt oder nicht", sagte Weiger.

Der vor 20 Jahren in Rio begonnene ökologische Aufbruch sei inzwischen in wirtschaftlichem Pragmatismus und in den Krisen des Finanzsystems versandet, so der BUND-Vorsitzende. "Der ungebremste Ressourcenverbrauch und die Missachtung von Nachhaltigkeitszielen gehören zu den Ursachen von Finanz- und Wirtschaftskrisen. Rio-plus-20 muss einen neuen Anfang wagen. Die globale Gemeinschaft muss die Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben in einer intakten Umwelt schaffen, und zwar so schnell wie möglich", sagte Weiger.

Inhaltliche Fortschritte erwartet der BUND-Vorsitzende vor allem beim Wald- und Gewässerschutz, beim Ausbau der erneuerbaren Energien und bei der Zurückdrängung der Stromerzeugung in Atom- und Kohlekraftwerken. Weiger: "Mit der begonnenen Energiewende spielt Deutschland durchaus eine teilweise positive Rolle. Viele Staaten schauen auf uns und hoffen, dass wir erfolgreich sind. Nachholbedarf gibt es hierzulande vor allem beim Abbau umweltschädlicher Subventionen, der ökologischen Neuausrichtung des Verkehrs und der Landwirtschaft." Europa insgesamt fehle es noch an Glaubwürdigkeit. So müsse aus Klimaschutzgründen der globale CO2-Ausstoß bis 2030 um etwa 40 Prozent sinken. Die EU wolle ihre Klimagase bis 2020 jedoch nur um 20 Prozent senken, weitergehende Ziele gebe es nicht.

"Das naturzerstörende Modell des ungebremsten Wachstums ist kein Vorbild für die Weltgemeinschaft", sagte der BUND-Vorsitzende. "In Südamerika beispielsweise gefährdet die Massenproduktion von Biosprit, Gen-Soja und Futtermitteln für den Export die Ernährungssicherheit und die biologische Vielfalt. Weltweit wachsen sich die Überfischung der Meere und ihre Vermüllung zu immer größeren Problemen aus. In Rio muss endlich ein Netz großer Meeresschutzgebiete beschlossen werden, in dem auch kein Abbau von Rohstoffen stattfinden darf", forderte Weiger. Die Staaten müssten außerdem das Wissen über Umwelttechnologien und über genetische Ressourcen als öffentliches Gut behandeln und dazugehörige Patente weltweit kostenlos zur Verfügung stellen. Risikotechnologien wie die Atomkraft, die Gentechnik oder die CO2-Einlagerung in die Erde dürften nicht als angeblich "grüne Technologien" gefördert werden.




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