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Gewinner und Verlierer 2014

Gewinner und Verlierer 2014

WWF: 2014 ein durchwachsenes Jahr für den Artenschutz

WWF Pressemitteilung, 29.12.14

Für Monarchfalter, Bonobos, Nashörner, Elefanten, Löwen, Lemuren und Walrösser war 2014 laut WWF kein gutes Jahr. Wilderei, Lebensraumverlust, Klimawandel und Übernutzung - das alles setzte diesen Tierarten und mit ihnen der gesamten biologischen Vielfalt weltweit enorm zu. „Der Mensch verursacht gerade das größte, globale Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier“, warnt Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland. Der Index zur Biologischen Vielfalt ist laut dem WWF-Living Planet Report seit den 1970er-Jahren um 52 Prozent nach unten gesackt. Damit hat sich die Zahl der untersuchten Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische durchschnittlich halbiert.

Doch es gab auch positive Nachrichten: Blauwal und Berggorilla profitieren von Schutzgebieten. Der Bestand des Bartgeiers zeigt dank Auswilderungen nach oben und der hierzulande ausgerottete Elch kehrt langsam von sich aus zurück. „Die Beispiele zeigen, dass der Mensch nicht nur das Problem verursacht, sondern auch die Lösung in den Händen hält“, so Brandes. Deutschland müsse als reiche Industrienation Vorbild sein. Es gelte, Landwirtschaft und Verkehr nachhaltiger auszurichten und Schutzgebiete wirksamer zu schützen. Von enormer Bedeutung seien auch die Energiewende und der Kampf gegen den Klimawandel.

Verlierer 2014

Monarchfalter: Der Bestand der orange-roten Schmetterlinge ist auf ein Rekordtief abgesackt. Laut WWF hat sich die Population innerhalb eines Jahres um 44 Prozent verringert. Mit dem Monarchfalter droht ein einzigartiges Naturschauspiel zu verschwinden. Jeden Herbst fliegen Abermillionen Falter von Nordamerika nach Mexiko. Da die erwachsenen Tiere im Schnitt nur wenige Wochen leben, braucht es mehrere Generationen für die Reise.

Bonobo: Der Salonga-Nationalpark in Afrika gilt als letzter sicherer Zufluchtsort der Menschenaffen. Doch immer mehr Wilderer dringen in den Nationalpark ein. Bald könnte der Zugang zu dem fast unberührten Gebiet noch leichter werden: Die kongolesische Regierung hat für einen Teil des Nationalparks Konzessionen zur Förderung von Erdöl vergeben.

Lemur: Laut Roter Liste 2014 finden sich 94 Prozent der Primaten in einer der drei höchsten Gefährdungskategorien. Darunter findet sich sowohl die größte Lemurenart, der Große Indri („Vom Aussterben bedroht“), sowie die kleinsten Primaten der Welt, der Berthe-Mausmaki („Gefährdet“). Lemuren sind durch Lebensraumzerstörung und Wilderei besonders gefährdet.

Elefant: In 2014 lag die Wilderei auf Elefanten in Afrika zum vierten Mal in Folge über der natürlichen Reproduktionsrate. Einzelne Populationen sind inzwischen vom Aussterben bedroht. In ganz Afrika leben derzeit schätzungsweise rund 430.000 Elefanten.

Nördliches Breitmaulnashorn: Der Bestand der vom Aussterben bedrohten Nördlichen Breitmaulnashörner hat sich weiter verringert. Mit dem Nashornbullen Suni starb 2014 in Kenia das wahrscheinlich weltweit vorletzte fortpflanzungsfähige Männchen dieser Nashorn-Unterart. Damit gibt es nur noch sechs Nördliche Breitmaulnashörner. Walross: Im Herbst kam es in Alaska zu einem ungewöhnlichen Schauspiel: Auf einem Strand lagen dicht an dicht 35.000 Walrösser. Normalerweise ruhen sich die Tiere auf Eisschollen aus. Doch das arktische Packeis hat sich 2014 – vermutlich aufgrund des Klimawandels - stärker zurückgezogen. Die Tiere mussten notgedrungen auf das Festland ausweichen.

Löwe: Population und Lebensraum des Löwen in Afrika schwinden dramatisch. Der König der Tiere steht vielerorts vor dem Aussterben. Man schätzt die Zahl der Löwen in freier Wildbahn auf etwa 23.000 Tiere. Wie zuletzt im Januar 2014 eine Studie von Science belegte, stehen die Löwen in Westafrika vor dem Aussterben. In Indien gibt es nur noch Restbestände.

Gewinner 2014

Blauwal: Eine große Blauwal-Population der Südhalbkugel bekommt mehr Schutz: Chile hat vor der Küste des Landes ein 70.000 Hektar großes Schutzgebiet eingerichtet. Etwa 250 Blauwale kommen jährlich in den Golf von Corcovado, um dort ihre Jungen aufzuziehen. Seit 2005 hat der WWF für das Schutzgebiet gekämpft. Weltweit gibt es maximal 25.000 Blauwale.

Elch: Im Sommer stand plötzlich ein Elch in einem Dresdner Bürogebäude. Obwohl die Bundesrepublik längst Elch-Einwanderungsland ist, dürfte das auch zukünftig nicht an der Tagesordnung sein. Wildschäden oder Probleme im Straßenverkehr gilt es, so der WWF, trotzdem zu thematisieren. Es brauche Elch-Managementpläne, um die Rückkehr der hierzulande einst ausgerotteten Hirschart zu einem dauerhaften Erfolg werden zu lassen.

Berggorilla: Der Ölkonzern Soco International beendet die Aktivitäten zur Ölförderung im Virunga-Nationalpark. Damit ist die Gefahr für das UNESCO-Weltnaturerbe vorerst abgewandt. Die Region ist Heimat von etwa 200 gefährdeten Berggorillas. In einer globalen Kampagne hatte sich der WWF für den Nationalpark eingesetzt. Um die Heimat der Berggorillas dauerhaft zu schützen müsse die Regierung des Kongos alle Öl-Konzessionen für Virunga zurücknehmen.

Bartgeier: 2014 war ein Rekordjahr für die Wiederansiedlung der Bartgeier im Alpenraum. Mit zwei ausgewilderten Tieren und acht in der Wildnis geschlüpften bekommt die Population einen wichtigen Wachstumsschub. 1986 wurden Bartgeier in den Alpen durch den WWF ausgewildert. Heute gibt es wieder über 150 Tiere in den gesamten Alpen.


NABU: ExxonMobil-Europachef Gernot Kalkoffen erhält „Dinosaurier des Jahres 2014“

Tschimpke: Fracking ist nicht sicher – Ignoranz beim Klima- und Umweltschutz

NABU Pressemitteilung, 29.12.14

Berlin – Der NABU hat ExxonMobil-Europachef Gernot Kalkoffen mit dem „Dinosaurier des Jahres 2014“ ausgezeichnet. Er erhält den Negativpreis für seine Verharmlosung des umstrittenen Fracking-Verfahrens und als Repräsentant einer rückwärtsgewandten Energiepolitik. Kalkoffen ist Vorstandsvorsitzender der Exxon Mobil Central Europe Holding GmbH und Vorstandsvorsitzender des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung WEG.

„ExxonMobil hält an der Förderung und Verbrennung fossiler Energieträger fest. Wenn wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten und die Energiewende zum Erfolgsmodell werden soll, brauchen wir einen naturverträglicher Umbau der Energiewirtschaft. Bislang zeichnet sich ExxonMobil weitgehend durch Ignoranz beim Klima- und Umweltschutz aus“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. ExxonMobil stehe damit ganz in der Tradition seines US-Mutterkonzerns. Bereits 2000 wurde der damalige Exxon-Chef, Lee R. Raymond, vom NABU mit dem Dinosaurier für die Gründung einer internationalen Anti-Klimaschutz-Lobbygruppe sowie der Blockade von Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen ausgezeichnet.

Die Sichtweise von Exxon Mobil, die Erdgas als Brückentechnologie einordnet, ist aus NABU-Sicht nicht zielführend, da billiges Erdgas einen steigenden Energieverbrauch befördert. Außerdem entweicht bei einer Verdopplung oder gar Verdreifachung der Produktion von Erdgas auch entsprechend mehr Gas durch undichte Rohre in die Atmosphäre, wo sein Hauptbestandteil Methan als starkes Treibhausgas wirkt.

Statt Gelder in neue Märkte für Energieeffizienzdienstleistungen und den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren, setzt ExxonMobil in Deutschland auf Erdgas mittels Fracking. „Herr Kalkoffen hat die Förderung von Erdgas aus konventionellen und unkonventionellen Lagerstätten mehrmals als sicher bezeichnet, obwohl bereits die Erdgas-Förderung aus konventionellen Lagerstätten wiederholt Gefahren und Risiken verdeutlicht hat: durch Erdbeben, Lecks an Leitungssystemen und Grenzwertüberschreitungen giftiger Substanzen durch die Verpressung von Lagerstättenwasser. Für den NABU hat er sich diesen Preis mehr als verdient“, so Tschimpke.

So hat eine Untersuchung des epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen im Auftrag des Landkreises Rotenburg/Wümme ergeben, dass Männer in der Samtgemeinde Bothel deutlich häufiger an Leukämie erkranken. Bürgerinitiativen hatten die Untersuchung angeregt. Der Untersuchung des Krebsregisters war im Mai 2014 der Nachweis durch den NABU-Kreisverband Rotenburg von 40- bis 70-fach erhöhten Werten der krebserregenden Substanzen Benzol und Quecksilber in der direkten Umgebung von zwei Erdgasförderstellen von ExxonMobil bei Söhlingen vorausgegangen. So ist es wahrscheinlich, dass die Krebsfälle mit der jahrzehntelangen Erdgasförderung zusammenhängen.

„Gerade weil aber die negativen Folgen des jahrzehntelangen Bergbaus erst heute zutage treten, machen sie den Einsatz der Fracking-Technologie unberechenbar. Sie als sicher zu bezeichnen ist fahrlässig. Fracking ist nicht sicher“, so Tschimpke weiter. Der NABU fordert ein Fracking-Verbot in Deutschland. Tschimpke: „Auch die aktuell von der Bundesregierung vorgelegten Entwürfe für ein Fracking-Gesetz reichen nicht aus, weil sie weder Mensch, Natur noch Trinkwasser hinreichend vor den Folgen des Frackings schützen.“

ExxonMobil ist erst in den vergangenen Jahren und auf öffentlichen Druck dazu übergegangen, Bedenken und Ängste der Bevölkerung ernst zu nehmen. „Diese Offensivstrategie mit Info-Dialogen und freiwilligen Monitoringmaßnahmen ändert aber nichts an der Unternehmensphilosophie, weiter aggressiv auf fossile Energien zu setzen“, so Tschimpke. Auf der Internetseite von ExxonMobil heißt es: „Wir suchen kontinuierlich nach Möglichkeiten, unsere Sicherheits- und Umweltbilanz kontinuierlich zu verbessern und die Auswirkungen unserer Tätigkeiten auf die Umwelt zu minimieren.“ Von einem Umsteuern ist bislang wenig zu spüren.




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