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Aktuell

Update Firefighter-Camp in Russland

Neuigkeiten aus dem Firefighter-Camp

Greenpeace-Online, 23.7.12

Die 29-jährige Verena Mohaupt aus Bielefeld und der 26-jährige Sven Willner aus Leipzig besuchen für knappe zwei Wochen ein “Firefighting-Camp” in Russland. Sie lassen sich dort für die Bekämpfung von Waldbränden ausbilden und werden gegebenenfalls bei Bränden helfen. In einer Blogreihe erzählen sie von ihren Erfahrungen. Im zweiten Teil berichtet Verena von dem anstrengenden Camp-Alltag und über die Herausforderungen, welche ihnen dabei begegnen.

Verena und Sven sind seit gut einer Woche im russischen Firefighter-Camp, wo sie sich zum Kampf gegen das Feuer ausbilden lassen. Jedes Jahr brennt in Russland ungefähr eine Fläche von zehn Millionen Hektar Wiesen, Torfmooren und Wälder ab. Im ersten Blogteil berichtete Sven über ihre Ankunft im Camp, welches im Meschorski Nationalpark liegt.

Krachend bricht das Unterholz, als ich keuchend durch das Dickicht renne. Richtung Horizont bilden die Birken ein dichtes, schwarzweißes Geflecht, doch ich halte den Blick konzentriert gesenkt, um nicht über das Gewirr aus Totholz und Gestrüpp zu stolpern, die Hände stets schützend vor dem Gesicht. Vor und hinter mir höre ich die anderen ebenso keuchen und um meinen Kopf schwirren unentwegt die Mücken. Wir werden angespornt von unserem Trainingsleiter Grischa: “Bevor es Frühstück gibt, müssen wir die Insekten im Wald füttern!” Ganz in diesem Sinne machen wir auf der mückenreichsten Lichtung halt – fertig sind wir noch lange nicht. “Ras!”, “Dwa!”, “Tri!” – es reiht sich Liegestütze an Liegestütze und Sit-Up an Sit-Up, bis alle außer Grischa aufgeben.

Der erfahrene Firefighter bereitet uns auf die körperlichen Herausforderungen in der Extremsituation eines Brandes vor. Ein Firefighter muss mit voller Montur lange Strecken durch unwegsames Gelände schnell zurücklegen können, Gerät und im Extremfall auch Kameraden tragen. Oberstes Gebot ist die eigene Sicherheit: Im Ernstfall vorwärts oder rückwärts abrollen, Sturz auf den Bauch, auf die Hände gestützt und immer den Blick zur Gefahrenquelle gerichtet. Mit Grischas Tempo kann ich noch nicht mithalten und bin völlig außer Atem.

Beim anschließenden Frühstück erfüllt mich jedoch ein großes Gefühl der Zufriedenheit, und auch ein bisschen Stolz. Frisch von der Feuerstelle gibt es dampfenden Milchreis mit Rosinen und Aprikosen und die Köchin Lena freut sich beim Austeilen immer, ein paar deutsche Worte mit uns zu wechseln.

Nach dem Essen erklärt uns Anton die einzelnen Teile der Ausrüstung – von den vielen russischen Wörtern schwirrt mir schon nach kurzer Zeit der Kopf. Im Ernstfall müssen die Vokabeln sitzen. Nach dem kurzen Theorieteil wird es aber auch Zeit das Equipment in der Praxis kennenzulernen: In einer Übung wird das Camp von einem fiktiven Brand bedroht. Unsere Aufgabe ist es die Schläuche zu legen, um die Feuerfront in Schach zuhalten. In meinem Team herrscht zunächst noch etwas Verwirrung, aber irgendwie schaffen wir es mit einem Mischmasch aus Russisch, Englisch und wilden Gesten die Schläuche an die Pumpe anzuschließen und eine funktionierende Wasserversorgungskette zu schaffen. In voller Montur – mit Gasmaske und Schutzschild, schließlich gehen wir von hoher Rauchentwicklung aus – stehe ich am Ende mit der 51er Spritze vor der imaginären Feuerquelle. Wasser marsch!


Firefighters im Einsatz gegen Torfbrand

Greenpeace-Online, 24.7.12

Die 29-jährige Verena Mohaupt aus Bielefeld und der 26-jährige Sven Willner aus Leipzig besuchen für knappe zwei Wochen ein “Firefighting-Camp” in Russland. Sie lassen sich dort für die Bekämpfung von Waldbränden ausbilden und werden gegebenenfalls bei Bränden helfen. In einer Blogreihe erzählen sie von ihren Erfahrungen. Im dritten Teil berichtet Sven von ihrem ersten richtigen Einsatz gegen das Feuer. Ein Torfbrand, weit weg von ihrem Camp, muss dringend gelöscht werden. Können sie diese brenzlige Situation meistern? Lest selbst…

Etwa 700 Kilometer von unserem Camp entfernt liegt Joschkar-Ola, die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Mari El. Unweit der Stadt brennt der Torf, so zumindest berichten Anwohner. In den Berichten der Behörden finden sich keine Angaben zu dem Fall. Unsere russischen Kollegen jedoch wissen um deren Umgang mit der Wahrheit und wollen sich selbst ein Bild machen. Nicht zum ersten Mal soll sich dieses Misstrauen als berechtigt herausstellen.

In der Weite Russlands sind 700 Kilometer nur ein Katzensprung, trotzdem verlassen wir das Camp schon im Morgengrauen. Die Schlaglöcher in den Straßen hinterlassen ihre Spuren am Fahrzeug und zwei gebrochene Stoßdämpfer lassen uns erst spätnachts unser Zelt am Zielort aufschlagen. Noch gut erkennt man die Strukturen des ehemaligen Torfgewinnungsgebietes; durch die flache Landschaft ziehen sich Kanäle und kleinere Gräben bis hinunter zum Fluss. Damals als Brennstoff genutzt, ist der entwässerte Sumpfboden heute immer noch extrem brandgefährdet.

Schon im zweiten Dorf riechen wir den charakteristischen Geruch schwelenden Torfes und entdecken kurz darauf die obere Spitze des Brandherdes, erkennbar bloß durch eine kleine Rauchfahne, die aus dem Boden aufsteigt.

Obwohl Torfbrände sich an der Erdoberfläche harmlos darstellen, brennt der heimtückische Schwelbrand metertief unter der Erde mit bis zu 600°C. Aus Respekt vor dabei entstehenden Hohlräumen, die bei unbedarftem Betreten einstürzen könnten, nähern wir uns vorsichtig der Brandstelle, stets auf den noch grün bewachsenen Stellen, zwischen denen der Brand bereits gelbe Flecken ausgedörrten Grases geschaffen hat.

Ein eigens dafür konstruiertes Thermometer hilft uns die Hotspots im Boden zu lokalisieren. 60, 100, 150 °C – an einigen Stellen steigt die Temperatur rapide an. Es bleibt ein mulmiges Gefühl, auf einem Feuer herumzulaufen statt ihm offen zu begegnen, ist doch etwas beängstigend.

Zwei Stunden später schmerzen die Arme von den Löscharbeiten. Wir stehen mit zwei Spritzen am Ende einer Schlauchkette, die von einem nahe gelegenen Teich versorgt wird und “waschen den Torf”. Mit schnellen, kreisenden Bewegungen brechen wir den bereits zu Koks verhärteten Torfboden. Rauch, Matsch und heißer Staub wirbeln durch die Luft. Das Wasser sammelt sich zu unseren Füßen zu einem See, in dem wir mit dem bloßen Arm auf heiße Stellen testen.

Als die Feuerwehr schließlich auftaucht, sind wir mit unserer Brandstelle beinahe fertig. Unsere Kapazitäten reichen jedoch nicht aus, um die gesamte betroffene Fläche anzugehen.

Wir wollen den Behörden aber in erster Linie zeigen, dass und wie Torfbrände tatsächlich gelöscht werden können – anders als von ihnen behauptet. Die Delegation von der örtlichen Notfallbehörde leugnet gar, dass es sich überhaupt um einen Brand handelt.

Auf ihrer Webseite findet sich bald die Angabe, die Feuer seien gelöscht worden, welche wenig später ersetzt wird durch die Behauptung, es hätte hier nie Brände gegeben. Während wir erschüttert sind, sind unsere Kollegen von Greenpeace Russland wenig verwundert und haben in weiser Voraussicht Brände und Aussagen dokumentiert.

Aus anderen Regionen wissen sie bereits, dass dies der Normalzustand bei den Behörden ist. In der Zentralregion um Moskau haben sie die Situation bereits durch ausdauerndes Dokumentieren und Nachhaken verbessern können. Die gesammelten Informationen werden in einem Internetforum veröffentlicht und an die übergeordnete Behörde weitergegeben.

Erst am späten Nachmittag treten wir den Rückweg an. In der flachen Landschaft passieren wir eine riesige Fläche abgebrannten Waldes. Die großen Torfbrände des Jahres 2010 weiteten sich hier nicht nur auf Gras sondern auch ganze Wälder aus, deren schwarze Rauchwolken bis nach Finnland zogen. Vom Autodach erhalten wir einen kleinen, dennoch umso bestürzenden Eindruck vom Ausmaße der Katastrophe.

Wir verlassen die Teilrepublik Mari El über den beeindruckenden Wolgastaudamm. Entlang der Straße reihen sich die windschiefen Holzhäuschen der Dörfer auf, Fenster und Türen von zierlichen Schnitzereien umrahmt. Alte Frauen verkaufen am Straßenrand Obst und Gemüse aus ihrem Garten. Ein idyllisches Bild – die Menschen in der Gegend lassen sich von den Bränden nicht unterkriegen und leben ihren Alltag so normal wie möglich weiter.

Anbei eine kleine Veranschaulichung auf Englisch, wie die russische Regierung mit den Waldbränden umgeht:

http://www.youtube.com/watch?v=QD-J7gZaqEk&feature=player_embedded


Alltag im Firefighting-Camp – Üben für den Ernstfall

Von Beate Steffens, Greenpeace-Online, 26.7.12

Die 29-jährige Verena Mohaupt aus Bielefeld und der 26-jährige Sven Willner aus Leipzig besuchen für knappe zwei Wochen ein “Firefighting-Camp” in Russland. Sie lassen sich dort für die Bekämpfung von Waldbränden ausbilden und werden gegebenenfalls bei Bränden helfen. In einer Blogreihe erzählen sie von ihren Erfahrungen. Im vierten Teil berichten sie von ihrem Alltag im Camp und erzählen, wie sie Grasbrände bekämpfen können.

Der nicht weit vom Camp entfernt liegende See erstreckt sich über die bewaldete Ebene. Überall kann man stehen, die Beine versinken bis zu den Knien im Torfschlamm. Es fühlt sich an wie durch Malzbier zu schwimmen, so rötlich braun erscheinen meine Arme, wenn ich sie dicht unter der Wasseroberfläche entlang ziehe.

Wir sind in einem kleinen Grüppchen baden gegangen und als wir ans Ufer waten, schlagen wir stetig nach den Mücken und Bremsen, die über uns herfallen. Die braunen Schwebeteilchen des Torfes setzen sich an jedes Körperhaar; wir sehen aus wie kleine Affen. Die Duschen und überhaupt das gesamte Camp werden durch eine Motorpumpe mit Wasser aus dem See versorgt.

Heute stehen wir an dem kleinen, provisorischen Steg und füllen mit der Motorpumpe unsere Spritzenpumpen und die Wasser-Luft-Gebläse. Unser Trainer schreitet die imaginäre Grasbrandkante ab und zeigt aus welcher Richtung wir uns den Wind vorstellen sollen. Ständig ändert sich der Wind und unser Zweierteam muss reagieren. Zunächst löscht der Träger des Wasser-Luft-Gebläses – eine Art Laubbläser mit Wasserbeimischung – die größeren Flammen. Der Zweite läuft hinterher, auf seinem Rücken trägt er einen wassergefüllten Rucksack und pumpt mit der angeschlossenen Handpumpe Wasser auf die übrig gebliebenen Glutstellen. Anton erklärt, dass auf diese Art Grasbrände sehr schnell und flexibel gelöscht werden können.

Anton, studierter Jurist, hat 2010 als Freiwilliger angefangen Brände um Moskau zu bekämpfen, bevor er zu Greenpeace stieß und seit 2011 als Campaigner für Boreale Wälder arbeitet. Prägend war für ihn ein Austausch mit der waldbrandbekämpfenden Fallschirmtruppe der US-amerikanischen Forstbehörde. Er erzählt auch gerne von seinem Einsatz in der Astrachan-Region zu Beginn dieses Jahres. Inmitten des Wolgadeltas an der Grenze zu Kasachstan nehmen viele Brände ihren Ursprung. Im Frühling wüten beängstigende Feuer durch das übermannshohe Schilfmeer. Im Sommer sind die meisten Grasbrände vorbei und so bleibt unser Training für dieses Jahr wohl ungenutzt.

Abends sitzen wir im Gemeinschaftszelt während Grischa einen Vortrag über Brandbekämpfungstaktiken hält. Im Wesentlichen gibt es drei Arten von Bränden, welche die russische Natur bedrohen: Torfbrände, Grasbrände und Waldbrände. Wir lernen Brandschneisen geschickt zu platzieren und dem Feuer systematisch und taktisch klug zu begegnen. Das wichtigste ist jedoch die Behörden zu informieren, da die freiwilligen Firefighter die Feuerwehr weder ersetzen wollen noch können. Problem sind dabei leider die unterschiedlichen Zuständigkeiten der offiziellen Stellen, die aufgeteilt sind auf Siedlungen und Wälder, dazwischen liegende Bereiche bleiben ungeschützt. Außerdem fehlt es den professionellen Brandbekämpfern an Mitteln und oft an Know-How.

Viele Feuer beginnen als gelegte Brände in Grasregionen, entweder aus Tradition in der Landwirtschaft oder als präventive Maßnahme, die oft außer Kontrolle gerät. In den vergangenen Jahren wurde von staatlicher Seite sogar dazu aufgerufen kontrollierte Brände zu legen. Greenpeace Russland fordert ein generelles Verbot derartiger Brandrodung, wie es in manchen Regionen bereits Gesetz ist.

Am allabendlichen Lagerfeuer unter sommerlich dämmerndem Himmel trinken wir den letzten Tee des Tages und versuchen uns trotz sprachlicher Barriere auszutauschen. Erschöpft klettern wir in unser Zelt, in wenigen Stunden wird Antons Ruf wieder durchs Lager hallen: “Dobri Utra! Paidiom!” – “Guten Morgen! Los geht’s!”.




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