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Gekaufter Klimawandel-Leugner

Gekaufter Zweifel

Die Sonne ist Schuld am Klimawandel. Diese bizarre These verbreitet der Wissenschaftler Willie Soon – die Öl- und Kohleindustrie bezahlt ihn dafür.

Von Karsten Smid, Greenpeace-Online, 3.3.15

Ist der Klimawandel hauptsächlich vom Menschen verursacht oder ist die Sonne Schuld an den Klimaschwankungen? Die Klimawissenschaft hat diese Frage längst beantwortet, doch in den Medien werden immer wieder Zweifel laut. Klimaskeptiker, also Menschen, die die vorherrschende wissenschaftliche Meinung zu den Ursachen des Klimawandels bezweifeln oder gleich ablehnen, finden sich vor allem in den USA. Warum das so ist, hat viel mit großzügigen Geldgebern aus der fossilen Industrie zu tun.

Einer der am häufigsten zitierten Klimawandel-Leugner ist Wei-Hock „Willie“ Soon, ein Wissenschaftler am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (CfA). Soons These: Die globale Erwärmung seit Beginn der Industrialisierung lässt sich weitgehend durch die Schwankungen der Sonnenenergie erklären. Mit seiner These wird Soon zum beliebten Zitatgeber der konservativen US-Medien und zum Kronzeugen von Klimaskeptikern in aller Welt. Vor wenigen Tagen hat sich das grundlegend geändert.

1,2 Millionen Dollar von der fossilen Energielobby

Im Februar 2015 berichtet die „New York Times“ über Dokumente, die nachweisen, dass Willie Soon über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren gut 1,25 Millionen Dollar von Konzernen, Lobbygruppen und Ölfirmen erhalten und diese Einnahmequelle verheimlicht hat. Unter Soons Geldgebern finden sich Ölkonzerne wie Exxon Mobil, das Kohleunternehmen Southern Energy und der Ölmilliardär Charles Koch. Neben der Verheimlichung der Geldquellen ist besonders irritierend, dass Soon Forschungsergebnisse wie die vermeintlichen Auswirkungen der Sonne auf den Klimawandel in Vereinbarungen mit den Geldgebern als „lieferbare Resultate“ (deliverables) bezeichnet wurden.

Bereits 2003 war es zu einer Kontroverse gekommen, nachdem Willie Soon und Sallie Baliunas zwei nahezu identische Artikel im Fachjournal „Climate Research“ und in der Zeitschrift „Energy & Environment“ veröffentlicht hatten. In denen stuften sie die aktuelle Erwärmung als unbedeutend ein im Vergleich zu anderen historischen Klimaveränderungen des vergangenen Jahrtausends. Nach scharfer fachlicher Kritik wegen methodischer Mängel der Studie und wegen totalen Versagens des Begutachtungsprozesses mussten sich die Herausgeber der Fachzeitschrift von dem veröffentlichten Artikel distanzieren. Dieser Beitrag hätte nach Meinung von Fachleuten wegen wissenschaftlicher Mängel nicht veröffentlicht werden dürfen. Der Herausgeber der Zeitschrift „Climate Research“ musste schließlich zurückgetreten. Trotzdem wurde die Studie von der damaligen US-Regierung unter George W. Bush als angeblicher Beweis für die Behauptung herangezogen, Klimaschutz sei unnötig.

Fragwürdiger Zeuge auch für deutsche Klimawandel-Leugner

Die Skandale schadeten Soons Ruf unter denen, die den Klimawandel leugnen, nicht. Er galt weiterhin als gern gesehener Gast bei erzkonservativen US-Politikern wie etwa Oklahomas Senator James M. Inhofe, der den Klimawandel einen wissenschaftlichen Schwindel nennt. Auf einer Tagung der neoliberalen Denkfabrik The Heartland Institute hielt Soon, der sich als „unabhängigen Wissenschaftler“ vorstellt, im vergangenen Jahr einen skurrilen Vortrag über den Weltklimarat, den er als „Gangster-Wissenschaft“ bezeichnete.

Auch für den früheren RWE-Manager Fritz Vahrenholt galt Willie Soon als Kronzeuge in seinem Buch „Die kalte Sonne“. Darin behauptet Vahrenholt, der Klimawandel finde nicht statt.

Die Methode „Zweifel“

Aller Kritik zum Trotz werden Soons Veröffentlichung als sogenannter „wissenschaftlicher Beweis“ weiterhin von Klimawandel-Leugner in aller Welt zitiert. Dass Soons Thesen wissenschaftlich längst widerlegt sind, stört dabei nicht. Die Strategie derer, die den Klimawandel leugnen, zielt nicht primär auf vermeintlich wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern darauf, Zweifel zu streuen.

Aufgedeckt wurde der Skandal von Kert Davis vom Climate Investigation Center, der früher für Greenpeace USA arbeitete. Er hat die Offenlegung der Finanzgeber nach dem amerikanischen Freedom of Information Act (FOIA) erreicht. Dieser gibt jedem das Recht, Zugang zu Dokumenten der Exekutive (der Regierung) der Vereinigten Staaten zu verlangen.

Soons Fall ist ein extremes Beispiel interessensgeleiteter, manipulativer Wissenschaft. Sein Schaden beschränkt sich nicht allein auf die Klimaskeptiker. Soon stellt die Unabhängigkeit der Wissenschaft in einer Zeit in Frage, in der immer mehr Wissenschaftler von Drittmitteln aus der Industrie abhängig sind. Auch Greenpeace gibt Studien in Auftrag, achtet dabei aber stets darauf, dass die Finanzierung transparent gehalten wird. Eben das aber hat Soon bei seiner Arbeit versäumt – und dadurch seine Glaubwürdigkeit verloren.


Emissionshandel ist wieder im Spiel

WWF begrüßt Entscheidung des EU-Umweltausschusses zum EU-Emissionshandel

WWF-Pressemitteilung, 24.2.15

Der Umweltausschuss des Europaparlaments hat heute über die sogenannte Marktstabilitätsreserve abgestimmt, mit der der strukturelle Überschuss von CO2-Zertifikaten im Emissionshandel endlich angegangen werden soll. Der CO2-Zertifikatepreis gilt seit Jahren als zu niedrig, um Investitionen für effektiven Klimaschutz anzuregen.

Der WWF bezeichnete die Initiative des Parlaments, die schwache Vorlage der EU-Kommission zu verschärfen, als wegweisenden Meilenstein, um den abgewürgten Motor des Emissionshandels wieder zum Laufen zu bringen.

"Der dürftige Vorschlag der EU-Kommission hat Klimaschützern Tränen in die Augen getrieben. Aber glücklicherweise hat der Umweltausschuss erkannt, dass schneller gehandelt werden muss, wenn die EU sich weiterhin auf dieses bislang zentrale Klimaschutzinstrument verlassen will", sagt Juliette de Grandpré, Referentin für EU-Klimapolitik bei WWF Deutschland.

Die heute beschlossene Marktstabilitätsreserve soll den Emissionshandel stabilisieren: Steigt der Überschuss an Zertifikaten auf eine bestimmte Menge an, so werden Zertifikate vom Markt genommen und in die Reserve gestellt. Sinkt der Überschuss unter eine bestimmte Grenze ab, so werden Emissionsscheine aus der Reserve zurück auf den Markt gebracht.

Der Umweltausschuss setzt sich für eine Einführung der geplanten Marktstabilitätsreserve ab 31.12.2018 ein, während die Kommission das Jahr 2021 als Startdatum vorgeschlagen hatte. Eine Einführung der Reserve ist damit de facto erst ab 2019 vorgesehen und verschiebt damit die Funktionsfähigkeit des Systems noch weitere vier Jahre in die Zukunft. Deutschland solle, so die WWF-Forderung, den Vorschlag im Ministerrat weiter verbessern.

Der Starttermin müsse auf 2017 vorverlegt werden. Dieses Datum entspreche ohnehin der Position der deutschen Bundesregierung. Darüber hinaus spricht sich der Ausschuss für die direkte Übertragung von ca. 1,7 Mrd. überschüssigen Zertifikaten in die Reserve aus: Sowohl die 900 Mio. überschüssige CO2-Zertifikate, die im Rahmen des Backloading temporär vom Markt genommen worden sind, als auch 700-900 Mio. nicht-zugeteilte Zertifikate, die im Jahr 2021 auf dem Markt versteigert werden sollten, würden direkt in die Reserve übertragen.

Damit würde ein erheblicher Beitrag zum Abbau der Überschüsse geleistet, um den Emissionshandel mittel- und langfristig wieder funktionsfähig zu machen. Kurzfristig hat Deutschland mit dem im Dezember verabschiedeten Klimaschutzaktions-programm bereits indirekt eingestanden, dass vom europäischen Emissionshandel zu wenig Impulse ausgehen und daher nationale Zusatzmaßnahmen nötig sind.

Der WWF erwartet nun nähere Informationen der Bundesregierung zur konkreten Umsetzung des Klimaschutz-aktionsprograms. Der strukturelle Überschuss an Zertifikaten ist aufgrund fehlerhafter Umsetzung in der zweiten Phase des Systems (2008-12) entstanden. Für den WWF ist es deshalb wichtig, dass nach der Einführung der Reserve ein Vorschlag zur Löschung des gesamten Überschusses folgt.

Für die Zeit nach 2020 wird die Kommission in der zweiten Hälfte 2015 eine umfassende Reform des Emissionshandels vorlegen. Drei Punkte sind aus WWF Sicht entscheidend: eine ambitioniertere Reduktion der jährlichen Emissionsobergrenze als bisher von der EU Kommission und vom Rat verabschiedet, die Einbeziehung der Industriesektoren in die Minderungsbestrebungen und die Verwendung der Einnahmen aus der Versteigerung von Zertifikaten zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen innerhalb und außerhalb Europas.


Licht aus fürs Klima

WWF ruft auf zu globaler Klimaschutzaktion Earth Hour
Bislang 100 deutsche Städte dabei


WWF-Pressemitteilung, 18.2.15

Berlin - Es ist die wohl weltgrößte Freiwilligenaktion: Am 28. März schalten während der WWF Earth Hour wieder Millionen Menschen von 20:30 Uhr bis 21:30 Uhr die Lichter aus um ein Zeichen für den Umwelt- und Klimaschutz zu setzen. Zeitgleich verdunkeln viele Tausend Städte ihre bekanntesten Denkmäler. In Deutschland zeichnet sich zum neunten Geburtstag der Aktion eine Rekordbeteiligung ab: Knapp sechs Wochen vor der „Stunde der Erde“ haben bereits über 100 Städte ihre Teilnahme zugesagt. Unter www.earthhour.wwf.de informiert der WWF über die Earth Hour 2015 und gibt Tipps zur Teilnahme.

„Mit der Earth Hour kann jeder ein Zeichen setzen und so etwas für den Schutz des Planeten tun“, so Astrid Korolczuk vom WWF Deutschland. Um die drängenden Probleme wie Klimawandel zu lösen, genüge ein einmaliges Licht-Aus jedoch nicht. „Wir verstehen die Earth Hour als globalen Aufruf, auch den Rest des Jahres etwas für die Umwelt zu tun. Gerade die vielen kleinen Entscheidungen im Alltag haben einen großen Einfluss.“ So empfiehlt der WWF zum Beispiel, öfter mal das Auto stehen zu lassen oder bei der Ernährung auf weniger Fleisch und regionale Produkte zu achten. Mit vielen Maßnahmen entlaste man auch die persönlichen Finanzen: Eine um nur einen Grad Celsius niedrigere Raumtemperatur spare bis zu zehn Prozent der Heizenergie.

Ihren Ursprung hat die WWF Earth Hour im Jahr 2007 in Sydney, an der sich mehrere Hunderttausend Australier beteiligten. Nur zwölf Monate später weitete sich die Aktion zu einem globalen Ereignis aus: Geschätzte 50 bis 100 Millionen Menschen in 35 Ländern schalteten gemeinsam das Licht aus. In Deutschland wird die Earth Hour seit 2009 gefeiert. An der letzten Earth Hour in 2014 nahmen rund 7.000 Städte in 162 Ländern teil. Rund um den Globus gingen die Lichter weltberühmter Gebäude aus – wie zum Beispiel das Kolosseum in Rom oder die Golden Gate Bridge in San Francisco.


Klimawandel: Wärmestrahlen beweisen verstärkten Treibhauseffekt

Von Axel Bojanowski, SPIEGEL-Online, 26.2.15

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/treibhauseffekt-messungen-zeigen-klimawandel-durch-co2-a-1020528.html


Klimawandel trocknet Kalifornien aus

(dpa) - 3. März, 2015

http://www.handelsblatt.com/technik/energie-umwelt/duerre-in-den-usa-klimawandel-trocknet-kalifornien-aus/11449196.html




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